München
22.08.2021 - 12:28 Uhr

Holetschek: Zehnfach erhöhte Corona-Inzidenz bei Ungeimpften

Die Zahl der Infektionen in Bayern und Deutschland steigen weiter. Die Statistik zeigt, dass die Ansteckungsrate bei Ungeimpften wesentlich höher ist als bei Personen mit Impfschutz.

Klaus Holetschek (CSU), Staatsminister für Gesundheit. Bild: Peter Kneffel/dpa
Klaus Holetschek (CSU), Staatsminister für Gesundheit.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist bei Ungeimpften in Bayern zehnmal so hoch wie bei Geimpften. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner liege bei Ungeimpften derzeit bei 58 - bei Geimpften dagegen nur bei 5,75, teilte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Mittwoch in München mit. "Das zeigt, wie wichtig Impfungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie sind - auch für eine Rückkehr zu möglichst vielen Freiheiten und mehr Normalität", sagte der Minister.

Die Sieben-Tage-Inzidenz aller Einwohner habe sich binnen einer Woche von 16 auf 31 nahezu fast verdoppelt, betonte Holetschek. "Die beginnende vierte Welle zeichnet sich unverkennbar ab", sagte er. Klar sei, dass die Infektionszahlen steigen werden - auch aufgrund der besonders ansteckenden Delta-Variante und, insbesondere bei ungeimpften Menschen. "Zeitversetzt werden dann auch aus dieser Gruppe Menschen in die Krankenhäuser eingeliefert", sagte Holetschek.

Impfdurchbruch bei 0,03 Prozent

All dies zeige, dass Impfen die richtige Entscheidung sei. Nur bei 0,03 Prozent der Fälle sei es in Bayern zu einem Impfdurchbruch gekommen. Selbst dann sei aber der Krankheitsverlauf mild gewesen. Derzeit seien 56,5 Prozent der bayerischen Bevölkerung vollständig geimpft, das entspricht rund 7,4 Millionen Menschen.

Am Samstag lag auch erstmals seit drei Monaten die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen in Deutschland wieder über 50. Von Infektionen betroffen sind lauf dem Robert-Koch-Institut (RKI) vor allem jüngere Menschen. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach warnte vor massivem Schulausfall. Weil die Inzidenz bei den Ungeimpften schnell steige, sei in den Schulen das Schlimmste zu befürchten. "Impfaktionen auch in den Schulen wären sehr sinnvoll. Das würde geimpfte und ungeimpfte Kinder schützen", so Lauterbach.

"Erhebliche Belastung der Intensivstationen"

Ab 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche sei wieder "eine erhebliche Belastung der Intensivstationen" mit mehr als 3000 Intensiv-Patienten zeitgleich zu erwarten, sofern die Impfquote nicht deutlich gesteigert werde, heißt es einer vergangene Woche vorgestellten Analyse mehrerer deutscher Mediziner. 58,8 Prozent der Menschen in Deutschland haben vollen Impfschutz gegen Corona. 63,9 Prozent haben mindestens eine Impfdosis.

Laut RKI entfällt der bei weitem größte Teil der Infektionen seit Monaten auf nicht geimpfte Menschen. Nur ein geringer Anteil der hospitalisierten oder auf Intensivstation betreuten Covid-19-Fälle geht demnach auf Impfdurchbrüche zurück. Seit Anfang Februar starb in Deutschland demnach erst eine einzige voll immunisierte Person im Alter von unter 60 Jahren nach einem wahrscheinlichen Impfdurchbruch an den Folgen von Corona. Der "Spiegel" berichtete zuerst darüber.

Ärzte fordern Vorgaben für Auffrischimpfung

Die Kassenärzte forderten von der Bundesregierung genaue Vorgaben für die anstehenden Auffrischimpfungen gegen das Coronavirus. "Selbstverständlich können die Booster-Impfungen in den Praxen vorgenommen werden", sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der "Rheinischen Post" (Samstag). Doch die Praxen bräuchten Klarheit, wann und für wen Impfungen vorgenommen werden könnten. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich für eine breite Anwendung von Auffrischimpfungen ausgesprochen und dafür die Praxen ins Spiel gebracht.

Laut offiziellem Aufklärungsblatt für die Ärztinnen und Ärzte sollen Auffrischimpfungen mit den Präparaten von Biontech/Pfizer oder Moderna Menschen ab 80 Jahren angeboten werden, Pflegebedürftigen zuhause oder im Heim sowie Bewohnerinnen und Bewohnern weiterer Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen. Dazu kommen Personen mit einer Immunschwäche oder Immunsuppression (Unterdrückung des körpereigenen Abwehrsystems) und Personen, die eine vollständige Impfserie mit einem Vektor-Impfstoff erhalten haben, also von Astrazeneca oder Johnson&Johnson.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will regeln, dass sich Beschäftigte auch während der Arbeitszeit impfen lassen können. "Wir müssen weiter dafür sorgen, dass der Arbeitsplatz nicht zum Ansteckungsort wird. Deshalb passen wir die Corona-Arbeitsschutzverordnung an", sagte der SPD-Politiker der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag).

 
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