Wildgewordener Stier tötet zwei Menschen

Drama auf einem Bauernhof bei Furth im Wald (Landkreis Cham): Ein Stier tötet zwei Personen. Die Polizei muss das Tier erschießen, um zu den Opfern auf die Weide zu gelangen.

Auf dieser Weide in der Gemeinde Gleißenberg wurden zwei Männer von einem Stier getötet.
von Externer BeitragProfil

Von Dominik Altmann

Ein schrecklicher Unfall hat sich am Samstagvormittag im Ort ereignet. Ein Stier hat einen Landwirt und dessen Vater attackiert und beide getötet. Ganz Gleißenberg ist seitdem in Schockstarre, am Tag danach herrscht eine gedrückte Stimmung. Die beiden Männer hinterlassen eine große Lücke in der Dorfgemeinschaft.

Wie es zu dem Unglück gekommen ist, ermittelt die Polizei aktuell noch. Bislang steht fest, dass sich der 60-jährige Landwirt gegen 10 Uhr auf seine Weide begeben habe, um ein junges Kalb zu markieren. Als er die Weide betrat, hat der Bulle ihn angegriffen und getötet.

Vater will Sohn helfen

Nachdem der Landwirt nicht auf den Hof zurückkehrte, machten sich dessen Ehefrau und sein Vater Sorgen und eilten zur Weide nach. Den Senior, der seinem Sohn zu Hilfe zu eilen wollte, griff der wildgewordene Stier aber ebenfalls an und fügte ihm ebensolche tödlichen Verletzungen zu. Die Ehefrau und die verständigten Rettungskräfte konnten zunächst nichts für die beiden Männern tun. Das wildgewordene Tier bedrängte sie. Erst als die Polizei den Stier erlegte, konnten die Retter zu Vater und Sohn gelangen. Die Hilfe kam jedoch zu spät.

Für die Menschen im Ort ist dies kaum zu glauben. Das Tier ist nie aufgefallen, wird als sehr zutraulich und umgänglich beschrieben. Als Jungtier kam der Bulle auf den Hof und so herrschte den Beschreibungen nach ein Vertrauen zwischen Mensch und Stier. Die Ermittler gehen laut Polizei jedoch davon aus, dass der Bulle seine Herde beschützen wollte – und so das Unglück seinen Lauf nahm.

Schockstarre im Dorf

Der Schock sitzt tief im Dorf. Der 60-Jährige und sein Vater waren aufgrund ihrer pragmatischen und hilfsbereiten Art bekannt und beliebt. Ob Trachtenverein oder Feuerwehr oder als Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofes. Man konnte sich auf sie verlassen, das war allseits bekannt. Die Verunglückten galten als fleißige Mitglieder, auf die man bauen konnte. Wer mit den Bewohnern des Ortes spricht, merkt, wie tief die Betroffenheit in dem Fall ist. Viele finden keine Worte und selbst gestandene Männer geraten beim Reden ins Stocken.

Der Spitzname des 60-Jährigen war „da Mo“. Es war im Bayerisch Meran – und darüber hinaus – beinahe ein geflügeltes Wort. Selbst in den Nachbardörfern Lixenried und Gschwand bauten sie auf die selbstlose Unterstützung. Einer bezeichnet den 60-Jährigen als einen „stillen Helden im Hintergrund“. Ob mit Muskelkraft oder mit Kirtabäumen aus dem eigenen Forst: „Er war einfach da, wenn er gebraucht wurde“, sagt Feuerwehrkommandant Markus Riederer aus Gleißenberg. Ihm steigen die Tränen in die Augen, wenn er von seinem Freund und Stellvertreter erzählt. Er habe nie viel Aufhebens um seine Person gemacht. Was getan werden musste, das tat er. „Und darauf konnte ich mich stets verlassen.“

Tiefe Betroffenheit

In Weiding, mit dem Gleißenberg eine Verwaltungsgemeinschaft formt, herrscht ebenfalls Trauer. „Die große kommunale Familie Weiding/Gleißenberg trifft das hart“, sagt Bürgermeister Daniel Paul. Zwar hätte der Verstorbene als Bauhofmitarbeiter in Gleißenberg gearbeitet, dennoch habe ein gutes Verhältnis geherrscht. Schließlich gebe es enge Verbindungen in den Nachbarort.

Der zweite Vorsitzende des Trachtenvereins Burgstalla, Martin Plötz, bringt es auf den Punkt: „Wir haben wichtige Persönlichkeiten verloren.“

Ein Polizeiauto steht in der Nähe des Bauernhofs in Gleißenberg bei Furth im Wald.
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