12.04.2019 - 17:23 Uhr
FlossenbürgDeutschland & Welt

Nach dem Fall Frischholz: Flossenbürg unter Belagerung

Ganz Deutschland hat die vergangenen Tage nach Flossenbürg geblickt. Doch was bedeutet der mediale Hype um den Fall Monika Frischholz für die Menschen in dem Ort?

Monika Frischholz in fast allen Zeitungen - und die meisten Berichte gut und angemessen. Manche aber leider auch nicht.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Monika Frischholzs Schicksal hat Flossenbürg deutschlandweite Aufmerksamkeit verschafft. Dass gerade manche Boulevard-Medien nicht zimperlich sind, wenn es um eine möglichst exklusive Geschichte geht, hat die 1500-Einwohner-Gemeinde in der vergangenen Woche am eigenen Leib erlebt.

Vor allem die "Bild" hat Monika Frischholz' Schicksal für sich entdeckt - und in Flossenbürg für Unruhe gesorgt. Bis zu zehn Reporter waren am Dienstag und Mittwoch in den Ort gekommen - aus Dresden, München, Frankfurt, Leipzig, Erfurt, Nürnberg. Am Mittwoch streunten sie durch den Ort, um Bürger - offensiv bis aggressiv - zu befragen.

Unter anderem sollen sich die Reporter nach angeblichen ehemaligen Verdächtigen erkundigt haben - ohne Rücksicht, was dies für diese Menschen in einem kleinen Ort bedeutet. Mehrfach gefragt wurde Thomas Meiler - als Bürgermeister - aber auch mehr oder weniger zufällig: "Als ich mir am Mittwochmittag eine Leberkässemmel geholt habe, bin ich am Geschäft angesprochen worden." Die Reporter wollten wissen, ob man jemand kennt, der etwas zum Fall sagen kann. Am Abend saßen Reporter im Pilspub im Ort - um Gerüchte und Gerede aufzuschnappen. Am Donnerstag fand sich einiges davon in der Zeitung und auf Bild.de - etwa die Meldung, das Nummernschild des ausgegrabenen VW Käfers gehöre zum Zulassungbereich Vohenstrauß. Inzwischen hat die Polizei erklärt, es war ein NEW-Kennzeichen.

Bild-Reporter an der Absperrung in Waldkirch. Schussbereit für die große Sensaiton

Unter Belagerung

Rund ging es am Mittwoch auch bei Alfred Faltermeier. Der Flossenbürger war Klassenlehrer des Mädchens. Die Redaktion unserer Zeitung hatte bereits kurz nach der Wiederaufnahme des Falles mit dem pensionierten Pädagogen gesprochen. "Am Mittwoch hat es zum ersten Mal um 8 Uhr an meiner Haustür geklingelt", erklärt Faltermeier. Noch im Bademantel habe er einen Bild-Reporter wieder weggeschickt - nur um wenig später für ein Radio-Team des BR zu öffnen. Den ganzen Tag über klingelt es weiter: TV-Boulevardmagazine, BR-Fernsehen, wieder die "Bild". Insgesamt fühlt sich Faltermeier richtig wiedergegeben. Nur Kleinigkeiten seien falsch gesendet oder geschrieben worden - wenn etwa aus einem Bittgang eine Wallfahrt wurde.

Auch Bürgermeister Meiler betont, dass die meisten Medienvertreter seriös vorgegangen seien und vernünftig berichtet haben. "Die Stimmung im Ort ist den Ermittlungen gegenüber positiv. Wir hoffen alle, dass sich der Fall klärt, der Ort mit dem Ereignis abschließen kann." Und auch das große Medieninteresse sei verständlich. Manche Medienvertreter würden aber die fehlende Erfahrung der Bürger ausnutzen. "Mancher ist einfach stolz, wenn er befragt wird, ohne zu ahnen, was daraus gemacht werden kann."

Einfach eingesteckt

Eine ältere Dame soll Bild-Reportern in ihrer Wohnung etwa ein altes Fotoalbum gezeigt haben - das die Journalisten dann einfach komplett mitnahmen. Sie bekomme es später wieder, sei die Auskunft gewesen. So ist vielleicht zu erklären, wie die Zeitung an ein Klassenbild Monika Frischholzs kam. Dieses fand sich am Donnerstag in der gedruckten Zeitung, alle Schüler und der Lehrer sind darauf ungepixelt zu sehen.

Mehr Erfahrung hat Polizeisprecher Florian Beck mit Medien - aber auch für ihn waren die Tage nicht gewöhnlich. "Es war schon eine sehr intensive Woche." Gefühlt habe er ständig telefoniert, sagt Beck. Zur Arbeit mancher Reporter wolle er sich nicht äußern. Allerdings gibt er zu bedenken, dass es um Ermittlungen in einem möglichen Mordfall geht. Deshalb überlege sich die Polizei genau, wann sie welche Informationen veröffentlicht. Angemerkt

Info:
Kommentar:

Die Medien und der Umgang mit dem Fall Monika Frischholz

Jeder Reporter will DIE Geschichte – spektakulär, exklusiv. Daraus zu schließen, dass alle Reporter gleich skrupellos sind, ist falsch. Jeder muss mit sich abmachen, wie weit er geht, wie er mit anderen umgeht.
Das gilt für eine Lokalzeitung umso mehr. Unsere Reporter verschwinden nach Abschluss eines Falles nicht auf nimmer Wiedersehen in eine anonyme Großstadt. Unsere Reporter treffen die Menschen, über die sie schreiben, wieder, müssen mit den selben Polizisten zusammenarbeiten. Schon deshalb achtet man beim Zeitpunkt der Veröffentlichung darauf, Ermittlungen nicht zu behindern – und tut eben nicht alles, um an Informationen zu kommen.

Wolfgang Würth

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Tobias Punzmann

Den von den Witwenschüttlern geplagten Flossenbürgern kann man für den Umgang mit BILD-Mitarbeitern nur Max Goldt ans Herz legen:
"Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun."

12.04.2019