07.09.2018 - 17:28 Uhr
Deutschland & Welt

Hetzjagd-Debatte: Maaßen spielt Demokratiefeinden in die Karten

Selbst wenn das Video einer vermutlichen Hetzjagd in Chemnitz gefälscht ist, ändert das nichts an den Tatsachen. Wenn Maaßen allerdings mehr weiß, muss er Beweise liefern. Ein Kommentar von Julian Trager.

Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz.
von Julian Trager Kontakt Profil
Kommentar

Die Diskussion, ob es in Chemnitz eine Hetzjagd gegeben hat oder nicht, ist Wortklauberei. Daran ändert auch Hans-Georg Maaßen nichts. Der Chef des Verfassungsschutzes hat nun ebenfalls Zweifel geäußert, dass es bei Demonstrationen in Chemnitz nach der Tötung eines Deutschen durch einen Asylbewerber Hetzjagden auf Ausländer gegeben habe, ein Video von einer solchen könne zudem eine gezielte Fälschung aus der linksradikalen Ecke sein.

Ob man es jetzt so nennt oder nicht - nichts wird besser, wenn man sagt: Unter einer Hetzjagd stelle ich mir was anderes vor. Und ob das eine Video jetzt, möglich ist es ja, eine Fälschung ist oder nicht - auch das ändert nichts an den Tatsachen. Im Netz kursieren weitere solcher Videos. Zeugen und Journalisten beschrieben ähnliche Szenen. Menschen zeigten offen den "Hitlergruß", riefen "für jeden deutschen Toten ein toter Ausländer". Der regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie Sachsen wurden 30 Angriffe gemeldet, sechs davon aus rassistischen Gründen. Bei der Staatsanwaltschaft Dresden laufen 120 Ermittlungsverfahren.

Mit seinen vagen Einschätzungen relativiert Maaßen das, was offensichtlich geschehen ist: In Deutschland wurden Menschen gejagt - nur weil sie ausländisch aussehen. Und er stärkt die Menschen, die hinter allem eine Verschwörung glauben. Wenn Maaßen wirklich mehr weiß, muss er Beweise liefern. Solange das ausbleibt, spielt er nur jenen in die Karten, die sich Demokratie und freie Presse zum Teufel wünschen.

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