Freude und Schmerz

Bis Frühjahr 2015 kennt diesen jungen Mann namens Joris Ramon Buchholz praktisch niemand in der Musik-Szene. Dann erscheint das Debütalbum des heute 28-Jährigen. "Hoffnungsvoll hoffnungslos" nennt er das Werk vieldeutig.

Wir befinden uns im Jahr 3 nach „Hoffnungslos Hoffnungsvoll“. 300 Konzerte und drei Echos später. Joris ist inzwischen 28 und hat sich Zeit gelassen für sein zweites Album „Schrei es raus“.
von Autor MFGProfil

Unbedingt passend, wie viele Fans meinen, sind darauf doch ihrer Ansicht nach "wunderschöne Depressiven-Hymnen" zu hören. Dann geht der Erstling durch die Decke, entert aus dem Stand den dritten Platz der deutschen Charts. Dann wird Joris im Frühjahr 2016 mit gleich drei Exemplaren der renommierten Musik-Preises "Echo" ausgezeichnet. Und dann, nach ausgiebiger Tournee, lässt der Mann seine Fans erstmal knapp drei Jahre auf sein Nachfolgealbum warten. Das ist gerade erschienen, trägt den prägnanten Titel "Schrei es raus"(Sony Music).

Für alle, an denen Joris bislang spurlos vorbeigegangen ist (dabei kann es sich lediglich um Menschen handeln, die kein Radio hören): Der Sänger und Musiker sprüht vor Energie, er stellt die perfekte Schnittmenge zwischen den jungen deutschen Singer/Songwriter-Heroen Andreas Bourani, Tim Bendzko und Phillip Poisel dar, seine Stimme klingt in ihrer packenden Zerrissenheit wie diejenige des Bruders von Melancholie-Rapper Casper. Joris' Lieder kommen kraftvoll und verletzlich gleichermaßen daher, die Texte sind schlau und gespickt mit Empathie.

In anderer Schublade

Der Niedersachse ist allerdings selbstbewusst genug, sich durch nichts und niemanden vereinnahmen zu lassen, er will auch mit nichts und niemandem verglichen werden. "Bourani, Bendzko oder Poisel sind zweifelsohne gut in dem, was sie tun, doch mir ist das zu Mainstream-lastig", stellt der schmale Schlaks gleich zu Beginn des Interviews fest. "Ich sehe mich sound-technisch in einer anderen Schublade, bei Sido oder eher bei Clueso. Übrigens entstammen meine Idole durchgehend der anglo-amerikanischen Ecke, das sind Coldplay, Embrace, Paolo Nutini oder Mumford & Sons. In meiner Jugend habe ich ausschließlich auf Englisch getextet. Nicht umsonst habe ich ein Jahr lang in Texas verbracht, und dort Musik studiert. Mit 17 war ich ein Jahr in Texas zum Schüleraustausch. Das war eine ganz wichtige Erfahrung für mich. Ich habe dort die Folkszene kennengelernt, nachmittags habe ich selber gespielt, und abends bin ich oft auf Konzerte gegangen. In Amerika habe ich mich zum ersten Mal getraut, meine eigenen Songs zu spielen", weiß er.

"Doch da mir die Inhalte meiner Texte in den letzten Jahren stetig wichtiger wurden, konnte ich irgendwann nicht anders, als mich in meiner Heimatsprache auszudrücken. Das verstärkt die Intensität der Zeilen, zumindest hoffe ich das - für mich selbst wie für den Zuhörer", betont Joris.

Schatz an Erfahrungen

Obwohl gerade Ende 20, hat Joris ein bewegtes musikalisches Leben hinter sich. "Ich begann als fünfjähriger, Schlagzeug zu spielen", erinnert er sich, "danach habe ich begonnen, Klavier und Gitarre zu lernen. Spätestens mit 17 war mir klar, dass mein Berufsziel das des Musikers ist, dieser Entschluss war alternativlos. Ich wurde Instrumenten-Stimmer, um mein absolutes Gehör zu schulen. Gleichzeitig habe ich drei Jahre lang Gesang und Komposition an der Pop-Akademie in Mannheim studiert. Davon hat meine Karriere entscheidend profitiert, ich habe einen reichen Schatz an Erfahrungen für ein Dasein als Künstler gesammelt. Vor allem der Austausch mit anderen Kreativen war wichtig für mich und mein Selbstbewusstsein."

Jetzt also "Schrei es raus", das für nicht wenige Artisten schwierige zweite Album. "Tatsächlich war es nicht einfach, dieses Ding hinzukriegen", gibt Joris unumwunden zu. "Viel ist in meinem Leben passiert, seit das Debüt veröffentlicht worden ist. Ich hatte niemals gedacht, dass 'Hoffnungsvoll hoffnungslos' derart erfolgreich sein würde. Dass ich mit nur einer Scheibe so viele Konzerte spielen und auf so vielen großen Festivals auftreten, auf so vielen Roten Teppichen stolzieren würde. Solche Erfahrungen spiegeln sich zwangsweise natürlich in den neuen Stücken wieder. Das ist gut so, denn dadurch stehen sie für Authentizität."

Druck von außen

"Als es ans Aufnehmen der zweiten Platte ging, herrschte", so Joris, "ziemlicher Druck von außen, dass die Neue ähnlich erfolgreich werden sollte wie ihr Vorgänger. Ich machte mir auch selbst Druck. Beim Schreiben eines neuen Albums habe ich mir am Anfang ganz schön viel Druck gemacht und gedacht, jetzt kommst du grade vom Hurricane- und Southside-Festival und hast drei Echos gewonnen, das musst du unbedingt so halten. Zum Glück war der Druck Dank meiner guten Freunde auch schnell wieder weg. Das ist kein Gefühl , mit dem ich gut Musik machen und neue Dinge erschaffen kann."

Und weiter sagt er: "Denn schließlich möchte ich weiterhin von der Musik leben können, wie ich das aktuell tue. Aber ich habe mich beim Schreiben keine Sekunde lang verbogen. Ich wüsste gar nicht, wie das gehen soll."

Die Texte sind für Joris der Schnittpunkt seines musikalischen Geschehens - obwohl sie zumeist entstehen, wenn die musikalische Basis gefestigt ist. "Auf die Verse Texte habe ich seit jeher Wert gelegt", erklärt der sympathische Souverän. "Wobei sich die Themen weiterentwickelt haben, schließlich habe ich die letzten drei Jahre ein sehr eigenes Dasein geführt. Ich habe viel Neues mitbekommen. Auf der anderen Seite war und bin ich ein neugieriger, aufmerksamer Beobachter. Jedenfalls erzähle ich nur Geschichten, die ich erzählen möchte. Ob die seriös oder banal sind, mag ich nicht zu beurteilen. Ich weiß aber, dass ich beim Schreiben alles gebe." www.jorismusik.de

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