Erpressung mit Sexfilmen: Polizei schnappt 17-Jährigen

Seit Monaten sind diese E-Mails in Umlauf: Ein Unbekannter droht, Sexfilme der Empfänger im Internet zu verbreiten. Die Zentralstelle für Cybercrime in Bamberg hat einen 17-Jährigen aus Bremen als möglichen Täter entdeckt.

Die Zentralstelle für Cybercrime in Bamberg hat einen 17-Jährigen aus Bremen als möglichen Erpresser per E-Mail entdeckt.
von Alexander Unger Kontakt Profil

Im vergangenen Jahr häuften sich die Fälle ganz spezieller Spam-E-Mails. In diesen Nachrichten wurde dem Empfänger vorgespiegelt, dass sein Computer mit einer Schadsoftware infiziert sei, die unbemerkt Videoaufnahmen über die Web-Cam anfertigt. Die Täter behaupteten in den meisten Fällen weiter, auf diese Art und Weise Filmaufnahmen des Computernutzers beim Besuch von pornographischen Webseiten beziehungsweise bei sexuellen Handlungen erstellt zu haben.

Bitcoins als Schweigegeld

Diese würden sie im sozialen Umfeld des Betroffenen (Soziale Medien, Familien- und Freundeskreis) verbreiten, sollte dieser kein „Schweigegeld“ an den Täter bezahlen. Die Geldzahlung wurde in den meisten Fällen in Form der digitalen Kryptowährung Bitcoin gefordert. Tatsächliche Sorgen mussten sich die Empfänger der E-Mails nicht machen: Bislang wurde kein einziger Fall bekannt, in dem es tatsächlich zu einer Infektion des Rechners mit Schadsoftware gekommen war. Mittlerweile ist klar, dass unabhängig voneinander mehrere Täter und Tätergruppierungen entsprechende Spam-Kampagnen gestartet hatten.

3200 Fälle in Bayern

Die Gesamtzahl der in Bayern angezeigten Straftaten mit dieser Vorgehensweise liegt laut dem Bayerischen Landeskriminalamt derzeit bei knapp 3200 Fällen. Die Zentralstelle Cybercrime Bayern in Bamberg und das Bayerischen Landeskriminalamt haben die Ermittlungen geführt. Die Beamten ermittelten einen 17-jährigen Deutschen aus Bremen als Tatverdächtigen. Bereits im November 2018 durchsuchten eine Staatsanwältin der Zentralstelle Cybercrime Bayern und Beamte des Bayerischen Landeskriminalamtes mit Unterstützung des Landeskriminalamtes Bremen das Zimmer des Jugendlichen in seinem Elternhaus in Bremen.

Sie stellten EDV-Equipment sicher. Die Auswertung dauert derzeit noch an. Der 17-Jährige, der bei seiner Vernehmung keinerlei Angaben zum Tatvorwurf machte, wurde nach Abschluss der Maßnahmen an seine Eltern übergeben. "Aus ermittlungstaktischen Gründen kann der Ermittlungserfolg erst jetzt öffentlich gemacht werden", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Zentralstelle Cybercrime Bayern und des Bayerischen Landeskriminalamts

70.000 Euro Schaden bei Serveranbietern

Dem Jugendlichen werden zum aktuellen Stand des Verfahrens knapp 150 dieser Taten zur Last gelegt. Bereits bei der Durchsuchung hat sich zudem der Verdacht zahlreicher betrügerischer Anmietungen von Internetservern ergeben. Diese sollen neben weiteren Straftaten auch zum Versand der erpresserischen E-Mails genutzt worden sein. Hier entstand bei 148 Serveranmietungen mindestens ein Schaden von rund 70.000 Euro, da regelmäßig falsche oder fremde Zahlungsinformationen hinterlegt waren. Es konnte unter anderem ein Internetserver beschlagnahmt werden, auf welchem erpresserische E-Mails und Phishing-Nachrichten zu Online-Shops und Finanzinstituten im Baukastenprinzip vorbereitet waren. Diese hätten mit wenigen Mausklicks automatisiert an mehrere zehntausend Internetnutzer versendet werden können.

Zentralstelle Cybercrime Bayern:

Seit dem 1. Januar 2015 besteht bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg die Zentralstelle Cybercrime Bayern. Sie ist bayernweit zuständig für die Bearbeitung herausgehobener Ermittlungsverfahren im Bereich der Cyberkriminalität. Sie ermittelt in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Spezialisten der bayerischen Polizei oder des Bundeskriminalamts und mit internationalen Partnern z.B. bei Angriffen auf bedeutende Wirtschaftszweige oder bei Verfahren aus dem Bereich der organisierten Cyberkriminalität. Auch dann, wenn bei Verfahren der Allgemeinkriminalität ein hoher Ermittlungsaufwand im Bereich der Computer- und Informationstechnik abzuarbeiten ist, werden die Staatsanwälte der Zentralstelle tätig. Die bearbeiteten Fälle sind vielfältig: Sie reichen von Hackerangriffen über Fälle des Vorkasse-Betrugs im Internet (professionelle Fake-Shops), und Fälle von Ransomware bis hin zum Handel mit Waffen, Drogen und Kinderpornographie im Darknet. Seit dem 1. August 2018 ist die Zentralstelle Cybercrime Bayern zudem für herausgehobene Fälle der Wirtschaftscyberkriminalität zuständig. Derzeit sind 14 Staatsanwältinnen und Staatsanwälte und drei IT-Forensiker bei der Zentralstelle Cybercrime Bayern tätig.

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