Auf dem Hamburger Kiez liegen in einer Krypta jahrhundertealte Gebeine von rund 350 Menschen. Besucher können bei Führungen die dicht gestapelten Totenschädel und Knochen hinter einer Glasscheibe in einem sogenannten Beinhaus betrachten. Dies dürfe nicht mit einem Gruselkabinett verwechselt werden, sagt Pastor Karl Schultz von der katholischen Kirche St. Joseph an der Großen Freiheit. „Das ist eine christliche Begräbnisstätte.“
Die Kirche liegt direkt an der Amüsiermeile auf St. Pauli unweit der berühmten Reeperbahn, die dieses Jahr ihr 400-jähriges Jubiläum feiert. Tausende Touristen und Partygäste ziehen hier am Wochenende vorbei. An der rechten Seite des Gotteshauses geht es über eine Treppe hinunter in die Erinnerungsstätte, die 2015 eingeweiht wurde. Auch ein Ausstellungsraum mit Schautafeln und Vitrinen gehört dazu. Darin sind Sargbeigaben wie Eheringe, Rosenkränze oder Kruzifixe, aber auch Überreste wie Zahnersatz und Kleidung zu sehen.
Von 1719 bis 1868 wurde im Gruftgewölbe von St. Joseph bestattet. Nach dem Zweiten Weltkrieg, beim Wiederaufbau des Gotteshauses, kippte man die entdeckten Gebeine auf einen großen Haufen und vermauerte sie im Mittelgewölbe. Welche Schädel und Knochen zu welcher Person gehörten, lasse sich nicht mehr zuordnen, berichtet Pastor Schultz. Doch man habe den Toten wieder eine würdige letzte Ruhestätte geben wollen.
© dpa-infocom, dpa:260609-930-193951/1


















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