08.11.2019 - 16:46 Uhr
EschenbachDeutschland & Welt

Toter Bub (4) in Eschenbach: Polizei nimmt Stiefmutter fest

Allein mit vier kleinen Kindern. In dieser Situation befand sich die 25-Jährige, die im Verdacht steht, in der Nacht zum Montag ihren Stiefsohn (4) getötet zu haben. Der Vater, ein in Vilseck stationierter US-Soldat, war zu der Zeit beruflich in den USA.

Der Blick über den Eschenbacher Stadtberg mit Rathaus und Kirche. Am Montagnacht ist hier im Stadtgebiet ein vierjähriger Bub ums Leben gekommen. Die 25-jährige Stiefmutter steht im Verdacht, das Kind getötet zu haben.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

In der Nacht zum Montag, 1.15 Uhr, geht bei der Integrierten Leitstelle in Weiden der Notruf ein. Eine junge Frau (25) bittet um Hilfe. Ihr vierjähriger Stiefsohn liege leblos im Kinderzimmer. Der Bub atme nicht mehr.

Der Rettungsdienst des BRK fährt die Adresse in Eschenbach an. Die Notfallsanitäter beginnen eine Reanimation. Am Ende muss die Herz-Lungen-Wiederbelebung erfolglos eingestellt werden. Die Todesursache ist dem Notarzt unklar. Erkennbare Zeichen einer Gewalteinwirkung sieht er nicht. Der Mediziner kreuzt im Totenschein "Todesursache ungeklärt" an, was automatisch die Kriminalpolizei auf den Plan ruft. Eine Streife der Polizeiinspektion Eschenbach ist vor Ort, die in der Nacht den Kriminaldauerdienst der Kripo Weiden hinzuzieht.

Die Kriminalpolizei Weiden hat eine 25-Jährige in Eschenbach festgenommen

Eschenbach

Obduktion bringt alles in Rollen

Am Dienstag kommt der Leichnam des kleinen Buben auf den Obduktionstisch der Rechtsmedizin Erlangen. Das Ergebnis bestätigt einen ungeheuerlichen Verdacht: Nach "ersten vorläufigen Erkenntnissen" der Rechtsmediziner sei das Kind "infolge äußerlicher Gewalteinwirkung" verstorben, informiert Polizeisprecher Dietmar Winterberg, Polizeipräsidium Oberpfalz. Dies sei nicht immer sichtbar, erklärt er und nennt als Beispiel Ersticken durch ein Kissen. Ein Beispiel, das in diesem Fall ausdrücklich nicht zutrifft. Genauere Informationen zur Art der Verletzung gibt er nicht, um eine Aufklärung nicht zu gefährden. Ein Unfall dürfte ausscheiden.

Am Mittwoch nimmt die Kriminalpolizei Weiden in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Weiden die 25-jährige Stiefmutter fest. Am Donnerstagabend wird die Frau - eine philippinische Staatsangehörige - dem Ermittlungsrichter in Regensburg vorgeführt und danach in die dortige Justizvollzugsanstalt für Frauen gebracht.

Sie macht nach Recherchen von Oberpfalz-Medien keine Angaben zum Tatvorwurf. Das wäre nicht ungewöhnlich: Nach neuer Gesetzeslage steht einem Beschuldigten schon in der ersten Vernehmung durch die Polizei ein anwaltlicher Beistand zu. Dieser rät häufig zum Schweigen. Die Polizei ist äußerst zurückhaltend, was einen Tathergang und ein mögliches Motiv angeht. All dies sei Gegenstand der Ermittlungen, so Winterberg.

Allein mit vier Kindern

Kein Geheimnis ist, dass die Situation junger Mütter am Truppenübungsplatz der US Army in Grafenwöhr nicht immer einfach ist. Oft sind die Frauen jung, oft sind schon mehrere Kinder da, es fehlt das soziale Umfeld mit Oma oder Tante und obendrauf ist der Partner regelmäßig im Einsatz. In einer solchen Situation befand sich offenbar auch die 25-Jährige. Ihr Mann war in der mutmaßlichen Tatnacht nicht zu Hause. Der Amerikaner befand sich aus beruflichen Gründen in den Vereinigten Staaten.

Die Frau war mit drei Stiefkindern und einem eigenen Baby allein daheim. Alle sind unter 10 Jahre, das Baby ist noch kein Jahr alt. Die leibliche Mutter der Stiefkinder lebt nicht in Deutschland. Inzwischen ist nach Recherchen von Oberpfalz-Medien der Vater aus Amerika zurückgekehrt.

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