Update 01.11.2026 - 15:03 Uhr

Was zu den Krawallen in Frankfurt bekannt ist

Plünderungen, brennende Barrikaden, über 50 Festnahmen: Die Polizei spricht nach den Krawallen in Frankfurt von erheblichen Schäden. Wer dahinter steckt und wie die Gewalt jetzt aufgearbeitet wird.

Junge Männer schlagen Schaufenster ein, Geschäfte werden geplündert, Molotowcocktails fliegen in Richtung Polizisten - es sind Szenen, wie sie Frankfurt seit den Blockupy-Ausschreitungen 2015 nicht mehr erlebt hat. Wie in mehreren anderen deutschen Großstädten hatten die Initiativen „Gen Z regelt“ sowie „Generation Aufbruch“ in der Stadt zu Protesten aufgerufen, die am Abend in die Krawalle mündeten. Ausschreitungen und Zwischenfälle gab es auch in Köln sowie teils in Hamburg und Berlin - aber nirgends so heftig wie in der Bankenmetropole am Main.

Wer steckt hinter der Gewalt und warum hat sie sich ausgerechnet in Frankfurt in diesem Ausmaß entladen? Fragen und Antworten zum Thema:

Was ist passiert?

Am Samstag waren die Demonstrationen, zu denen die Initiativen „Gen Z regelt“ und „Generation Aufbruch“ in Hessens größter Stadt aufgerufen hatten, zunächst über weite Strecken friedlich verlaufen. Daran hatten sich tausende Menschen beteilgt, die für mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit sowie gegen die Einführung einer Wehrpflicht auf die Straße gingen.

Doch am Abend kippte die Stimmung: Polizisten wurden nach eigenen Angaben mit Böllern, Steinen und Flaschen beworfen. Als sie die Demonstration gegen 18.20 Uhr wegen eines „unfriedlichen Verlaufs“ auflösten, kam es zu Tumulten mit eingeschlagenen Schaufensterscheiben, Plünderungen in Geschäften und brennenden Barrikaden. Schließlich sperrte die Polizei Teile der Innenstadt ab. 54 Personen zwischen 13 und 29 Jahren wurden nach Angaben von Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) festgenommen. 17 Geschäfte seien beschädigt und fünf geplündert worden. Erst am frühen Morgen hatte sich die Lage beruhigt.

Wie viele Menschen wurden verletzt?

Laut Poseck wurden alleine mehr als 100 Polizeikräfte verletzt. Darunter sei auch ein schwerer verletzter Polizist, der nach einem Steinwurf ins Gesicht Zähne verloren habe. Zu Verletzten unter den Demonstranten, Randalierern oder anderen Personen wurde zunächst nichts bekannt 

Wer steckt hinter den Ausschreitungen?

Poseck sieht die Verantwortlichen zum einen in der linksextremen Szene - aber nicht alleine dort: Man gehe von ungefähr 100 linksextremistisch motivierten Gewalttätern aus, die die Polizei massiv mit Flaschenwürfen, Steinen und Pyrotechnik angegriffen hätten. Zudem verweist der Minister auf Probleme mit gewaltbereiten Gruppen junger Menschen in der Mainmetropole. Nach Einschätzung der Polizei dürften sich etwa 1.000 bis 1.500 gewaltbereite Störer an den Krawallen beteiligt haben - „überwiegend aus einem migrantischen Milieu“.

Erkenntnisse darüber, dass Gewalttäter aus dem Ausland angereist seien, hätten die Behörden nicht. „Wir müssen davon ausgehen, dass nur ein kleinerer Teil der Gewalttäter aus Frankfurt selbst gekommen ist, viele aus dem Umland, aber eben auch aus dem weiteren Umland“, sagte Poseck.

Was sagt die Politik?

Wie der hessische Innenminister verurteilte auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt die Krawalle und sieht vor allem bestimmte Gruppen als Urheber von Ausschreitungen. „Gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu haben gestern Abend die friedlichen Demonstrationen vom Nachmittag gekapert“, sagte der CSU-Politiker der „Bild“ und kündigte an: „Die Randalierer und Plünderer werden identifiziert und zur Rechenschaft gezogen. Auf diesen Landfriedensbruch müssen harte Strafen folgen.“ 

Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) zeigte sich erschüttert über das Ausmaß der Gewalt. „Was sich vergangene Nacht in der Frankfurter Innenstadt abgespielt hat, was wir dort erlebt haben, macht einen, macht mich fassungslos und wütend“, sagte er und betonte zugleich: „Mir ist völlig egal, welchen Pass jemand hat oder wo seine Eltern geboren wurden. Wer in unserer Stadt Polizisten angreift, Geschäfte plündert oder Menschen bedroht, muss die Konsequenzen tragen. Wer Gewalt sät, muss die Konsequenzen tragen.“ 

Die oppositionelle AfD im hessischen Landtag warf Poseck vor, „französische Verhältnisse“ nicht verhindert zu haben. „Die Gewalt in Frankfurt am Main ist erschreckend und einmal mehr ein dringender Aufruf an Schwarz-Rot, endlich bei Linksextremisten und migrantischer Gewalt besser hinzuschauen“, teilte Landtagsfraktionschef Robert Lambrou mit. 

Welche Schäden sind entstanden?

Zerborstene Schaufensterscheiben, geplünderte Geschäfte, brennende Barrikaden - die Schäden, die durch die Gewalt in Frankfurt entstanden sind, seien „erheblich“, sagte ein Polizeisprecher. Genau Schätzungen liegen bisher nicht vor. 

Wie arbeitet die Polizei die Krawalle auf?

Nach den Ausschreitungen wird zu zahlreichen Straftaten ermittelt. Nach Angaben der Einsatzleitung wurden 87 Strafanzeigen gestellt, es gab 366 Personenkontrollen und 1.225 Platzverweise. Die Polizei rief über WhatsApp Zeugen auf, Fotos und Videos von Vorfällen oder dem Geschehen über einen Hinweisserver zur Verfügung zu stellen. Zudem wurden Zeugen gebeten, über die Onlinewache Angaben zu Beobachtungen zu machen.

Änderungen des polizeilichen Vorgehens hält die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor den bereits angekündigten nächsten Jugendprotesttag am 20. November nicht für nötig. „Nein, wir haben sehr gute regionale Einsatzkonzepte erlebt und haben professionelle Polizeiarbeit gesehen“, sagte der Bundesvorsitzende Jochen Kopelke den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Auch hätten die Versammlungsbehörden „sehr gut gearbeitet“.

© dpa-infocom, dpa:261031-930-924968/4

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.