Glücklicher Bastard

John Illsley war der scheue Schlacks am Dire-Straits-Bass. Nachdem sich die Gruppe endgültig getrennt hatte, startete der sympathische Zeitgenosse eine Solo-Karriere.

Der Name John Illsley ist untrennbar mit der Band Dire Straits verbunden, und es obliegt derzeit wohl in erster Linie ihm, die Flagge dieser britischen Rockband-Legende hochzuhalten. Seine aktuelle CD trägt de Titel "Coming Up For Air".
von Autor MFGProfil

Ich bin gerne ein altmodischer Sack", betont John Illsley gleich zu Beginn des Gesprächs, um ein sympathisches Lachen hinterherzuschicken. "Das bemerkt man schon daran, dass ich meine Alben zusammen mit meinen Mitstreitern ganz klassisch in einem Tonstudio aufnehme, wir schieben keine Daten vom ersten Computer am einen Ende der Welt an einen zweiten am anderen Ende der Welt. Bei mir wird Musik noch mit der Hand gemacht, in Gemeinschaftsarbeit."

Gerade eben ist das neue Werk "Coming Up For Air"(Blue Barge Records) auf den Markt gekommen. Darauf singt Illsley nicht nur selbst, sondern spielt neben dem Bass auch die Lead-Gitarre. Mitgeholfen bei der Realisierung der Platte haben einige bekannte Studio-Cracks wie Guy Fletcher als Produzent oder der Robert Palmer-Unterstützer Steve Smith.

Die musikalischen Einflüsse der Scheibe sind eindeutig - Dire Straits! Zwar mag John Illsley nicht ganz den Schmelz von Mark Knopfler in der Stimme haben, die Finesse von dessen oft feingliedrigen Kompositionen erreicht er gleichfalls nie. Doch wer den unnachahmlichen "Straits"-Sound verehrt, dürfte auch an "Coming Up For Air" seine Freude haben. "Ist doch logisch, dass meine Musik nahe an meiner früheren Band orientiert ist", schwärmt Illsley, "schließlich habe ich deren Klangkonzept ja mitentwickelt. Die Dire Straits waren nie "Mark und seine Helfer", sondern stets eine basis-demokratische Institution. Und ansonsten, doch das nur nebenbei", lacht der Brite, "bin ich ein ganz schön glücklicher Bastard, was die Musik betrifft."

Aber woran liegt die optimistische Grundstimmung, wenngleich die Musik Illsleys sich eher den Moll-Tönen verpflichtet fühlt? "Mit dem Wort Melancholie als Definition meiner Musik wie meiner Persönlichkeit kann ich gut leben", meint der Super-Sympath, der am 24. Juni 70 Jahre alt werden wird. "Solange man meiner Arbeit keine Resignation unterstellt, passt das prächtig. Ich will meine Hörer definitiv nicht deprimieren. Doch ich bin ein ziemlich introvertierter Mann, reflektiere viel. Seit man bei mir vor rund 20 Jahren durch Zufall Leukämie entdeckt hat, die ich inzwischen überwunden habe, schaue ich mir das Dasein mit noch geschärfterem Blick an. Ich bin dankbar für jeden neuen Tag, den ich geschenkt bekomme. Ja, ich bin rundum zufrieden!"

Illsley fügt nachdenklich hinzu: "Die Welt von heute geht durch äußerst unübersichtliche, turbulente Zeiten. Vor allem existieren kaum noch politische oder soziale Absicherungen, alles ist in freiem Fall. Dazu kommt, dass immer mehr Nationen Pulverfässer sind, die jeder Zeit in Krieg und Chaos versinken können. Über diese eigentlich fatale Situation habe ich mir in meinen Texten ein paar Gedanken gemacht. Ich bin undogmatischer Christ, habe dadurch feste Werte, die mir im Alltag helfen. Es wäre schön, wenn ein paar mehr Menschen solche Konstanten hätten. Das würde der Welt definitiv mehr Frieden verschaffen."

Zurück zur ehemaligen Mega-Band: Was ist der Unterschied zwischen dem Einspielen von Solo-Werken und welchen mit den Dire Straits, Mr. Illsley? "Bei den Dire Straits", reflektiert der Brite, "habe ich mich weitgehend der Gruppen-Dynamik untergeordnet, viel Background gesungen und war für den Rhythmus mit verantwortlich. Als Solo-Künstler stehe ich selbst im Rampenlicht, was nach wie vor etwas ungewohnt ist. Doch ich komme immer besser damit zurecht. Immerhin habe ich einen großen Fan - meine Frau. So ein Umstand taugt sehr gut fürs Selbstbewusstsein", lacht Illsley.

Zu guter Letzt ein Blick ins Jahr 1995: Erinnerst sich Illsley daran, warum sich in jenem Jahr die Dire Straits aufgelöst haben? "Mark und ich stellten fest, dass wir das Konzept der Band ausgereizt hatten", meint Illsley unprätentiös. "Uns fiel dazu nichts Neues mehr ein. Beinahe ein Vierteljahrhundert später sieht das ein wenig anders aus. Keiner von uns Beiden schließt eine Reunion gänzlich aus. Wir sind weiterhin enge Freunde, auch unsere Frauen verstehen sich prächtig. Jedenfalls ist das Projekt "Dire Straits" nicht endgültig begraben."

John Illsley spielt am Montag, 23. September (20 Uhr), in Nürnberg (Hirsch).

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0

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