18.04.2019 - 13:43 Uhr
FriedenfelsDeutschland & Welt

Osterpredigt: Die Liebe Gottes hat gesiegt

Pfarrer im Ruhestand Siegfried Wölfel erinnert sich an eine Beerdigung ohne Osterlied. In seinem Text schreibt er über die christliche Pflicht, Zeuge der Auferstehung zu sein.

Passionskrippe der Familie Kühn in Tirschenreuth: Die Auferstehung Christi.

Vor Beginn der Osterferien fragt der Religionslehrer seine Schüler: "Was feiern wir an Ostern?" Über das Ergebnis war der Lehrer sehr erstaunt; denn 25 Prozent der Schüler gaben zur Antwort: "Da feiert der Osterhase seinen Geburtstag." Sollen wir lachen - oder weinen? Als Priester komme ich bei der Verkündigung des Ostergeschehens immer wieder an meine Grenzen ...

An Ostern stirbt eine Frau, die jeden Sonntag von ihrem Sohn, einem Kommunion-Helfer der Pfarrei, zu Hause die heilige Hostie empfangen durfte. An diesem Ostertag kam der Sohn und sagte: "Meine Mutter ist gestorben." In Ruhe besprechen wir die Trauerfeier. Da taucht die Frage auf: Was wird gesungen? Der Vorschlag des Sohnes, der Lehrer war, lautete: "Ganz einfach - die Schubert-Messe." Ich bin damit nicht einverstanden und frage: "Sonst nichts? Kein Osterlied? Ihre Mutter durfte am Osterfest sterben - das ist eine Botschaft. Da müssen wir doch Osterlieder singen."

Der Sohn protestierte dagegen ganz vehement: "Was sind Sie für ein Pfarrer? Sie trampeln auf meinen Gefühlen herum. Ich kann doch nicht am Grab meiner Mutter 'Halleluja' singen. Ich lasse mir das nicht bieten!" - "Aber wir feiern an Ostern das Leben! Jesus lebt - mit IHM auch ich. Ihre Mutter lebt in der Herrlichkeit Gottes. Halleluja!"

Ich erzählte dem Mann die Geschichte von einer Mutter, deren zwölfjähriger Sohn von einem Zug überrollt und getötet wurde. Sie bat mich: "Singen Sie keine Trauerlieder - singen Sie: "Jesus lebt, mit ihm auch ich." Der Mann darauf: "Das kommt nicht infrage. Was wir singen, bestimme ich. Ich werde Regensburg anrufen und Sie anzeigen, Sie störrischer Pfarrer." Vom Bischof kam die Antwort: "Der Pfarrer hat recht, wenigstens ein Osterlied muss in der Woche nach Ostern gesungen werden."

Am Oster-Montag stiegen die beiden Enkelkinder in den Bus und fuhren mit den Ministranten nach Rom. An der Beerdigung ihrer Großmutter nahmen sie nicht teil. Ihnen war diese Fahrt wichtiger. Die Großmutter stirbt nur einmal - Rom steht einige Jahrtausende und wird weiter bestehen ... Ich wollte diese Leute nicht verprellen und wir sangen keine Osterlieder.

Für mich war das ein großer Schmerz - aber meinen Oster-Glauben ließ ich mir nicht nehmen. Dieser war stärker als alle Enttäuschung, als aller Unglaube. Die Jünger Jesu müssen Zeuge der Auferstehung Jesu Christi sein (vgl. Apg. 1,22). Wir alle sind zu diesem Zeugnis aufgerufen - auch am Grab.

Die Auferstehung ist das Entscheidende und unterscheidend Christliche. Wenn Christus nicht von den Toten auferstanden wäre, gäbe es keinen christlichen Glauben, und christliches Leben wäre sinnlos. Mit Christus als Auferstandener bei Gott zu leben, ist die höchste Möglichkeit des Menschseins. Allerdings können wir diese Möglichkeit nicht aus unseren eigenen Kräften verwirklichen. Das kann Gott allein.

Er erweckt uns von den Toten, wie er Jesus erweckt hat. Er holt uns zu sich heim, wie er Jesus erhöht hat. Gott kann mehr aus uns machen, als wir aus unserem Leben machen können. Und er tut es auch. Damit wird uns das Ziel gezeigt, auf das wir unser Leben ausrichten müssen. Pater Alfred Delp sagte: "Nur der Blick über uns selbst hinaus, ermöglicht uns selbst." Das heißt für den Christen: Nur der Blick über uns selbst hinaus auf den Auferstandenen ermöglicht, dass wir Christen sind und als Christen leben. Wir leben nicht von dem, was vergangen ist, sondern von dem, was auf uns zukommt.

Ostern zeigt uns somit den Ausweg aus der verbreiteten Orientierungslosigkeit, die soweit führen kann, dass Menschen nicht mehr wissen, wozu sie leben. Viele verlockende Angebote umgeben uns. Das große Angebot Gottes, die Auferstehung mit Christus, kann dabei leicht übersehen werden. Wer die Richtung verliert, verliert das Leben. Die Auferstehung Christi und unsere Auferstehung mit ihm gibt unserem Leben Richtung und Ziel. Was macht es da, dass wir das Morgen und das Übermorgen nicht kennen?

Wir kennen viel mehr als das Morgen: Das Ziel, unser Ostern mit Jesus Christus. Das gibt uns Hoffnung. Mit der Botschaft von Ostern, der Auferstehung Christ und unserer Auferstehung mit ihm, trägt das Christentum das größte Hoffnungspotenzial in sich. Wir werden alle einmal sterben, alles da lassen müssen? Nein. Das wichtigste werden wir mitnehmen dürfen: Das Leben. Das Leben, das uns der Auferstandene schenkt.

Die Liebe Gottes hat gesiegt - sie ist stärker als der Tod. Was Gott liebt, lässt er leben. Überall dort, wo Menschen sich die Osterbotschaft zu eigen machen und im Geiste Jesu leben, das Böse mit Gutem vergelten, klar und eindeutig reden, einander vergeben und Frieden stiften, einander annehmen und lieben - da ist der Auferstandene gegenwärtig. So verstehen wir, dass kein Ereignis der Weltgeschichte so bedeutsam für uns Menschen ist, wie die Auferstehung Jesu. Hier geschah durch das Wirken Gottes etwas völlig Neues.

Hier liegt auch der Grund für die große Hoffnung, die uns in allen Bedrängnissen durchhalten lässt und echten Lebensmut schenkt. In diesem Sinn können wir mit dem Kirchenvater Athanasius (+373) sagen: "Die Auferstehung Christi macht das Leben des Menschen zu einem beständigen Fest." Und dieses Fest feiern wir jeden Sonntag und bekennen unseren Glauben auch am offenen Grab. Jesus lebt - mit ihm auch ich - Halleluja!

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