Flosser Firma an Endlager-Bau beteiligt

Wenn im ersten Endlager Deutschlands in Salzgitter alles so schnell gehen würde: Ein Oberpfälzer Unternehmen hat das Fundament für ein technisches "Herzstück" gelegt. Es gibt aber noch eine weitere wichtige Beziehung zur Region.

Nicht sichtbar, 800 bis 1300 Hundert Meter tief unter der Erde, liegt eine der größten Baustellen Deutschlands.
von Redaktion OnetzProfil

Wenn das atomare Endlager in Salzgitter voraussichtlich nach 2027 die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle aufnimmt, wird das Zwischenlager in Mitterteich (Kreis Tirschenreuth) überflüssig. So sieht es zumindest Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber. Der Politiker denkt deshalb nicht über eine Verlängerung der Betriebserlaubnis für Mitterteich nach dem Auslaufen im Jahr 2028 nach. Die Lagerkapazitäten in Mitterteich sind derzeit zu annähernd 60 Prozent ausgeschöpft.

Beim ebenso komplexen wie komplizierten Ausbau des stillgelegten Bergwerks Salzgitter in ein atomares Endlager griff der Betreiber, die Bundesgesellschaft für Endlagerung, auf Knowhow aus der Oberpfalz zurück. Das Spezialtiefbau-Unternehmen Gollwitzer aus Floß (Kreis Neustadt) erstellte das besonders solide und stabile Fundament für das künftige Lüftergebäude mit Diffusor (Umkehrung einer Düse). Dem Bauwerk kommt bei der Sicherheit des Betriebs des Endlagers eine entscheidende Bedeutung zu.

Das Spezialtiefbau-Unternehmen Gollwitzer aus Floß heuerte eigens Taucher mit einem Ponton aus den Niederlanden an, um die Unterwasser-Betonsohle zu errichten. Gleich drei Betonwerke lieferten 2500 Kubikmeter Material, um in einem Durchgang – ohne eine einzige Minute Unterbrechung – betonieren zu können.

Super-Loch für 21 000 Kubikmeter Aushub

In der neunmonatigen Bauzeit setzten die Oberpfälzer Spezialisten eine 175 Meter lange und 18 Meter hohe Spundwand für die gewaltige Baugrube. Bei dem Super-Loch fielen mehr als 21 000 Kubikmeter Aushub an. Es handelt es sich um eine sogenannte "Trog-Baugrube" mit wasserdichten Spundbohlen und einer 1,5 Meter mächtigen Betonsohle unter Wasser. Damit die Unter-Wasser-Betonsohle nicht "auftreibt", musste sie mit 250 Mikro-Bohrpfählen bis in 20 Meter Tiefe hinab gesichert werden, erklärt Firmenchef Harald Gollwitzer. Allein die "Aussteifung" bringt es auf ein Gewicht von 210 Tonnen.

"Solch eine Baustelle ist wahrlich nicht alltäglich, sondern ein Highlight", betont Lothar Stracke von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) als zuständiger Abteilungsleiter für Konrad 2. "Wir sind von der Firma Gollwitzer fachlich stets qualifiziert bedient worden - und haben die vielen technischen Schwierigkeiten gemeistert", lobt Stracke den "mittelständischen Drive" aus der Oberpfalz.

Die riesige Baugrube stand während der gesamten Bauphase immer unter Wasser. Auf dem von der Firma Gollwitzer errichtetem Fundament steht künftig das Lüftergebäude für das atomare Endlager. Hier erfolgt die „Bewetterung“, also Luftzuführung und -austausch, für die Anlieferungszone.

Areal "äußerst sensibel"

Die schwierige Bodenbeschaffenheit sorgte immer wieder für neue Überraschungen. Denn das Areal erwies sich als "äußerst sensibel", die Oberpfälzer mussten völlig "erschütterungsarm" arbeiten. Das Fazit von Abteilungsleiter Stracke: "Wir würden die Firma Gollwitzer jederzeit wieder nehmen."

"Wir haben das Vertrauen des Bauherrn während der gesamten Bauphase gespürt", betont Firmeninhaber Harald Gollwitzer. Er freut sich, dass kein Konzern, sondern ein Mittelständler das diffizile und anspruchsvolle Projekt ausführte. Schon die Prä-Qualifikation - nach der europaweiten Ausschreibung des 5,5-Millionen-Euro-Auftrags - habe eine "absolute Herausforderung" für den Betrieb mit rund 130 Beschäftigten dargestellt. Harald Gollwitzer: "Wir sind an dem Projekt gewachsen. Ich bin stolz auf meine Mitarbeiter." Es habe alles gepasst.

Das Endlager:

Nach dem Aus für Gorleben ist der Schacht Konrad in Salzgitter das bisher einzige atomrechtlich genehmigte Endlager in Deutschland – und weltweit.

Seit 2007 läuft der Ausbau des stillgelegten Eisenerz-Bergwerks zum „Endlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung“. 90 Prozent der in Deutschland anfallenden radioaktiven Abfälle gehören in die Kategorie „schwach- und mittelradioaktiv“: vorwiegend aus dem (geplanten) Rückbau der Atomkraftwerke, Forschung und Medizin. Im Endlager Schacht Konrad dürfen laut Planfeststellungsbeschluss 303 000 Kubikmeter radioaktiver Abfälle eingelagert werden.

Als Fertigstellungsstermin wurde erst das Jahr 2022, dann 2027 angepeilt. 2017 ging die Verantwortung vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) auf die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) über. Die Betreiber sprechen von einer „wartungsfreien und sicheren Endlagerung radioaktiver Abfälle in tiefen, stabilen geologischen Formationen“.

„Wir hatten alle das gleiche Ziel vor Augen“: Firmenchef Harald Gollwitzer mit Abteilungsleiter Lothar Stracke und Gruppenleiter Jürgen Lassé von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (von rechts).

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