14.12.2018 - 15:26 Uhr
GrafenwöhrDeutschland & Welt

Elvis Presley - die Ausstellung

Er kam am 3. November 1958. Elvis Presley, ein Megastar in Uniform. Bis heute gibt es Erinnerungen an seine Aufenthalte in der Oberpfalz. Eine Ausstellung im Museum der Stadt Grafenwöhr macht deutlich: Seine Popularität ist ungebrochen.

von Autor HOUProfil

Mit seinen 25 Lebensjahren ist er ein Weltstar, setzt sich 1960 in seiner Villa Graceland hin und schreibt einen Brief ins oberpfälzische Hirschau. Er schreibt an den Lokalreporter Sepp Müller. Kein "Return To Sender".

Elvis Aaron Presley, als Sohn armer Eltern am 8. Januar 1935 in Tupelo/Mississippi geboren, galt als populärster lebender Mensch auf dem Globus, als er am 1. Oktober 1958 in der Uniform eines Soldaten der US-Armee in Bremerhaven deutschen Boden betrat und in der Kaserne des hessischen Friedberg zu dienen begann.

Am 3. November des gleichen Jahres, also nur vier Wochen später, kam er zu einem Manöver alliierter Truppenverbände erstmals auf den Übungsplatz Grafenwöhr. Ab dann ging es rund für seine Fans, die nach "King Creole", "Love me tender", "Jailhouse Rock" und "Loving You" zuhauf auch in der Oberpfalz vorhanden waren. Man kannte diesen Mann damals bis in die letzten Winkel der Erde hinein. Auch heute noch, 41 jahre nach seinem Tod, ist das so.

Die Stadt Grafenwöhr hat lange gebraucht, bis sie realisierte, dass Elvis Presley noch immer nach seinem am 16. August 1977 eingetretenen Ableben Millionen von Fans hat. Da musste dann erst eine junge Frau kommen, der man die Führung des Kultur- und Militärmuseums übertrug. Sie heißt Birgit Plößner und begann schon kurz nach ihrem Dienstantritt damit, sehr sorgsam zu recherchieren, was dieser Soldat Presley auf dem Gelände des Army-Training-Centers und rings um die Stadt Grafenwöhr an Begeisterung auslöste. Denn da war plötzlich einer gekommen, der nicht nur Uniform trug und gut aussah. Viel mehr noch: Ein junger Mensch, der mit einem Paukenschlag die Musik revolutioniert hatte. Und dann völlig unerwartet das: "That's Allright", "Blue Suede Shoes" und "Heartbreak Hotel" personifiziert in der Oberpfalz.

2017 setzte Birgit Plößner eine erste Ausstellung in dem von ihr geleiteten Kultur- und Militärmuseum in Szene. Mehrere Tausend Besucher kamen. Sie blieb auch danach am Ball. Die Museumsleiterin startete mit weiteren intensiven Nachforschungen und wurde für ihren Fleiß belohnt.

Neue Fotos und Aussagen von Zeitzeugen tauchten auf, Autogramme und Bilder kamen bis aus den Vereinigten Staaten. Elvis in der Oberpfalz: Zusätzliche Fakten und Aufnahmen wurden bekannt - von einem Megastar, der seinen Musikern einmal sagte, dass es in und um Grafenwöhr während seiner Manöver-Aufenthalte "arschkalt gewesen ist."

Elvis, durch seine unglaubliche Karriere für Grafenwöhr zum Werbe-Magneten geworden, war neben 1958 und 1960 offenbar auch 1959 in der Stadt und ihrer Region. Diese Erkenntnis ist Birgit Plößner zu danken. Als kürzlich in dem von ihr geführten Museum eine Ausstellung "60 Jahre Elvis in der Oberpfalz" eröffnet wurde, war das eine sehr überraschende Nachricht. Zur Vernissage gab es Reden im Beisein von zahlreichen Männern und Frauen, die den King of Rock'n'Roll gesehen und mit ihm gesprochen hatten, als er seinerzeit die Teenager in Grafenwöhr, Amberg, Weiden, Hirschau, Vilseck und noch etlichen weiteren Orten durch seine Anwesenheit in Begeisterung versetzt hatte. Die Vorsitzende der Deutschen Elvis-Presley-Gesellschaft, Maria Hesterberg (Bonn), zitierte dabei den legendären Komponisten Leonard Bernstein, der einmal sagte: "Elvis war die stärkste kulturelle Kraft des 20. Jahrhunderts".

Was im Museum bis zum 31. März 2019 zu sehen ist, sind Exponate vielfältigster Art. Im Mittelpunkt steht ein handgeschriebener Brief Presleys, den er im September 1960 nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaen an den Hirschauer Journalisten Sepp Anderl Müller schrieb. Das Original galt lange als verschollen, es exisitierte nur eine Kopie.

Was bis 2017 keiner wusste: Sepp Müllers in Regensburg lebende Tochter hatte ihn geerbt und sie stellte die Rarität nun zur Verfügung. Ein Stück dokumentarische Zeitgeschichte. Mit der Überschrift "Dear Sepp" und der Schlussbemerkung "Keep up the good work". Dazwischen Fakten, die nur Presley selbst zur damaligen Zeit wissen konnte. Zum Beispiel Einzelheiten über seinen Film "Flaming Star". Außerdem: Völlig neue Bilder von erstaunlich guter Qualität sowie Berichterstattungen der damaligen Tagespresse. Dazu Stücke aus der Sammlung des ehemaligen NT-Chefreporters Wolfgang Houschka. Darunter eine Jacke, die der Elvis-Schneider Bernard Lansky in Memphis/Tennessee signierte und eine "King Creole"-Platte, die Presley kurz vor seinem Tod in den Staaten mit Widmung versah. Aus Houschkas Kollektion stammen auch Schallplatten, die als sogenannte Raubpressungen (Bootlegs) nur auf dem Schwarzmarkt gehandelt wurden. Außerdem Filmplakate, Briefmarken, rare Bilder aus der Villa Graceland und eine LP, die es in solcher Form nur ein Mal geben dürfte. Mehrere Vitrinen widmen sich dem musikalischen Comeback von Elvis Presley im Juni 1968. Auch das ist ein Jubiläum. Denn es geschah heuer vor 50 Jahren in den Burbank Studios von Los Angeles/Kalifornien. Highlight dabei: Autogramme von Scotty Moore (Gitarre) und D. J. Fontana (Schlagzeug), die damals mitspielten. Beide sind zwischenzeitlich verstorben.

Service:

Das Kultur- und Militärmuseum Grafenwöhr an der Martin-Possser-Straße 14 ist von Dienstag bis Donnerstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Auch an Sonntagen kann die Ausstelllung von 14 bis 17 Uhr besucht werden.

Elvis Presley kam, historisch gesichert, vom 3. November bis Mitte Dezember 1958 erstmals zu einem Manöver nach Grafenwöhr und gab dort in der Micky Bar sein einziges Konzert außerhalb der Vereinigten Staaten.

Er war dann von Mitte Januar bis Anfang Februar 1960 erneut in die Oberpfalz. Dabei wurde Presley auch für seine Fans in vielen Städten und Ortschaften sichtbar. In einem Film, der als DVD an der Museumskasse erhältlich ist, schildern Männer und Frauen aus Grafenwöhr und Hirschau ihre damaligen Begegnungen mit dem Megastar. Danach kehrte Elvis in die USA zurück und kam nie mehr nach Deutschland.

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