Der Genuss von Freiheit

2019 ist das Jahr, in dem Ritchie Blackmore und Candice Night in zwei Live-Welten erscheinen werden: „Rainbow“ absolvieren ihr einziges Konzert in Deutschland in der Münchner „Olympiahalle“ und es gibt sechs „Blackmore’s Night“-Shows.

Immer noch ein Virtuose an der Gitarre: Ritchie Blackmore.
von Autor MFGProfil

Letztendlich war es ein einziger Song namens „Black Sheep Of The Family“, im Original von der Band Quatermass, den Ritchie Blackmore seiner Stammgruppe Deep Purple zum Covern vorschlug. Wir schreiben Ende 1974, der Rest der Hardrock-Ikonen verweigerte den Zuschlag. Was den englischen Ausnahmegitarristen dermaßen erzürnte, dass er die Formation kurzerhand verließ und nur ein Jahr später mit Rainbow ins Licht der Öffentlichkeit zurückkehrte. Auch mit dieser Heavy-Truppe verkaufte er Millionen Alben und spielte weltweit extrem erfolgreich Tausende von Konzerte.

1985 löste sich die Band auf, zwischen 1995 – 1997 fand sie nochmals zusammen. Seit 2015 gibt die Combo sporadisch Live-Konzerte. Der alte Grummler Blackmore, heute 74, hat mit seiner mittlerweile 48-jährigen amerikanischen Ehefrau, der Sängerin Candice Night, 1997 die ebenfalls äußerst erfolgreiche Mittelalter Rock-Formation Blackmore’s Night ins Leben gerufen, seine Candy geehelicht und mit ihr zwei Kinder. Die selbst ernannten „ewigen Turteltäubchen“ klären uns auf über ihre Aktivitäten:

ONETZ: Warum ist Ihnen die Band Rainbow derart wichtig, dass Sie 2015 beschlossen, sie zu reanimieren?

Ritchie Blackmore: Ritchie Blackmore: Ich wollte einfach mal wieder meine geliebte „Stratocaster“-Gitarre umschnallen und darauf losbrettern. Der Sänger, den ich an der Seite hatte – Ronnie Romero – , klang super und hatte Interesse daran, einige der alten Rainbow-Songs für die Fans zu spielen. Ich halte Nostalgie für eine äußerst wichtige Sache. Etliche alte Fans fragten mich immer wieder, ob ich irgendwann altes Rainbow-Zeug live für sie spielen würde. Das machte ich sehr gerne! Also die „Strat“ ausgepackt und mal wieder etwas anderes tun als die gut 20 Jahre mit Blackmore’s Night, wo ich in erster Linie akustische Saiteninstrumente bediene.

ONETZ: Was sind für Sie persönlich die musikalischen Unterschiede zwischen Rainbow und Deep Purple?

Ritchie Blackmore: Bei Rainbow genieße ich mehr Freiheiten. Und Rainbow gibt lediglich ein paar Shows pro Jahr, während Deep Purple pausenlos tourt. Ich hingegen reise nicht sehr gerne. Außerdem habe ich, bedingt durch Personalwechsel, eine Menge unterschiedlicher Genres mit Rainbow ausprobiert. Im Vergleich zu Deep Purple kann man diese Gruppe nicht kategorisieren.

ONETZ: Rainbow besitzt seit 2015, neben Ihnen als Gründer, eine komplett neue Besetzung. Was unterscheidet die „alten Rainbow“ von den „neuen Rainbow“?

Ritchie Blackmore: Gar nicht mal viel. Mir ging und geht es darum, Spaß an der Sache zu haben. Für mich ist dieser alte Stoff gepaart mit Nostalgie ganz schön kraftvoll.

ONETZ: Somit wird Rainbow live sehr klassisch wie in den 70ern und 80ern klingen, richtig?

Ritchie Blackmore: Es wird schon ein paar Unterschiede geben. Neue Mitglieder besitzen Persönlichkeiten. Die wollen sie in den Sound einbringen. Manche Songs werden sich sehr eng an die Originale halten. Bei anderen möchte ich nicht, dass sie zum Duplikat verkommen. Ich begebe mich gerne auf eine Zeitreise zurück in meine eigene musikalische Vergangenheit. Aber stets aus der Perspektive von heute.

ONETZ: Warum spielt Ihre Band 2019 in München das einzige Deutschland-Konzert?

Ritchie Blackmore: Weil die Stadt sehr zentral liegt. Viele unserer Fans reisen aus Österreich und Italien an. Für die ist das der perfekte Standort.

ONETZ: Welche Beziehung haben Sie zu München?

Ritchie Blackmore: Ein Freund von meiner Familie und mir besitzt ein Schloss, dort sind wir jederzeit gern gesehene Gäste. Ich liebe das Münchner Umland. Die Innenstadt nicht so sehr, ist mir zu anstrengend. Und ansonsten wird in München für meinen Geschmack das beste Bier überhaupt gebraut.

ONETZ: Neben Rainbow werden Sie live vor allem mit Ihrer Stammband Blackmore’s Night Konzerte absolvieren. Was macht den Unterschied aus?

Ritchie Blackmore: Bei Blackmore’s Night steckt ein Haufen von Freunden und Vertrauter zusammen. Wir haben von außen nicht den ganz großen Druck. Alles ist um einiges intimer als bei Rainbow. Die Erwartungshaltung an die alten Rocker ist sicher größer.

ONETZ: Was dürfen wir von Blackmore’s Night live erwarten?

Ritchie Blackmore: Tolle Lieder, Party-Atmosphäre, organische Versammlungen, akustische Instrumente.
Candice Night: 2018 war das erste Jahr, in dem wir in unserer über zwei Dekaden andauernden Karriere Deutschland nicht im Rahmen einer Konzertreise besucht haben. Unsere Plattenfirma hat uns auf Live-Mission in die USA geschickt. Aber wir haben Deutschland sehr vermisst. Uns beide verbindet unglaublich viel mit dieser Nation.

ONETZ: Sie werden als Ehepaar sowohl bei Blackmore’s Night als auch bei Rainbow gemeinsam auf der Bühne zu sehen sein. Was sind die Hauptunterschiede zwischen diesen Konzerten?

Ritchie Blackmore: Bei Rainbow stehe ich vor Candy, die als Backgroundsängerin fungiert. Bei Blackmore’s Night ist es genau umgekehrt, sie ist die Hauptakteurin. Das nennt man Emanzipation.
Candice Night: Für mich ist es eine immense Ehre, bei Rainbow dabei zu sein. Immerhin bin ich mit deren Musik groß geworden. Und habe im Auto wild dazu die Haare geschüttelt.

ONETZ: Was gibt es nach den Tourneen Neues von Rainbow und Blackmore’s Night zu erwarten?

Candice Night: Für unsere gemeinsame Gruppe haben wir drei neue Songs aufgenommen, ganz im typischen Blackmore’s Night-Stil. Also sehr atmosphärisch und mit Ethno-Anleihen. Man darf nächstes Jahr mit einer neuen Platte von uns rechnen.
Ritchie Blackmore: Was eine weitere Rainbow-Scheibe betrifft: Abwarten und Tee trinken. Meinetwegen auch ein anderes Getränk…

Info:

Service

Konzerte: Ritchie Blackmore’s Rainbow: 12. Juni München (Olympiahalle); Blackmore’s Night: 6. Juli Burg Abenberg.

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0

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