Greta Thunberg, das Hassobjekt

Wie kann eine 16-Jährige für derart viel Hass sorgen? Was sagt das über unsere Gesellschaft? Ein Kommentar von Frank Werner.

Greta Thunberg spricht bei einer Veranstaltung am Rande der 74. Generaldebatte der UN-Vollversammlung.
von Frank Werner Kontakt Profil
Kommentar

Greta Thunbergs Auftritt vor den Vereinten Nationen mag für viele verstörend gewirkt haben. Was geht in einem 16-jährigen Mädchen vor, dass sich eine derartige Wut ansammelt? Mit dem aggressiven Ton hat sie sich selber und ihrem Anliegen möglicherweise keinen Gefallen getan. Die Schwedin treibt so die Spaltung nur weiter voran. Und es wird kaum noch darüber gesprochen, worum es geht, sondern nur über das Phänomen Greta.

Dabei können alle Kritiker wieder einmal schwarz auf weiß lesen, wie recht die Schülerin mit ihrem Aufschrei hat. Denn der Weltklimarat mahnt eindringlich, dass sich die fatale Spirale der Vernichtung der Erde immer schneller dreht: Treibhausgase erwärmen die Atmosphäre, steigende Temperaturen lassen Gletscher und Eiskappen schmelzen. Das Wasser steigt unaufhörlich. Es bedarf keines abgeschlossenen Studiums der Klimawissenschaften, um die fatalen Folgen dieses durch Menschen verursachten Mechanismus zu begreifen.

Der Alternative Nobelpreis für Thunberg ist deshalb nur folgerichtig. Ob man dem Mädchen mit der möglichen Verleihung des Friedensnobelpreises einen Gefallen tut, darüber lässt sich streiten. Die 16-Jährige muss schon jetzt genug einstecken. Da sind die Hetzer aus Reihen der AfD, die sich über Thunbergs Asperger-Erkrankung in den sozialen Foren auslassen, über "die Behinderte" lästern. Und da entblödet sich sogar der mächtigste Mann der Welt, Donald Trump, nicht, sich über sie öffentlich lustig zu machen. "Wie könnt ihr es wagen?", möchte man all den Hasspredigern entgegenrufen.

Die Welt wird Greta Thunberg noch danken, dass sie mehr bewegt hat als alle Wissenschaftler zusammen. Es ist keine Zeit mehr für Konfrontationen. Es ist Zeit für Lösungen.

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A. Schmigoner

Ein gutes Beispiel hierzu liefert die Facebookgruppe „Fridays for Hubraum“, zunächst nur als Scherz gedacht. Dann traten innerhalb weniger Tage rund 400.000 Leute bei, einige mit radikalen Ansichten. „Alle die langsam die den Klimaquatsch über haben, sind gerne gesehen (sic).“ So warb unter anderem einer der Administratoren auf seinem öffentlichen Profil für die Gruppe „Fridays for Hubraum“. Von Postings über schnelle Autos wechselten die Diskussionen hin zu Hetze und konkreten Morddrohungen gegen die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg. Nun zogen die Verantwortlichen die Reißleine und löschten fast alle Kommentare. Man fragt sich, was die Verantwortlichen unter "Klimaquatsch" verstehen und ob sie die Klimaproblematik überhaupt überblicken.
Tatsache ist auch, dass viele klimaskeptische Postings von AfD-Anhängern stammen, die eine ganze Maschinerie gegen Thunberg in Gang gesetzt haben.
Mich erschütterte die jüngste Sendung von Dieter Nuhr. Fast sein gesamtes Programm bestritt Nuhr an diesem Abend mit Witzchen gegen das Mädchen. Arme Gesellschaft und armselige Comedy.

28.09.2019