28.01.2019 - 15:40 Uhr
Hof an der SaaleDeutschland & Welt

Frisch und ohne musealen Charakter

Umjubelte Premiere des Balletts „Der Nussknacker“ am Theater Hof

Das Ballett "Der Nussknacker" konnte bei seiner Premiere am Theater Hof auf ganzer Linie überzeugen.
von Holger Stiegler (STG)Profil
Das Ballett "Der Nussknacker" konnte bei seiner Premiere am Theater Hof auf ganzer Linie überzeugen.

Die Melodien würde man erkennen auch ohne Aktion auf der Bühne: Der „Marsch der Zinnsoldaten“, der Tanz der Schneeflocken oder der Blumenwalzer. Sie haben Peter Tschaikowskis „Der Nussknacker“ zum Ballett-Klassiker werden lassen. Die Premiere der Compagnie des Theaters Hof am Samstagabend wird für das Publikum zur ganz großen Unterhaltung. Mit ihrer Choreographie sorgt Ballettdirektorin Barbara Buser für eine entstaubte, aber nicht zu moderne Inszenierung.

Für den ein oder anderen Kulturinteressierten mag Ballett vielleicht noch immer das „unbekannte Wesen“ sein – spätestens allerdings bei Tschaikowskis „Der Nussknacker“ oder „Schwanensee“, weiß jeder, worum es geht. Nun ist es durchaus ambitioniert, sich als Compagnie mit festem Haus einer „Nussknacker“-Inszenierung anzunehmen – gerade auch angesichts der Tatsache, dass die „Hauptzeit“ des Werkes rund um Weihnachten schon vorbei ist und diverse Tournee-Theater alljährlich mit dem Stück über die Lande ziehen.

Und so sind es am Theater Hof mehrere Faktoren, die zum Erfolg der Inszenierung beitragen: Barbara Buser setzt auf die richtige Mischung in ihrer Inszenierung, neuen Ausdrucksformen steht sie aufgeschlossen gegenüber, das Traditionelle kommt dabei nicht zu kurz. Von den Mitgliedern der Compagnie wird professionell getanzt, Musikalität, Sprungkraft und Grazie überzeugen gleichermaßen. Mit einer hinreißenden Riho Otsu in der Rolle der Clara ist die weibliche Hauptpartie exzellent besetzt. Ihre Spielfreude und Leichtigkeit überstrahlt die gesamte Inszenierung, auf männlicher Seite ebenbürtig agiert Lucas Corrêa als Drosselmeier, der das Publikum mit außergewöhnlicher Bühnenpräsenz in seinen Bann zieht und alle Fäden in der Hand hält. Großen Applaus bekommen auch Norbert Lukaszewski als Nussknacker/Prinz sowie Carla Wieden Dobón in der Rolle der Zuckerfee. Insgesamt liefert die 14-köpfige Compagnie eine durch und durch überzeugende Leistung ab.

Über die bestens bekannte Handlung müssen nicht viele Worte verloren werden: Barbara Buser hat die Geschichte leicht umgeschrieben und ihr einen märchenhaften Zauber verliehen – eine Überraschung, die gelingt. Das Bühnenbild und die Kostüme (verantwortlich: Annette Mahlendorf) entlocken dem Publikum auch den ein oder anderen Schmunzler: Beim „Arabischen Tanz“ versteckt sich Clara in einer überdimensionalen Kaffee-Tasse, beim Betreten der Zuckerburg schweben gigantische Lollis und andere Süßigkeiten vor der Decke und besonders die Schlacht zwischen den Mäusen und den Gefolgsleuten des Nussknackers gerät zum Kostüm-Höhepunkt der Inszenierung.

Ein großes Lob, das sich auch im entsprechenden Applaus der Zuhörer niederschlägt, gebührt den Hofer Symphonikern unter der Leitung von Walter E. Gugerbauer: Eindrucksvoll demonstrieren sie den konzertant-orchestralen Charakter der Komposition Tschaikowskis. Und auch die Damen des Opernchors haben beim Schneeflocken-Walzer ihren gelungenen Einsatz. Der „Nussknacker“ am Theater Hof ist alles andere als museal und spricht genau deswegen auch solche Zuschauer an, die gerade ihre Liebe zum Ballett entdecken: Eine bessere „Kupplerin“ als diese Inszenierung gibt es wohl nicht dafür.

In der aktuellen Spielzeit stehen noch neun Vorstellungen auf dem Programm. Informationen unter www.theater-hof.de

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