05.06.2018 - 14:51 Uhr
Deutschland & Welt

Fahrbericht Range Rover Velar

Kaum zu glauben, dass dieser Riese ein kleiner Bruder sein soll: Den Velar sortiert Land Rover unterhalb des - nun ja - Range Rover ein. Und weil er ein "kleiner" Bruder ist, darf er auch ein wenig abseits des Mainstreams agieren.

Allrad und Luftfederung bringen den Range Rover Velar weit.
von Michael Ascherl Kontakt Profil

Der Vergleich mit Prinz Harry böte sich an, aber den hatten wir ja erst unlängst an dieser Stelle. Nehmen wir das Fazit vorweg, Sie haben ja nicht viel Zeit: Der Velar ist ein äußerst angenehmer Reisewagen mit Luxus, Platz und designstarker Anmutung, voraussichtlich hoher Wertstabilität und grenzenlosem Vorwärtsdrang. Ein echter Range Rover also, nur nicht ganz so "fett" nicht ganz so Gutsherrenart, aber auch nicht bescheiden. Da seien die stattlichen Ausmaße und das schicke Auftreten vor.

Das Navi hört nicht zu

Brutal zählen wir sofort die Nachteile des Velar auf: Hohe Ladekante, teils umständliche Bedienung und - völlig unverständlich - keine Sprachbedienung für das Navigationssystem.

Das wäre erledigt. Starten wir zur 700 Kilometer langen Reise: Auf der Autobahn kümmert sich das Abstandsradar (bis 200 km/h) um Distanz zum Vordermann, Elektromotoren massieren den Rücken, die Playlist des gekoppelten Smartphones kommt rasiermesserscharf aus der Soundanlage. Luftgefedert schwebst du im Velar über tatsächliche und mentale Schlaglöcher, der Blick wandert über das sehr teure und sehr schöne Kvadrat-Mobiliar. Jenes kombiniert Wollmischgewebe mit Velourstoffen und verzichtet bewusst auf Leder. Die sechs Zylinder schlürfen Dieselkraftstoff, die Abgase reinigt ein SCR-Kat. Einstufung: Euro 6d TEMP, also supersauber. Kein Gedanke an Ladesäulen, Reichweiten, Tankstopps. Du sitzt hoch im Velar, aber nicht zu hoch. Weil der Testwagen luftgefedert ist, senkt er sich beim Aussteigen um bis zu vier Zentimeter ab. Vielen Dank auch.

Bruder Leichtfuß

Ausflug in die Dolomiten: Der Jaufenpass mit seinen unzähligen Kehren zieht Motorradfahrer aus ganz Europa an - und den Velar. Der ist bei den Bikern rasch als ebenbürtiger Kurventänzer akzeptiert, macht einen verdammt guten Job und wedelt über den Pass mit einer Leichtfüßigkeit, die man dem immerhin zwei Tonnen schweren Wagen so nicht zugetraut hätte. Wer's übertreibt, nimmt ein leichtes Schieben über den Vorderwagen wahr - stets beherrschbar oder durch Elektronik beherrscht.

Ein Range Rover ist auf der Welt, um Reisen in Luxus mit absoluter Geländegängigkeit zu kombinieren. Da macht der allradgetriebene Velar keine Ausnahme. Ein elektronisch geregeltes Differenzial greift helfend ein, wenn's schlüpfrig wird; Böschungs- und Rampenwinkel (30 bzw. 24 Grad) reichen fürs Grobe, und mit einer Anhängelast von 2,5 Tonnen zieht der Velar auch Boot oder Pferd.

Monitore überall

Die bündig mit der Karosserie abschließenden Türgriffe fahren ergeben aus, die Heckklappe öffnet per Fußkick, das LED-Licht (auf Wunsch auch als Laser-Licht) blendet den Gegenverkehr aus, während es auf dem Rest der Straße glöckerlhell bleibt. Auch innovativ, aber gewöhnungsbedürftig: die schicken Monitore neben und hinter dem Lenkrad. Da muss man sich ein wenig reinfuchsen. Sogar die Bedien-Satelliten am Volant sind "sprechend", wechseln also je nach Funktion ihre Beschriftung. Wir nennen den Velar in einem Atemzug mit Porsche Macan und (dem eng verwandten) Jaguar F-Pace. Den Schönheitspreis gewinnt hier der Velar. Um die Eigenschaftswertung schert er sich nichts.

Info:

Rover Velar D300 R-Dynamic SE

Anzahl Türen: 5

Anzahl Sitzplätze: 5

Anzahl Zylinder:6

Leistung: 300 PS

Kraftstoffart: Diesel

Hubraum: 2993 ccm

max. Drehmoment: 700 Nm

bei U/min.: 1500

Getriebe: 8-Gang-Automatik

Antrieb: Allradantrieb

Start/Stopp: ja

Höchstgeschwindigkeit: 241 km/h

Beschleunigung 0–100 km/h: 6,7 Sek.

Länge/Breite/Höhe: 4803/1930/1685 mm

Leergewicht: 1959 kg

Zuladung: 651 kg

Kofferraum-Volumen: 673 –1731l

Anhängelast: 2500 kg

Tankinhalt: 66 l

Schadstoffklasse: Euro 6d-TEMP

Effizienzklasse: B

CO2-Emission : 234 g/km

Normverbrauch: 6,6 l

Testverbrauch: 7,8 l

Grundpreis Baureihe: 56.400 €

Grundpreis Testwagen: 82.000 €

Testwagenpreis: 95.066 €

Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE

Datenblatt

Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE

Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE

Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE

Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE

Nicht wasserscheu: Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE

Vom großen Bruder Range Rover in der Frontansicht auf Anhieb kaum zu unterscheiden: Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE

Die Türgriffe sind bündig mit der Karosserie versenkt, fahren beim Start und im Falle eines Unfalls aus. Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE

Der Kofferraum hat klassenübliche Größe, schrumpft aber, wenn - wie im Testwagen - ein vollwertiges Ersatzrad verbaut ist. Die Rücksitze legen sich fernetriegelt flach. Range Rover Velar D300 R-Dynamic

Der obere Bildschirm neigt sich nach dem Start aus seiner Höhle, auch die Satelliten am Leknker sind kleine Touchscreens. Digitale Instrumente hinter dem Volant mit vielfältigen Möglichkeiten. Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE

Es ist jetzt keine Lümmel-Lounge hinten, doch der Platz reicht. Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE

Die Designer von Kvadrat haben sich Gedanken über alternative Bezugsstoffe gemacht und diese konsequent im Velar umgesetzt. Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE

Zur Bedienung von Soundsystem, Heizung, Sitzklima oder Navi geht's meist nur über Untermenüs. Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE.

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