Das Haus der Geschichte in Bonn präsentiert im Bereich „Heute“ ein aktuelles neues Ausstellungsstück: einen sogenannten Hungerstein aus dem Rhein. Hungersteine kommen nur bei starkem Niedrigwasser an die Oberfläche und werden dann von Flussanwohnern mit Jahreszahlen versehen, ehe sie wieder überspült werden. Womöglich für Jahre oder Jahrzehnte sind sie dann nicht mehr zu sehen.
Der Name Hungerstein kommt vermutlich daher, dass Trockenperioden früher häufig mit Ernteausfällen und wirtschaftlicher Not einhergingen. Die Tradition soll bis ins Mittelalter zurückgehen.
Der jetzt präsentierte Stein ist einen halben Meter lang und mindestens 50 Kilogramm schwer. In ihn sind das Datum 3.8.1973 und die Jahreszahl 2026 sowie die Buchstaben E und H eingeritzt.
Museumsmitarbeiterin Lotta Westdorf hat den Stein vor wenigen Tagen zusammen mit einem Kollegen aus dem Flussbett des Rheins in Leverkusen in der Nähe der Wupper-Mündung geborgen. Es sei ein wenig knifflig gewesen, weil das Flussbett voller Steine gelegen habe und auch etwas glitschig gewesen sei, berichtete sie. An der Stelle hätten auch noch andere Hungersteine gelegen, unter anderem ein besonders großer mit der Jahreszahl 1959.
Pegelstände erreichten historische Tiefstände
Ob die Steine immer schon dort lagen oder bewusst abgelegt wurden, um die Tradition der Hungersteine lebendig zu halten, ist unklar. Der geborgene Stein scheint kein unbearbeiteter Naturstein zu sein, sondern wirkt wie ein Quader. Die Jahreszahl 2026 muss kürzlich angebracht worden sein. Die Pegelstände am Rhein hatten in diesem Monat historische Tiefststände erreicht.
Das Museum im früheren Bonner Regierungsviertel zeigt die deutsche Geschichte seit 1945. Im Bereich, der sich mit der Gegenwart beschäftigt, werden regelmäßig neue Exponate gezeigt, die auf jüngste Ereignisse Bezug nehmen.
© dpa-infocom, dpa:260825-930-579448/1














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