Verteidigungsminister Boris Pistorius macht Heereschef Christian Freuding (55) zum neuen Generalinspekteur und damit ranghöchsten Soldaten der Bundeswehr. Der Generalleutnant werde den Posten im Februar von General Carsten Breuer übernehmen, der bereits zum Vorsitzenden des Nato-Militärausschusses gewählt wurde, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit.
Freuding war vor seinem derzeitigen Posten als Heeresinspekteur schon Koordinator der deutschen Militärhilfe für die Ukraine mit tiefen Einblicken in den Kriegsverlauf. Er ist enger militärischer Berater des Verteidigungsministers.
SPD-Politiker Pistorius pries den Offizier mit der Bekanntgabe der Personalie in den höchsten Tönen. Als Leiter des Ukraine-Sonderstabs habe Freuding die rasanten technischen Entwicklungen in Russlands Krieg gegen die Ukraine analysiert und Rückschlüsse für die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr gezogen. In kürzester Zeit habe er dann als Inspekteur des Heeres die richtigen Maßnahmen abgeleitet und umgesetzt. So lasse er nun das erste Drohnenregiment im Heer aufstellen.
Pistorius: Freuding hoch anerkannt und international vernetzt
„Er hat eindrucksvoll bewiesen, dass er auch in Zeiten großer Veränderungen und Herausforderungen einen kühlen Kopf bewahrt, schnell richtige Entscheidungen trifft und umsetzt“, so Pistorius.
Außerdem stehe Freuding für Kameradschaft und die Werte der Bundeswehr. „Ihn leitet ein klarer Kompass“, so der Minister. „Generalleutnant Freuding ist international hoch anerkannt, bestens vernetzt und hat zudem eine gewinnende Persönlichkeit.“
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp (CDU), bezeichnete Freuding als ausgezeichneten Offizier mit tiefem Verständnis für die sicherheitspolitischen Herausforderungen dieser Zeit. Er sagte der „Rheinischen Post“: „Als künftiger Generalinspekteur steht er vor einer gewaltigen Aufgabe: Er muss die Zeitenwende konsequent in die Truppe tragen und dafür sorgen, dass aus politischen Entscheidungen konkrete militärische Fähigkeiten werden.“
Freuding erreicht die Nachricht in Koblenz
Den Generalleutnant selbst und die Führung des Heeres erreichte die Nachricht in Koblenz, wo vor dem Ehrenmal des Deutschen Heeres auf der Festung Ehrenbreitstein einmal im Jahr der Toten gedacht wird. Erste Gratulanten traten an Freuding heran.
Freuding - einst Jahrgangsbester seines Generalstabslehrgangs in Hamburg - hat in weniger als zehn Jahren eine militärische Blitzkarriere hingelegt. Von 2017 bis 2019 war er Adjutant der Bundesministerin der Verteidigung, dann nach einer Station als Kommandeur der Panzerlehrbrigade in Munster Ukraine-Koordinator und Leiter des von Pistorius neu geschaffenen Planungs- und Führungsstabes im Verteidigungsministerium. Im vergangenen Jahr übernahm er die Führung des Heeres.
Freuding an der Nato-Ostflanke: Die Lage ist angespannt
In der vergangenen Woche bereiste er die Nato-Ostflanke im Baltikum. Mehr als 70 Generale aus Deutschland und den Niederlanden - praktisch die gesamte Militärführung der Landstreitkräfte der beiden Partnerstaaten - erkundeten mögliche Brennpunkte in einem bewaffneten Konflikt mit Russland. Sie ließen sich von den baltischen Verbündeten Estland, Lettland und Litauen die Details ihrer Verteidigungsplanungen erklären, um eigene Vorbereitungen darauf abstimmen zu können.
Auch neue Waffensysteme wurden den Militärführern vorgestellt und wie sie künftig in die Truppe integriert werden sollen. Darunter waren Kamikazedrohnen und Abfangsysteme gegen feindliche Luftangriffe, ferngesteuerte Kettenfahrzeuge, die Munition und Verwundete transportieren können und auch moderne Führungssysteme, die Ziele mit Hilfe von KI ausfindig und bekämpfbar machen.
Sind „uns unserer Defizite bewusst“
Freuding bringt auch seine Erfahrungen aus der Ukraine-Hilfe ein. „Natürlich sind wir uns unserer Defizite bewusst, unser Ziel ist es, diese zu beheben. Für die Bundeswehr, für das Heer, habe ich hier fünf Handlungsfelder definiert, die wir mit Nachdruck vorantreiben müssen“, sagt Freuding dazu der Deutschen Presse-Agentur.
Er nennt den elektromagnetische Kampf und unbemannte Systeme, die in die Landkriegsführung integriert werden müssen. „Darüber hinaus der Schutz gegen Bedrohung aus der Luft, insbesondere aus dem bodennahen Luftraum“, sagt er. Und er nennt das „indirekte Wirken“, auch mit der Fähigkeit zum Kampf in der Tiefe des gegnerischen Raumes. Dafür werden neue, weitreichende Waffensysteme entwickelt.
„Der Ausbau all dieser genannten Fähigkeiten gewinnt zusätzlichen Wert, wenn wir sie über ein digitalisiertes, KI-unterstütztes Führungssystems miteinander verbinden. Daher überprüfen wir aktuell all unsere Beschaffungsprozesse und versuchen, diese Fähigkeitslücken so schnell wie möglich zu schließen“, sagt Freuding.
Das milliardenschwere Programm für die Digitalisierung der Streitkräfte ist allerdings ins Stocken geraten und macht technisch erhebliche Probleme. Dafür liegt der sogenannte Aufwuchs der Bundeswehr - also mehr Soldaten in der Truppe - zunächst im Zielkorridor.
Derzeit sind es etwa 186.000 Männer und Frauen und es sollen deutlich mehr werden. Geplant sind 260.000 Soldaten in der aktiven Truppe, denen 200.000 Reservisten an die Seite gestellt werden sollen. Deutschland leistet damit seinen Beitrag zur Erfüllung der Nato-Ziele und stellt die Landes- und Bündnisverteidigung wieder ganz in den Mittelpunkt des Militärs.
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