02.03.2021 - 11:38 Uhr
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Erbschaftssteuer „am besten abschaffen“

Familienunternehmen und ihre Erben sollen steuerlich entlastet werden: Das war die zentrale Forderung von Unternehmern bei einem Kongress der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) am Dienstag. Politisch ist die Lage verzwickt.

Über die „Besteuerung von Familienunternehmen und ihrer Erben“ diskutierten (von links) VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt, Bayerns Finanzminister Albert Füracker sowie die Unternehmensvertreter Thomas Dierichs (Diehl-Gruppe) und Angelique Renkhoff-Mücke (Warema).
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Über die "Besteuerung von Familienunternehmen und ihrer Erben" diskutierten Politiker und Unternehmer bei einem Kongress der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW). Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt schlüpfte bei der Online-Veranstaltung in die Rolle des Moderators – und wurde nicht müde, die Bedeutung der Familienunternehmen für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu betonen.

90 Prozent der deutschen Unternehmen würden von Familien getragen. „Dort werden Werte gelebt, die unser Land stark gemacht haben und uns auch in der Corona-Krise helfen.“ Diese Unternehmen seien das Rückgrat, auf dem der Wohlstand Deutschlands in der Fläche beruht. Doch die aktuellen Regeln würden den Unternehmen, dem Standort und den Beschäftigten schaden.

Steuerbelastung in Deutschland zu hoch

Eine Hauptforderung der VBW: Die Steuern auf Gewinne sollen auf ein „international konkurrenzfähiges Niveau“ von 25 Prozent gesenkt werden. „Die Steuerbelastung in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern viel zu hoch“, sagte auch Thomas Dierichs, der bei der Diehl-Gruppe in Nürnberg die Steuerabteilung leitet. Er betonte, dass der größte Teil der Gewinne nicht privat verwendet, sondern in die Zukunft und die Mitarbeiter der Unternehmen investiert werde. Um die Corona-Erholungseffekte nicht zu gefährden, müssten jetzt dringend niedrigere Steuersätze umgesetzt werden.

"Erbschaftssteuer ganz abschaffen"

Die VBW fordert außerdem, Betriebsvermögen bei der Erbschaftssteuer stärker zu verschonen. „Am besten wäre es, die Erbschaftssteuer ganz abzuschaffen“, sagte Hauptgeschäftsführer Brossardt. Angelique Renkhoff-Mücke, Vorstandsvorsitzende des Markisen-Herstellers Warema, betonte, dass von Unternehmen erwartet werde, für Krisenzeiten – wie in der aktuellen Pandemie – Eigenkapital aufzubauen. Doch bei einem Generationenwechsel werde ein Unternehmen durch die Erbschaftssteuer geschwächt – das könne über Jahrzehnte zur Belastung werden, denn: Das Geld für die Erbschaftssteuer hätten die Unternehmer teils gar nicht, das stecke in der Firma.

Füracker offen für Reformen

Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) erklärte, in der Corona-Krise habe es im vergangenen Jahr im Freistaat über 8,2 Milliarden Euro an Steuererleichterungen für die Unternehmen gegeben. „Das ist Geld, das in den Firmen geblieben ist.“ Aber auch für die Zeit nach Corona müsse es Anpassungen geben, sagte Füracker. Er teile das Ansinnen, die Steuern auf Gewinne auf 25 Prozent zu senken. Auch bei der Erbschaftssteuer zeigte er sich für Reformen offen, gab aber auch zu bedenken, dass bei einer kompletten Abschaffung dem Freistaat Bayern 2,2 Milliarden Euro jährlich an Einnahmen wegfallen würden.

Im Gespräch mit Rolf Bösinger (SPD), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, der per Video zugeschaltet war, wurde deutlich, dass sich die große Koalition in Berlin schwertut, in steuerrechtlichen Fragen Kompromisse zu finden. Oft hänge es an Details, in denen die Unionsparteien und die SPD anderer Meinung sind, bestätigten sowohl Bösinger als auch Füracker. Dazu kämen auch noch unterschiedliche Vorstellungen aus den einzelnen Bundesländern, sagte Füracker. „Teils steht Bayern ganz alleine da.“

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Bayerns Finanzminister Albert Füracker bei einem Kongress der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW).
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