13.02.2019 - 22:17 Uhr
ErbendorfDeutschland & Welt

Im Naturschutz erste Liga

Ein kleiner Verein mit großem Einfluss auf Umwelt- und Naturschutz sitzt in Erbendorf. Künftig wird der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern sogar noch einflussreicher.

Drei wichtige Akteure für den VLAB: Vorsitzender Johannes Bradtka, die hauptamtliche Mitarbeiterin Michaela Domeyer und ein Habichtskauz (aus Plüsch).
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

(wüw) Der Erbendorfer Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) hat Ende Januar vom Bundesumweltamt die Anerkennung sowohl als Umwelt- als auch als Naturschutzverein erhalten - inklusive aller Mitwirkungs- und Klagerechte. VLAB-Vorsitzender Johannes Bradtka sagt, er sei sehr glücklich über die Nachricht. Wie kompliziert das Prüfverfahren ist, zeigt die Tatsache, dass der VLAB den entsprechenden Antrag bereits im November 2017 eingereicht hat.

Das Bundesumweltamt benötigte also alleine 14 Monate zur Prüfung der Unterlagen, bevor es das O. k. gab. Der VLAB ist damit die einzige Vereinigung mit Sitz in Bayern, die bundesweit als Unwelt- und Naturschutzverein anerkannt ist. "Es gibt zwar den Landesverband des Bund Naturschutz. Der ist aber auch nur in Bayern anerkannt. Der Bundesverband sitzt in Berlin", erklärt Bradtka.

Habichtskauz punktet

Die Anforderungen für die Anerkennung seien hoch, der positive Bescheid eine Bestätigung für gute Arbeit des VLAB in den vergangenen Jahren seit der Anerkennung durch das bayerische Landesamt für Umwelt im Jahr 2015. Der Verein hat sich vor allem als Energiewende-Kritiker einen Namen gemacht, der immer wieder auf die teils katastrophalen Folgen von Wind-, Sonnen- und Biogasenergie für Landschaft und Artenschutz hinweist. Außerdem betreibt der Verein im dritten Jahr ein Wiederansiedlungsprojekt für den in Nordbayern seit 100 Jahren ausgestorbenen Habichtskauz. "Besonders dieses Projekt hat beim Umweltbundesamt geholfen", sagt Bradtka. Durch die Anerkennung kann sich der VLAB bundesweit bei Bau- und Infrastrukturprojekten einbringen, wenn er Belange von Natur- und Umweltschutz betroffen sieht. So kann der Verein vor Verwaltungsgerichten gegen Genehmigungsbescheide klagen - sonst ist dies nur direkt Beteiligten wie Anwohnern möglich. Bisher hatte der VLAB diese Möglichkeiten nur in Bayern.

Für zu Guttenberg

Johannes Bradtka macht nun aber deutlich, dass es nicht Ziel sei, die Arbeit von Bayern auf Deutschland zu übertragen. "Die Anerkennung verschaft uns ja nicht mehr Mittel oder Mitarbeiter." Die VLAB-Experten seien schon jetzt voll eingespannt. Außerdem sei es wichtig, begleitete Projekte unmittelbar zu kennen. Möglich sei das in Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg. Dort gibt es VLAB-Landesverbände, die künftig die Rechte wahrnehmen sollen. In anderen Bundesländern seien Neugründungen möglich, aber nicht einfach.

Der Verein sei über jedes Neumitglied dankbar. "Aber für die Arbeit als Naturschutzverein brauchen wir Experten mit Erfahrung", sagt Bradtka. Auch die Gründung eines Bundesverbandes, eines VLAD, sei nicht ausgeschlossen. "Wir betreiben das aber nicht aktiv", sagt Bradtka, der auf den Bund Naturschutz verweist. Der wurde einst auch nur in Bayern gegründet, bis zum Bundesverband seien 70 Jahre vergangen.

Der VLAB feiert 2019 einen halbrunden Geburtstag. Vor 15 Jahren hatte sich der Vorläufer als "Unser Hessenreuther Wald" gegründet, um eine Autoteststrecke im Waldgebiet bei Erbendorf zu verhindern. Aus diesem Anfängen ist nun ein Akteur mit Einfluss aufs ganze Bundesgebiet geworden. Dabei denkt Bradtka an einen besonderen Freund und Förderer: Enoch zu Guttenberg. Der 2018 verstorbene Naturschützer hatte sich sehr für die bundesweite Anerkennung eingesetzt. "Schade, dass er das nicht miterleben kann. Dieser Erfolg gehört vor allem ihn."

Kommentar:

Der VLAB: Wie der BUND vor 40 Jahren

Er ist unbequem und unerschrocken. Wenn es um die Umwelt geht, gibt es keinen für ihn keine Kompromisse. Die Rede ist natürlich vom Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) der 1970er Jahre – oder vom Verein für Landschaftspfelge und Umweltschutz der Gegenwart.
Während Platzhirsch BUND längst in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen ist, Mehrheitsmeinungen vertritt und als politischer und wirtschaftlicher Akteur auf materielle Interessen und politische Konstellation Rücksicht nehmen muss, hat der VLAB Natur, Landschaft und Artenvielfalt im Auge. Auf Geld und Macht muss der Verein mit Sitz in Erbendorf schon deshalb keine Rücksicht nehmen, weil er beides kaum hat.
Der VLAB hat sich damit in den vergangenen Jahren Feinde gemacht, weil er den Finger in die Wunde der vermeintlich grünen Energie legt, Fragen stellt zu Folgen für Pflanzen- und Tierwelt. Oft bleiben die Fans von Wind- und Sonnenenergie Antworten schuldig. Oder anders formuliert: Der VLAB hat die Rolle übernommen, die der BUND in den 1970er und 80er Jahren inne hatte und erfolgreich ausfüllte.

Wolfgang Würth

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Hilde Lindner-Hausner

Erste Liga?, ich meine, es kommt nicht darauf an, in welcher Liga man spielt, sondern, wie man spielt.
Alles was in einem Presse-Artikel nicht untergebracht werden kann, kommt im Kommentar des Berichterstatters zu Wort, nämlich persönliche Meinung. Der Bund Naturschutz vertrete Mehrheitsmeinungen wird hier kritisiert. Nehmen wir das Beispiel 10-H: Ja, wenn der Bund Naturschutz die 10-H-Regelung kritisiert, dann vertritt er folglich also die Meinung der Mehrheit. Ergo ist die Mehrheit der Bevölkerung nicht mit der 10-H-Regelung einverstanden. Was steht dann der Abschaffung der 10 -H-Windkraftverhinderungs-Regelung im Wege?
Ein Wort des Bedauerns zur geplanten Zerstörung des Hambacher Waldes mit dem seltenen Fledermausvorkommen, und der damit einhergehenden unwiederbringlichen Zerstörung der ganzen Landschaft? Nein, im Gegenteil es werden die Protestaktionen zur Rettung des Hambacher Waldes als Missbrauch des Waldes gesehen. Es wird zweierlei Maß gemessen, wie es aussieht mit politischer Abwägung.
Die Begeisterung des Berichterstatters für den VLAB kann ich nicht teilen. Welche Rolle dieser - jetzt- Verband nun immer übernommen haben mag, auf jeden Fall ist es wohl nicht die Rolle eines Umwelt-Verbandes, der auf die katastrophalen Folgen der Klimakrise hinweist. Nicht die Rolle eines Verbandes der in die Verantwortung geht um zukunftsweisende Lösungen wie die dezentrale Energiewende zu finden. Wer Atomkraft und Kohleverstromung akzeptiert und die Erneuerbaren verhindert, könnte sehr bald feststellen, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben und alle Bemühungen für die Erhaltung der Gegebenheiten in Natur und Umwelt umsonst gewesen sind, weil es sie nicht mehr gibt.

15.02.2019
Peter Steinbock

Sehr geehrte Frau Lindner-Hausner, über die neue Anerkennung des Wirkens des VLAB freue ich mich sehr. Für mich ist der VLAB ein ausgezeichnet tätiger Verein für Landschafts- und Artenschutz und so habe ich ihn als zugewanderter Neuoberpfälzer vor nicht allzulanger Zeit kennengelernt. In dem Artikel wird, so sehe ich das, ein durchaus berechtigter Vergleich mit der Arbeit des BUND vor Jahrzehnten gezogen, als der BUND sich noch nicht als Weichensteller und Geburtshelfer der schrittweisen Umwandlung der deutschen Landschaften in industrielle Windkraftzonen betätigte. Als das Erneuerbare Energien Gesetz die Gier nach den exorbitanten Windstromvergütungen zu einer Art Ehrensache aufwertete, wurde ein Partner gebraucht, der die Vorbehalte von Naturschützern schnell beseitigte räumte und den Investoren diesbezüglich Sicherheit verschaffte. Dieser Partner wurde der BUND. Manche sprechen auch von Unterlaufen des BUND durch Angehörige der Windkraftbranche. Vom VLAB kann man nicht von einem trojanischen Pferd für irgendeine Industriebranche sprechen. Zum Vorwurf von Zweierlei Maß in Verbindung mit dem Hambacher Wald sage ich meine persönliche Ansicht: Es ist ein bedeutender Unterschied, ob man die Arbeitsfähigkeit der Braunkohlentagebaue weiterhin garantiert, damit Deutschland zuverlässig mit Haushaltsstrom versorgt wird, was selbst mit den tausenden Wind- und Solarkraftwerken unmöglich ist. Oder ob man für dreißigtausend gigantische Windkraftfundamente aus Stahlbeton Landschaften betoniert zusätzlich zu den Entwaldungen und Bodenverdichtungen für tausende Schwerlaststraßen zum Transport der Windkraftwerke, deren Nutzen völlig in den Sternen steht. mfg

17.02.2019
Hilde Lindner-Hausner

Sie sagen es, es ist ein bedeutender Unterschied - zwischen Windkraft und Kohle: Braunkohleverstromung hinterlässt Wüste. Setzt Gifte frei. Vernichtet Trinkwasser. Verteibt alle Bewohner - Mensch und Tier. Verschlingt unwiederbringlich Dörfer Natur und die ganze Landschaft. Nichts ist mehr so, wie es war. Zudem, das weiß mittlerweilen jeder, Braunkohleverstromung ist extrem klimaschädlich. Windkraftanlagen können restlos rückgebaut werden. Bei der Windkraft ist der Rückbau schon bei der Planung schon geregelt.

Wenn nun der VLAB wirklich so bedingungslos wäre, wie Sie ihn schildern, müsste er doch an forderster Stelle ohne jede Rücksicht den Erhalt dieses Eichenurwaldes beim Kohletagebau Hambach mit seinen seltenen Fledermäusen und sonstigen Kostbarkeiten fordern.

Der BUND tat das, was erforderlich war. Seine Klage setzte die Rodung aus.

17.02.2019
Peter Steinbock

Sie argumentieren (unzulässig) wie im gedruckten Grünbuch: Die Windkraft wird geradezu in den Himmel gelobt, lauter Vorteile. In dieses Horn blasen leider Leute aus der Regierung bis zu den protestierenden Schülern vor den Rathäusern.
Dazu erwidere ich als ehem. Energiearbeiter, daß vor dem Lob der Windkraft die Pflicht steht zu prüfen, ob die Windkraftwerke überhaupt geeignet sind, die Versorgung der Haushalte von den Kohlekraftwerken zu übernehmen. Das Prüfergebnis lautet stets: Windkraftwerke vermögen die Lieferpflichten der Kohlekraftwerke in keinem Fall zu übernehmen. Obwohl dazu hinreichend Antworten mit Beweisen bereitstehen, gibt sich die Windbranche und ihr Tross der Nutznießer als unbelehrbar. Die Unbelehrbarkeit rührt m. E. von der abenteuerlichen Vergütungsregelung und Ausschaltung des Marktes her.

18.02.2019
A. Schmigoner

Die Unbelehrbarkeit des VLAB in Bezug auf Atom- und Kohlestrom rührt m. E. von der abenteuerlichen Vorstellung der Konservativen, dass es sich dabei um eine günstige und umweltverträgliche Art der Stromerzeugung handle. Würden die Gesetze des Marktes gelten, wäre Atom- und Kohlestrom nie ans Netz gekommen, weil diese ohne Steuergelder nicht konkurenzfähig sind und waren.

28.02.2019
Ali Zant

Etwas verwundert habe ich Ihren heutigen Artikel über den VLAB zur Kenntnis genommen. Natürlich ist es interessant zu lesen was dieser nicht wirklich relevante Verein so treibt. Aber das dem Verein im NT eine halbe Seite zur Verfügung gestellt wird ist schon verwunderlich. Die einzig wirklich relevante Tätigkeit dieses Vereins der Leugner des Klimawandels ist wohl tatsächlich deren Habichtkautzprojekt. In Zeiten des für jedermann sichtbaren Klimawandels und einer dadurch äußerst wichtigen Energiewende hin zu regenerativen Energiequellen möchte ich es schon grob fahrlässig nennen wenn der VLAB hier als Umweltschutzverein in der ersten Liga dargestellt wird. Welche „Wunden“ meinen Sie wenn Sie von einer „vermeintlich grünen“ Energiewende schreiben? Sie vergleichen den VLAB noch dazu mit dem BUND in seiner Gründungszeit?! Der VLAB wurde von Hr. Guttenberg nur gegründet weil sich seine Durchlaucht an Windrädern störte die an seinen Privatbesitz „Hessenreuther Wald“ angrenzten. Es handelt sich also um einen Verein der Leugner des Klimawandels gesponsert vom Vermögen eines privaten Waldbesitzers. Ich würde mir wünschen das die Berichterstattung über den VLAB zukünftig etwas neutraler und kritischer zu lesen ist. Der Klimawandel ist eine Tatsache. Die Notwendigkeit dezentraler und regionaler Energieerzeugung ist nicht abzustreiten. Dazu gehört natürlich der Ausbau von Wind und Solar. Der VLAB bedient das rechtspopulistische Klientel von AFD und Konsorten. Dies ist nicht im Sinne des Klima und Umweltschutzes. Freundlicher Gruß von Zant Ali Daniel, Greenpeace Gruppe Weiden

15.02.2019
Maria Estl

Vorab einige Fakten. Der BUND Naturschutz ist bundesweit in demokratisch gewählten Landes-, Bezirks-, Kreis- und Ortsverbände aktiv. Das ist natürlich auch in Bayern so. Den Dachverband bildet der BUND e.V. mit Sitz in Berlin. Soviel Recherche muss sein, auch wenn nur der schreibende Redakteur seine eigene Meinung darstellt.
Im Naturschutz erste Liga wie der BUND Naturschutz? Fehlt da nicht a bisserl was, bis der VLAB diese Klassifizierung verdient? Der Verein will bundesweit mitreden, übersieht aber wichtige Projekte vor der eigenen Haustür wie das geplante Weidener Gewerbegebiet West IV, den immer noch durch Basaltabbau gefährdeten Teichelberg, ganz zu schweigen von der geplanten Gleichstromleitung Süd Ost Link. Diese Projekte würden nicht nur optisch enorm in das vom VLAB so oft beschworene Landschaftsbild eingreifen, nein, sie würden die Natur und die Artenvielfalt substanziell schwer schädigen.
A propos Artenvielfalt: Beim gerade erfolgreich beendeten Volksbegehren „Artenvielfalt“ ist der VLAB überhaupt nicht positiv in Erscheinung getreten. Ganz im Gegenteil, der VLAB Beirat Georg Etscheit versuchte, die ÖDP madig zu machen, die das Begehren überhaupt erst initiierte. Jeder, dem die Natur auch nur etwas am Herzen liegt, hat sich beim Begehren beteiligt, in vorderster Front auch der BUND Naturschutz. Und seit gestern ist bekannt, dass der BUND auch in Brandenburg und Nordrhein Westfalen prüft, ob eine solche Aktion dort möglich ist.
Der VLAB präsentiert sich vielmehr als eine Vereinigung von Windkraft – und Energiewendegegnern. Daran wird sich auch durch den bundesweiten Auftritt nichts ändern. Die Anerkennung als Natur- und Umweltschutzverband ist dadurch aus meiner Sicht mehr als fragwürdig, denn damit kommen Steuergelder ins Spiel, auch eine Naturschutzbehörde kann Fehler machen. Und auch ein paar nachgezüchtete Habichtskäuze machen noch keinen echten Naturschutzverband aus. Merke: ohne eine echte Energiewende wird auch deren und der Lebensraum vieler anderer Tiere und Pflanzen durch den fortschreitenden Klimawandel zerstört werden.

15.02.2019