09.07.2018 - 16:36 Uhr
GrafenwöhrDeutschland & Welt

Wie der King in alten Tagen

Die Elvis-Welt ist mitunter ein Kasperltheater. Meist dann, wenn Leute in Glitzeranzügen über Bühnen toben und den Meister aller Rock-'n'-Roll-Klassen zu imitieren versuchen. Und dann kommt da plötzlich einer, der es wirklich kann.

Er sieht zwar nicht aus wie Elvis, aber er singt wie der King: Ron Glaser begeistert die Fans bei seinem Konzert in Grafenwöhr.
von Autor HOUProfil

Grafenwöhr.Dieser Samstagabend hat eingeschlagen wie der Blitz. Volle Stadthalle trotz anfänglicher Veranstaltersorgen. Heuer vor 60 Jahren kam Elvis Presley als Soldat erstmals nach Grafenwöhr. Seit es die agile Kulturmanagerin Birgit Plößner gibt, wird keine Gelegenheit mehr ausgelassen, um mit den zwei Manöverbesuchen des Megastars zu werben. Besondere Betonung liegt darauf: "Bei uns hat er sein einziges Konzert in Europa gegeben". Damals im Dezember 1958 in der Micky-Bar. Grafenwöhr, so scheint es, hat endlich gelernt. Das hätte auch vor Jahren schon so sein können.

Petticoat und Überschlag

Rock 'n' Roll in vielen Facetten. Draußen vor der Halle Oldtimerautos aus den Staaten, drinnen ein glänzend aufgelegtes Tanzensemble von "Quick Feet" aus Amberg. Und außerdem ein Paar, das vor der Bühne auftrat und tänzerisch alles beherrschte, was oberhalb der Rampe die Band "The Ridin' Dudes" in die Saiten haute. Das waren die ersten Knaller: Petticoat, Röhrenjeans, Überschlag.

Eingefleischte Elvis-Fans sind immer dann argwöhnisch, wenn einer kommt und sich anmaßt, ihr Idol zu kopieren. Zu viele Hanswursten in Glitzermonturen gibt es auf dieser Welt. Doch diesen jungen Österreicher, der da für eine Presley-Show engagiert worden war, muss man gesehen und vor allem gehört haben. Ron Glaser aus St. Pölten. Schlichtweg ein Naturtalent. Samt seinen "Ridin' Dudes"

Glaser ist Glaser. Auch wenn er Elvis macht. Mitunter entsteht der Eindruck, als ob da der vor nahezu 41 Jahren verstorbene King selbst auf der Bühne stünde. Zweieinhalb Stunden, in denen der Funke sofort überspringt. Erst "Blue Suede Shoes", dann "All Shook Up". Der Österreicher beherrscht auch Presleys eigentlich unnachahmliche Körpersprache, er zieht stimmliche Register und macht "Are You Lonesome Tonight". Einen Song übrigens, den Elvis nie mochte und nach getaner Aufnahme im Studio B in Nashville vor Wut mit seinem Stiefel einen Schrank eintrat.

Der nächste Höhepunkt dann: "Come On Everybody" aus dem Film "Love In Las Vegas". Wer sich an diese Nummer wagt, muss Elvis kennen und können. Irgendwann kommt der von Presley gecoverte Chuck-Berry-Song "Promised Land". Ein Zungenbrecher. Doch Glaser ist auch textsicher. Im finalen Stadium meint man, diese Stadthalle sei wirklich der Showroom des Hilton International Hotels in Las Vegas. "Burning Love", "Hurt" und ein grandios gutes "Moody Blue". Doch es wird noch besser: "Heartbreak Hotel", wo der Portier in Schwarz gekleidet war. Da zeigt Glaser endgültig seine einsame Klasse.

Weihnachten in Amberg

Stehender Beifall, frenetische Ovationen. Elvis in Grafenwöhr. Auf die Bühne gebracht von einem jungen Sänger - wir setzen zum Lob an nach langer und oft leidvoller Erfahrung mit Presley-Interpreten und -Imitatoren - vor dem auch der King sehr erstaunt seinen Hut gezogen hätte. Weihnachten kommt Glaser wieder. Dann ist er in Amberg.

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