Update 02.02.2026 - 09:06 Uhr

Gaza: Grenzübergang Rafah teils für Personenverkehr geöffnet

Rafah ist das Nadelöhr für all diejenigen, die das Kriegsgebiet Gaza verlassen wollen. Jetzt sollen einige Palästinenser nach Prüfung durch Israels Geheimdienst wieder aus- und auch einreisen können.

Der Grenzübergang ist wieder geöffnet. (Archivbild) Bild: Ahmed abudraa/AP/dpa
Der Grenzübergang ist wieder geöffnet. (Archivbild)

Erstmals seit rund einem Jahr ist der Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen teils wieder für den Personenverkehr geöffnet. Der Übergang sei offiziell in Betrieb, berichtete der staatsnahe ägyptische Fernsehsender Al-Kahira News, auch israelische Sicherheitskreise bestätigten den Schritt. Damit soll die Ausreise einer begrenzten Zahl von kranken und verletzten Palästinensern aus dem Gazastreifen wieder möglich werden wie auch die Rückkehr von im Krieg geflüchteten Menschen. Hilfsgüter werden aber vorerst weiterhin nicht direkt aus Ägypten in den Gazastreifen geliefert.

Fernsehsender zeigten Bilder von Krankenwagen, die Menschen im Gazastreifen zur erhofften Behandlung im Ausland zum Übergang fahren. Dort warteten auf ägyptischer Seite Krankenwagen, um Kranke und Verletzte aufzunehmen. Nach informierten palästinensischen Kreisen warteten dort auch etwa 50 Menschen, um nach Gaza einzureisen. Al-Kahira News zeigte Kleinbusse mit Gepäck auf den Dächern sowie Frauen und Kinder, die im Transitbereich des Übergangs zu einem Gebäude zur Abfertigung gehen.

Gestern wurde der Übergang bereits für einen „Probebetrieb“ geöffnet. Ziel sei gewesen, den Betriebsablauf zu testen, teilte die zuständige israelische Cogat-Behörde dazu mit. „Der Verkehr von Anwohnern in beide Richtungen, Aus- und Einreise von und nach Gaza“ werde für Montag erwartet, hieß es.

Rund 150 Menschen sollen täglich ausreisen können

Rafah ist der einzige Grenzübergang aus dem Gazastreifen, der nicht über israelisches Gebiet führt. Er gilt als „Tor zur Welt“ in den von Israel streng abgeriegelten Küstenstreifen. Israels Armee hatte an dem Übergang während seiner Offensive in Gaza im Mai 2024 auf palästinensischer Seite die Kontrolle übernommen. Seitdem war er fast durchgehend geschlossen.

Laut israelischen Berichten sollen ab heute jeden Tag schätzungsweise etwa 150 Menschen den Gazastreifen verlassen, während rund 50 zurückkehren können. Al-Kahira News berichtete dagegen, nur 50 Menschen würden aus- und 50 einreisen. Die Öffnung ist Teil des Gaza-Friedensplans von US-Präsident Donald Trump und findet im Rahmen einer seit 10. Oktober geltenden Waffenruhe statt. 

Die Gesundheitsversorgung im Gazastreifen ist weiterhin schlecht. Nach palästinensischen Angaben warten rund 20.000 Kranke und Verletzte in Gaza auf Behandlung im Ausland. Kritiker bezeichnen die groß angekündigte Öffnung Rafahs zur Ausreise von nur einigen Dutzend Menschen täglich deshalb als symbolisch und als „Tropfen auf den heißen Stein“. 

In die andere Richtung, also von Ägypten aus, können ab sofort auch wieder Palästinenser in das Gebiet zurückkehren, das während des seit mehr als zwei Jahren laufenden Kriegs großflächig zerstört wurde. Nach israelischen Angaben ist das aber nur für diejenigen möglich, die den Gazastreifen während der Kämpfe verlassen haben. Es soll sich dabei um rund 42.000 Palästinenser handeln. 

Kontrollen durch Israel, Stempel von palästinensischen Beamten

Der Personenverkehr über Rafah folgt einem mehrstufigen Verfahren. Ägypten soll laut israelischen Medienberichten täglich eine Liste mit Namen der passierenden Personen vorlegen. Die Ein- und Ausreise läuft unter Aufsicht und mit Unterstützung der EU-Mission vor Ort (Eubam Rafah) und wird nur gestattet in Fällen, die vom israelischen Geheimdienst genehmigt wurden. Israel könne die Bewegungen damit einschränken, warnte der Vorsitzende des ägyptischen Staatsinformationsdiensts SIS, Diaa Raschwan.

Israelische Beamte werden laut Berichten aus Israel auch die übergreifenden Sicherheitskontrollen durchführen. Israels Armee ist rund um den Übergang auf palästinensischer Seite stationiert. Die Stempel im Pass vergeben dagegen Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde. Palästinenser konnten Gaza zuletzt nur unter strengen Auflagen über den israelischen Grenzübergang Kerem Schalom verlassen.

Die Öffnung Rafahs wurde schon vor Wochen angekündigt, verzögerte sich aber immer wieder. Eine Hürde war die Rückführung der letzten Geisel, die sich noch im Gazastreifen befand. Die sterblichen Überreste des Polizisten Ran Gvili wurden vor einer Woche identifiziert und nach Israel geholt. 

Hilfsorganisationen fordern schon lang die vollständige Öffnung Rafahs auch für die direkte Einfuhr von Hilfsgütern. In den vergangenen zwei Kriegsjahren stauten sich auf ägyptischer Seite teils Hunderte Lastwagen mit Hilfsgütern, die auf Einfahrt warteten. Diese fahren zwar nach Rafah ein, werden dann aber zu anderen Grenzübergängen in Israel umgeleitet und dort vor der Einfahrt nach Gaza kontrolliert.

© dpa-infocom, dpa:260202-930-629755/2

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.