27.02.2020 - 17:38 Uhr
GrafenwöhrDeutschland & Welt

Betrug beim Online-Autohandel: Die Grafenwöhr-Masche

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Ein Schnäppchen wird zum Reinfall: Ein Mann aus dem Landkreis Schwandorf überweist 6000 Euro für ein Auto und bekommt – nichts. Eine neue Variante des Onlinebetrugs, bei der der Truppenübungsplatz Grafenwöhr eine Hauptrolle spielt.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Das Angebot verlockend, die Geschichte nachvollziehbar. Heute sitzt ein Mann aus dem östlichen Landkreis Schwandorf nicht im bestellten Auto, sondern auf einem Schaden von 6300 Euro. Betrüger haben sich eine Masche ausgedacht, die nur ein Ziel hatte: Den Käufer zum Überweisen bringen, ohne ein Auto vorzeigen zu müssen.

Dafür schaltete er eine Verkaufsanzeige im Netz. Im Angebot ein Mercedes C 220 T CDI, Baujahr 2012, 170 PS, 137 000 Kilometer für 6300 Euro. Ein Schnäppchen. "Zunächst hieß es dann aber, das Auto ist weg", berichtet der Geschädigte. Dann erhielt er eine E-Mail: "Das Auto wäre wieder zu haben. Ob ich Interesse habe."

"Perfekt" schlechtes Deutsch

Der Oberpfälzer bejahte, auch wenn der Verkäufer sich als US-Soldat vorstellte, der zuvor in Grafenwöhr stationiert war. Er sei zurück in den USA, das Auto stehe noch auf dem US-Gelände - wo es ein Interessent nicht begutachten kann. Der vermeintliche US-Soldat mit dem Phantasienamen Joseph Eric Allaire bot eine Lösung: "Ich habe ein Transportunternehmen kontaktiert. Das Transportunternehmen kann mein Auto abholen aus Grafenwoehr-Militärbasis und transportiere es zu deiner Adresse", schrieb er in "perfekt schlechtem" US-Deutsch. Weil der Verkäufer auch behauptete, es gebe eine Rückgabe-Garantie, ging der Käufer drauf ein.

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Das Supergeschäft zerschlug sich mit dem Liefertermin. Statt des Autos kam eine Mail vom angeblichen Transportunternehmen: Es habe einen Unfall gegeben, das Auto sei zerstört, der Käufer solle sich an die Versicherung wenden. "Ich habe bei einem Polizisten nachgefragt, es gab keinen solchen Unfall."

Seither hat der Betrogene viel Zeit im Netz verbracht, mit Polizei und Computer-Experten gesprochen. Er weiß, dass die Spuren zu Computern in Russland und Kanada führen. Die Internetseite des angeblichen Transportunternehmens sei von einem realen Unternehmen kopiert. "Als ich dort angerufen habe, sind die aus allen Wolken gefallen. Die hatten keine Ahnung, dass ihre Seite missbraucht wird."

US-Armee-Polizei ermittelt

In einem Verbraucher-Forum fand er auch passende Warnungen. Nutzer berichteten, von ähnlichen "Grafenwöhrer Angeboten" Der Oberpfälzer hat sogar Kontakt zu einem Mann aus Thüringen hergestellt, der über 13 000 Euro für dasselbe Angebot bezahlt hat.

Bei der US-Armee kennt man die Masche, seit sich ein anderer Interessent danach erkundigt hat. "Wir haben ihm vom Kauf abgeraten", berichtet der Sprecher, Andreas Kreuzer. Die Kriminalabteilung der Militärpolizei sei eingeschaltet. Auch beim Polizeipräsidium Oberpfalz haben Bürger die Masche schon angezeigt. Der Betroffene sei bislang das erste wirkliche Opfer. Allerdings mahnte die US-Armee ihre Soldaten schon im Mai 2019, mit persönlichen Informationen und Bildern in Sozialen Medien vorsichtig umzugehen. Schon damals häuften sich demnach Hinweise, dass Betrüger diese Informationen sammeln, um dann mit falscher Identität Geld zu erbeuten.

Der Geschädigte übt Kritik an der Polizei. "Ich sollte bei der Bank erst die Rückholung des Geldes verlangen." Dies dauerte Tage, blieb erfolglos. Als die Polizei dann die Anzeige aufnahm, waren die digitalen Spuren verwischt. "Vielleicht hätte man früher etwas ausrichten können." Nun gebe es kaum mehr Hoffnung.

Hier warnt der Verbraucherschutz

Die Polizei rät: Vorsicht beim Onlinehandel :

Vorsicht beim Onlinehandel

  • Prüfen Sie insbesondere solche Angebote genau, bei denen Sie in (finanzielle) Vorleistung treten müssen. Nutzen Sie die Möglichkeiten sicherer Zahlungs- und Kommunikationssysteme. Nehmen Sie entsprechende Informationsangebote zur Internet-Nutzung wahr (auch über Handbücher, Fachzeitschriften, Bankeninformationen u.ä.)
  • Achten Sie auf die Bezahlmöglichkeiten des Online-Geschäfts. Häufig wird die Zahlung per Vorkasse oder mit Kreditkarte verlangt. Vermeiden Sie solche Zahlungen bei Ihnen unbekannten Shops und bevorzugen Sie Plattformen, auf denen Sie per Rechnung, Überweisung oder Bankeinzug bezahlen können. Bei Internet-Auktionen sollten Sie zumindest bei größeren Summen einen Treuhandservice und keinesfalls einen Bargeld-Transferservice nutzen.
  • Informieren Sie sich auf den Internet-Seiten von Verbraucherschutzverbänden, privaten Vereinen oder speziellen Diskussionsforen und Computerzeitschriften über mögliche Risiken.
  • Informieren Sie sich als Privatperson so gut es geht über Ihre Geschäftspartner.
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