11.04.2019 - 16:23 Uhr
Hof an der SaaleDeutschland & Welt

Herz für Tagträumer und Verlierer

Der Kunstverein Hof zeigt in seiner Galerie im Theresienstein Werke des Rockmusikers Kevin Coyne. Seine Bilder zeigen die Dinge so, wie er sie sah - charmant und witzig, aber auch dunkel und skurril.

Zur Ausstellungseröffnung in Hof begrüßen Kunstvereins-Vorsitzende Annie Sziegoleit und Kurator Stefan Voit mit als Ehrengast Kevin Coynes Witwe Helmi (links).

Nach Hof kam Kevin Coyne Ende des vergangenen Jahrhunderts zweimal - als Rockmusiker. Im März und im November 1981 gab er in der Musikkneipe "Alter Bahnhof" unvergessene Konzerte. Jetzt, 15 Jahre nach seinem Tod, ist Coyne zum ersten Mal als Maler zu Gast in Hof. Der Kunstverein zeigt unter dem Titel "Crazy on the Road" eine Auswahl seiner Arbeiten - Acrylbilder und Zeichnungen - in der Galerie am Theresienstein.

Kunstvereins-Vorsitzende Annie Sziegoleit stellte Kevin Coyne den Besuchern der Vernissage am Mittwochabend als "Englishman in Nuremberg" vor, denn in Nürnberg hatte der Brite aus Derby von 1984 an gelebt und gearbeitet. Hier lernte er seine zweite Frau kennen. Jene Helmi Coyne war als Ehrengast zur Ausstellungseröffnung nach Hof gekommen.

Humor und Melancholie

Sziegoleit zitiert aus dem liebevoll gestalteten Katalog zur Ausstellung den Nürnberger Journalisten Steffen Radlmaier, der Coyne persönlich kannte. Radlmaier bescheinigt ihm "ein großes Herz. Erstens: für Kinder. Zweitens: für schräge Gestalten und Außenseiter der Gesellschaft." Narren, Verrückte, Liebeskranke, Sonderlinge, Tagträumer und Verlierer tauchen demnach nicht nur in seinen Liedern, sondern auch in seinen Bildern auf. Der Mundart-Dichter Fitzgerald Kusz weist im Katalog auf einen Humor in Coynes Bildern hin, "der aus der Melancholie gespeist wird". Den Kern von Coynes letztlich einfacher Botschaft hat Kusz in einem Songtitel erkannt: "The World is full of Fools".

Kevin Coyne selbst sagte einmal, er versuche in seinen Gemälden und Zeichnungen, das Alltagsleben widerzuspiegeln. Aber, sagt Annie Sziegoleit, "er zeigt die Dinge so, wie sie sich in seinem Kopf darstellen; nicht so, wie sie wirklich sind". Fasziniert habe den Universalkünstler, der sich selbst als Maler für talentierter hielt denn als Musiker, immer eher die dunklere Seite des Lebens. Maßgeblich geprägt worden sei er durch seine Jahre als Pfleger und Kunsttherapeut in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Strukturen im Zentrum

Die Vorsitzende des Kunstvereins wies auf die Nähe der Bilder zu Comics und Cartoons hin: "Sie haben Witz und Charme, sie sind skurril und fantasievoll." Immer aber berührten sie den Betrachter. Der Kurator der Ausstellung, der Weidener Kulturjournalist Stefan Voit, war ebenfalls zur Eröffnung gekommen. Er betreut den umfangreichen, in Nürnberg lagernden Nachlass Kevin Coynes. Für die Hofer Ausstellung hat er Arbeiten ausgesucht, die nie zuvor gezeigt wurden. Die Auswahl macht, wie Annie Sziegoleit betonte, auch auf eine bislang weitgehend übersehene Facette dieses künstlerischen Werks aufmerksam: Coynes Ausdruck im Ungegenständlichen, in Bildern, die Farben und Strukturen in den Mittelpunkt rücken.

Zweite Künstlerin der Doppelausstellung in der Galerie im Theresienstein ist die Berlinerin Beate Hoffmeister. In ihrer vierzig Arbeiten umfassenden Schau "Alles Papier" wird das Messer des Stapelschneiders gezielt eingesetzt, zum Zeichenstift und Pinsel. So verwandelt sie weggeworfenes Papier in Kunst. Die Doppelausstellung in der Galerie im Theresienstein in Hof ist bis Sonntag, 19. Mai jeweils freitags bis sonntags (15 bis 18 Uhr) zu sehen. Eintritt frei.

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