Oberpfälzer Wälder fit für Klimawandel

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Trockenheit im Sommer und die extremen Stürme machen den Wäldern in der Region zu schaffen. Zwei Experten wollen Forstbesitzern dabei helfen, ihre Wälder fit für den Klimawandel zu machen.

Lukas Rupprecht (links) und Gerhard Hösl erklären den Waldumbau. Durch die neuen Förderrichtlinien können künftig Wildschutzzäune statt der Wuchshüllen aus Plastik ermöglicht werden.
von Natalie SchwarzProfil

"Hier standen bis vor kurzem noch Fichten. Diese waren durch die Trockenheit bereits geschwächt und der Borkenkäfer hat sie dann endgültig zum Absterben gebracht", erklärt Lukas Rupprecht, Revierleiter in Irchenrieth. In dem an einem Hang gelegenen Waldstück in Harlesberg bei Theisseil (Kreis Neustadt/WN) sieht es ziemlich karg aus. Dass sich hier bis vor kurzer Zeit noch ein dichter Wald aus Fichten befand, daran erinnern heute nur noch die Baumstümpfe. Nicht nur die extremen Wetterverhältnisse belasten die Wälder in der Region, auch der Borkenkäfer ist für das Waldsterben verantwortlich.

Höhere Temperaturen verbessern die Lebensbedingungen der Schädlinge. "In der Regel dauert die Entwicklung vom Ei zum Käfer zirka zehn Wochen. Wenn es sehr warm ist, sind es nur noch fünf bis sechs Wochen. Die Vermehrungsrate ist dadurch exponentiell", erklärt Gerhard Hösl, stellvertretender Behördenleiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für Weiden und Umgebung. Wird der befallene Baum nicht rechtzeitig herausgenommen, können sich die Borkenkäfer schnell auf eine ganze Baumgruppe ausweiten.

Neue Baumarten anpflanzen

Um für die Zukunft einen stabilen und leistungsfähigen Wald zu schaffen, sind Bäume die dem Klimawandel und den Schadinsekten standhalten, nötig, sind sich die beiden Experten einig. "Es gibt Baumarten, die bei uns weit verbreitet sind, wie Fichte und Kiefer, die in Zukunft immer mehr Probleme mit dem Klimawandel haben werden. Zukünftig kommen Baumarten, die eher unbekannt sind wie die Kirsche oder der Bergahorn", meint Rupprecht. Die Forstbetriebsgemeinschaften und Forstämter arbeiten eng mit den privaten Waldbesitzern zusammen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, klimaresistente Bäume auszuwählen.

In erster Linie wird nach heimischen Baumarten mit der passenden Herkunft gesucht. Jede Baumart hat ein großes Verbreitungsgebiet, welches von wärmeren zu kühleren Gebieten geht. "Wir versuchen das Saatgut oder die Pflanzen aus wärmeren Gegenden zu bekommen, da diese Bäume auch die höhere Temperaturen vertragen", erläutert Hösl. Auch Arten, die aus anderen Teilen Europas oder Nordamerikas stammen, sollen zukünftig in den Wäldern der Region zu finden sein. Bei einem Beratungsgespräch treffen sich die zuständigen Förster und Amtsmitarbeiter mit den Waldbesitzern und unterbreiten Vorschläge, welche Baumart zu diesem Gebiet am besten passt. Hierfür gibt es sogenannte Standortkarten. Damit können sie zum Beispiel feststellen, wie viele Nährstoffe der Boden bietet und wie gut er Regenwasser halten kann. Auf der Waldfläche bei Theisseil wurden im April 2018 Kirsche und Sommerlinde in Wuchshüllen angepflanzt. "Obwohl die letzten beiden Jahre sehr trocken waren, sind die Bäume knapp zwei Meter gewachsen", stellt der Irchenriether Revierleiter fest.

Früher analog - heute digital. Mit Standortkarten lässt sich herausfinden, welche Baumarten für ein Gebiet am besten geeignet ist.

Ein Video über neue Baumarten für Oberpfälzer Wälder

Förderhilfen für Waldbesitzer

Im Moment werden die kleinen Bäume noch durch Hüllen aus Plastik vor Wild und Wetter geschützt. Aber: "Wir sind nicht begeistert von diesen Wuchshüllen die diese Bäume schützen", betont Hösl. "Es sieht nicht schön aus und ist einfach Plastik im Wald." In Zukunft sollen andere Möglichkeiten gefördert werden, da die Bäume geschützt werden müssen. Ein Schutzzaun aus Holz koste mehr, die Anschaffung wurde aber bisher nicht bezuschusst. Der Freistaat Bayern unterstützt mit dem Förderprogramm (WALDFÖPR) den Umbau der Wälder. Diese Förderrichtlinie soll nicht nur die Waldfunktion sichern, sondern auch eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes ermöglichen, die biologische Vielfalt verbessern. Dank der Neufassung des Förderprogramms von Februar 2020 werden künftig rund 90 Prozent der Kosten vom Freistaat übernommen - auch für naturverträgliche Schutzhüllen, freut sich Hösl.

Heimische Baumarten können sich nicht einfach an die veränderten Bedingungen anpassen. Das liege daran, dass sich das Klima schneller ändere, als sich die Bäume angleichen können. Letztendlich hängt der Waldumbau davon ab, wie schnell der Klimawandel noch voranschreitet. Gerhard Hösl ist sich sicher: Wenn der Klimawandel in dem Tempo, wie in den letzten 10-20 Jahren vorangeht, sei der Waldumbau zu schaffen.

Info:

Agrarministerium befürchtet 2020 neue Borkenkäferplage

Das bayerische Agrarministerium in München rechnet „zum jetzigen Zeitpunkt für 2020 mit einer Borkenkäfersituation, die mit 2019 vergleichbar ist“, wie ein Sprecher erklärt. „Wir erwarten in 2020 Schäden, die sogar noch leicht über den Schäden des Vorjahres liegen“, sagt Andreas Wiebe, Leiter des nordrhein-westfälischen Landesbetriebs Wald und Holz in Münster. Die Forstfachleute in den zwei größten Bundesländern stehen mit dieser Einschätzung nicht allein. Der milde Winter habe Larven, Puppen und Eier des Borkenkäfers kaum geschädigt, erläutert Horst Sproßmann, Sprecher von Thüringenforst in Erfurt. Schlimmstenfalls ist demnach „mit einer explosionsartigen Vermehrung dieser Schädlinge im Frühjahr 2020“ zu rechnen.

Diese Käfer befallen und zerstören hauptsächlich Fichten, den wichtigsten Wirtschaftsbaum in Deutschland. Bundesweit sind derzeit Förster und Waldarbeiter im Dauereinsatz, um befallene und umgestürzte Bäume zu suchen und aus den Wäldern zu räumen. „In diesem Frühjahr ist die Zahl der Borkenkäfer, die quicklebendig unter der Rinde und im Waldboden überwintert haben, immens hoch“, sagt NRW-Forstchef Wiebe. „Unsere Experten haben in einigen Wäldern über eine Million Käfer pro Hektar Wald gefunden.“ Dabei genügen 200 Borkenkäfer, um eine unter Dürre leidende Fichte absterben zu lassen. Dementsprechend beunruhigt sind die Waldeigentümer. „Sie befürchten erneut eine Katastrophe in den Wäldern, wenn auch in diesem Jahr ein trockener und regenarmer Sommer folgt“, heißt es bei der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände in Berlin. (dpa)

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