07.02.2020 - 17:59 Uhr
ErbendorfDeutschland & Welt

Widerstand aus der Oberpfalz gegen Brandenburger Tesla-Fabrik

Es ist das derzeit größte Industrieprojekt in Brandenburg –und wohl das prestigeträchtigste in ganz Deutschland. Ein Oberpfälzer Naturschutzverein erwägt, gegen die geplante Tesla "Giga-Factory" nahe Berlin vorzugehen.

Teslas sollen in Zukunft auch in Brandenburg vom Band laufen. An den Planungen für die Fabrik gibt es nun aberheftige Kritik aus der Oberpfalz.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) mit Sitz in Erbendorf schließt eine Klage gegen die Pläne für die Giga-Factory des E-Autobauers Tesla in Brandenburg nicht aus. VLAB-Vorsitzender Johannes Bradtka bestätigte auf Nachfrage einen entsprechenden Bericht des Berliner Tagesspiegel. Sein Verein habe entschieden, eine Stellungnahme zu dem Projekt abzugeben. Als bundesweit anerkannter Umwelt- und Naturschutzverein hat der VLAB das Recht, bei solchen Projekten gehört zu werden. Und der VLAB besitzt das Verbandsklagerecht, das heißt, er könnte bei einem Verwaltungsgericht gegen eine Baugenehmigungen klagen. Dies würde den Zeitplan für die Fabrik über den Haufen werfen.

"Kein vergleichbarer Fall"

Dass es soweit kommt, sei zumindest nicht ausgeschlossen. Die bisherigen Planungen sei abenteuerlich, sagt Bradtka. "Wir können uns an keinen vergleichbaren Fall erinnern." Ohne Umweltverträglichkeitsprüfung oder Planfeststellungsverfahren sollen Tatsachen geschaffen werden. Noch im Februar soll die Rodung von insgesamt 300 Hektar Wald beginnen. Zur Einordnung verweist Bradtka auf das geplante Industriegebiet Weiden West IV. Dort gehe es um 48 Hektar Wald, die geplante Rodung löse dennoch Proteststürme aus.

Allerdings habe Tesla bisher keine belastbaren Zusagen gemacht. "Tesla verspricht alles Mögliche, aber nichts ist sicher." Hauptkritikpunkt ist der enorme Wasserverbrauch in einer der trockensten Regionen Deutschlands. Tesla spreche von einem Bedarf von 360.000 Liter pro Stunde. "Das entspricht dem Verbrauch im Landkreis Tirschenreuth", rechnet Bradtka vor.

"Skanalöses" Ergebnis

Fließen soll das Wasser aus einem Schutzgebiet, das unter anderem auch die Stadt Potsdam versorgt. Der zuständige Wasserzweckverband habe errechnet, dass Tesla 60 Prozent der verfügbaren Wassers beanspruchen würde. Die Auswirkung auf Pflanzen, Mensch und Tier in der Region wäre unabsehbar.

Ausdrücklich widerspricht Bradtka dem Vorwurf, es gehe dem Verein um Aufmerksamkeit. Richtig sei, dass Brandenburger Mitglieder des bundesweit aktiven VLAB um Hilfe gebeten haben. "Wir haben nun die Unterlagen geprüft", sagt Bradtka. Das Ergebnis sei skandalös. Sollte das Projekt unter den jetzigen Bedingungen genehmigt werden, wäre das ein Klagegrund.

Dies sei keine Entscheidung gegen das E-Auto oder gegen Tesla, betont Bradtka mehrfach. An einem anderen Standort wäre das Projekt ein Gewinn. In der Lausitz gehen wegen des Kohleausstiegs Tausende Arbeitsplätze verloren. Und im dortigen Braunkohletagebau gebe es genug Flächen, in denen die Fabrik keinen Schaden anrichten würde.

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