10.09.2018 - 11:01 Uhr
GrafenwöhrDeutschland & Welt

"Ich fühle mich hier daheim"

Lastwagensitze und Fahrräder, Porzellan und Straßenwalzen, Chips und Zoigl. Es gibt fast nichts, was von den Unternehmen in der Oberpfalz nicht hergestellt wird. Das lockt an.

Susanne Bartsch kam vor 15 Jahren in die Oberpfalz.
von Eva Hinterberger Kontakt Profil

Menschen aus der ganzen Welt ziehen in die Oberpfalz - und finden eine neue Heimat. Hier erzählen Sie davon. Heute mit Susanne Bartsch (55). Sie stammt ursprünglich aus Rosbach von der Höhe im Wetteraukreis in Hessen. Seit 2003 lebt sie in Grafenwöhr, wo sie als Pressesprecherin für die Garrison Bavaria der US-Armee arbeitet.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Susanne Bartsch: Susanne Bartsch: Ja, aber das sind die Hessen auch. Wenn man beide Gruppen erst einmal kennengelernt hat, passt es und sie „tauen auf”.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Susanne Bartsch: Freunde haben in Vohenstrauß gewohnt und ich kannte die Oberpfalz bereits. Ebenso war ich schon vorher beruflich in Grafenwöhr. Ich hatte keine Vorurteile, wusste aber, dass Grafenwöhr „weit vom Schuss ist”, das heißt weit entfernt von Großstädten. Ich bin 30 Minuten von Frankfurt/Main entfernt aufgewachsen und habe nie mehr als diese Fahrtzeit von einer Großstadt entfernt gelebt. Die ländliche Umgebung hier ist daher eine Herausforderung für mich – auch nach inzwischen 15 Jahren. Ich bin daher am Wochenende oft zum Shoppen in Bayreuth und Nürnberg und nutze jede Gelegenheit für einen München-Trip. Als FCB-Mitglied, das oft ins Stadion geht, wird daraus oft ein München-Wochenende.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Susanne Bartsch: Absolut nie. Ich werde definitiv nie mehr ins Rhein-Main-Gebiet zurück kehren und definitiv in Bayern bleiben. In den vergangenen Jahren bin ich maximal zweimal im Jahr bei meinen Eltern gewesen. Sie kamen meist zu mir. Seit dem Tod meines Vaters 2016 bin ich allerdings mindestens einmal im Quartal in Hessen, da meine Mutter sehbehindert ist, alleine wohnt und Unterstützung bei zum Beispiel Arztterminen benötigt.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Susanne Bartsch: Nur Gutes: Über das Gefühl des Zusammenhalts, der gegenseitigen Unterstützung, des „sich noch für den Anderen Interessierens”, des „zu Hause seins”. Ich hab mich in meinem Heimatort nie zu Hause gefühlt, da wir weit außerhalb des Ortskerns gewohnt haben. Mein Bezug besteht eher zu meiner „Schulstadt” Bad Nauheim, wo ich ins Gymnasium gegangen und während meines Studiums gewohnt habe. Mit Freunden, die noch nie in der Oberpfalz waren, fahre ich zuerst nach Regensburg.

ONETZ: Verstehen Sie Ihren Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihm nach Feierabend ein Bier trinken?

Susanne Bartsch: Ja, ich bin stolz drauf, dass ich den hiesigen Dialekt inzwischen gut verstehe. Aber natürlich gibt es immer wieder Begriffe, die neu für mich sind. Da wir bei mir zu Hause keinerlei Dialekt sprechen, was bedeutet, dass nur unsere Aussprache der Wörter in der hessischen Klangfarbe ist und aus einen „ch“ manchmal ein „sch“ wird, habe ich keinen direkten Bezug zu Dialekten.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Susanne Bartsch: Total! Ich fühle mich hier daheim und verteidige „uns” gegen alle anderen Bayern und gegen herrschende Vorurteile.

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