14.11.2019 - 18:17 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Ilse Aigner im "LandTalk": Wie komisch darf Politik sein?

Wo die Grenzen guten Humors sind, darüber diskutiert Ilse Aigner mit ihren Gästen aus Politik, Kabarett und Wissenschaft im "LandTalk". Einig sind sie sich zumindest über die Einordnung der "Heute-Show" und der Spaßpartei "Die Partei".

Martin Frank, Luise Kinseher, Ilse Aigner, Jürgen Kirner, Alexander Hold, Roland Hefter, Professor Andreas Dörner (von links) bekommen Geschenke von Ehrengast Bernhard Prinz (rechts), einem Münchener Karikaturisten: Er macht „Kabarett mit Stiften“, wie Aigner sagt.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Ilse Aigner (CSU) und ihr Landtag beweisen Humor - zumindest am Montagabend beim dritten "LandTalk", dem landtagseigenen Talk-Format im Maximilianeum. Mit dem Themenkomplex "Humor und Politik" scheint Landtagspräsidentin Aigner einen Nerv getroffen zu haben, denn die Zuschauer drängen sich nicht nur in den Senatssaal, sie verfolgen die Diskussion auch live auf Leinwand im Plenarsaal. "Ich lache gern über mich selbst und bin immer froh, wenn nicht alles bierernst genommen wird", sagt Aigner und erntet schon bald den ersten Lacher, als sie von "lichten Momenten" im Landtag spricht und schnell nachschiebt, dass das natürlich auf Komik bezogen sei. Ihr Co-Moderator und Vizepräsident, "Medienstar", wie Aigner ihn nennt, Alexander Hold (Freie Wähler) berichtet: Zweimal habe er, ehemaliger Richter, im Landtag "dem Angeklagten" das Wort geben wollen. Ob freiwillig oder unfreiwillig: Komik ist im Landtag kein Fremdwort. Aber der Spaß höre auf, wenn Politik diskreditiert werde, findet Aigner.

"Opfelsoft" und Bauchgefühl

Luise Kinseher, die einleitend als "Mamma Bavaria" über "Opfelsoft"-Aiwanger, einen Bäume-umarmenden-Söder und über die CSU als Männerwirtschaft witzelte, erklärt, dass sie die Grenzen dessen, was Humor darf, stets intuitiv auslotet. "Habe ich ein komisches Bauchgefühl, ist diese Grenze definitiv überschritten." Kinseher sagt, ihre Art Humor wollte nie spalten, sondern verbinden. Dieser, so Kinseher, "weiblichen Herangehensweise" setzt Andreas Dörner, Professor für Medienwissenschaft in Marburg, eine juristische gegenüber: Für ihn endet Satire, wo Strafrecht beginnt.

Größte Gefahr: Kein Talent

Alexander Hold verwickelt Dörner in ein Gespräch über die Chancen und Risiken, die ein Politiker im Umgang mit Humor hat - dem Kabarettisten Martin Frank ist das aber offensichtlich zu fad. Der 27-Jährige wippt lieber mit der Lehne seines Stuhls hin und her. Dabei beweist der Professor, der zu Politik und Komik forscht, Sinn für Humor. Zum Beispiel, wenn er staubtrocken die größte Gefahr für Politiker im Umgang mit Komik nennt: "Wenn man's nicht kann."

Dass Jürgen Kirner Komik kann, daran zweifelt niemand. Der Oberpfälzer Volkssänger beschreibt die Form Couplet als "Knetmasse". Sanfte Melodien, in denen bösartige Texte verpackt sind. "Das gesprochene Wort klingt härter als das gesungene." Mit dem Couplet AG-Klassiker "Duzi Duzi" bringt er der Bayern-SPD ein Ständchen.

Der Oberpfälzer Volkssänger Jürgen Kirner singt der Bayern-SPD ein "Duzi-Duzi".

Witze aus Klima-Hilflosigkeit

Uneinigkeit herrscht auf dem Podium, wenn es um Witze über Greta Thunberg geht. Den Gag an sich, den Dieter Nuhr über Greta gemacht hatte, habe er ja nicht einmal schlecht gefunden, sagt Roland Hefter. Professor Dörner hält den Shitstorm, den Nuhr durch diesen Witz ausgelöst hatte, für problematisch. Wieder Hefter: "Nur ist Greta ein junges Mädchen - da muss ich als Erwachsener keine Witze über sie reißen." Luise Kinseher schweigt so lange, bis Aigner sie darauf anspricht. Sie habe nachgedacht, sagt Kinseher. "Witze wie diese sagen doch vor allem, dass wir alle in der Sache vollkommen hilflos sind. Und die Welt geht auf Greta los, dabei kann sie am wenigsten dafür." Und, in Richtung Dieter Nuhr: "Wenn er eine Haltung zum Klimawandel hätte, könnte er andere Witze darüber reißen." An die Grenzen guten Humors stößt die Talk-Runde immer wieder, wenn es um die "Heute Show" geht. Da hebt Dörner zwar positiv heraus, dass sie mit politischen Themen ein junges Publikum anspricht; darüber hinaus ist man sich auf dem Podium einig, dass hier Politiker lediglich als Witzfiguren dargestellt würden. Dörner: "Die Forschung hat belegt, dass die Tonlage des Verlachens zu einer Politiker-Verdrossenheit führt." Populistisch müsse man die Sendung nennen, sagt Martin Frank ("Schleichfernsehen"): "Die Heute-Show will dem Zuschauer das Denken abnehmen - deswegen erreicht sie in diesem Stil die Massen."

Besonders Ilse Aigner ist es ein Anliegen, die Spaßpartei "Die Partei" zur Sprache zu bringen. Wo Kirner dies "merkwürdig" findet, Hefter "überhaupt nicht dafür" ist, dass eine solche Partei im Europaparlament vertreten ist, verlässt Aigner ihre Rolle als Moderatorin und wird konkret: "Das geht zu weit." Für sie sei das ein Missbrauch demokratischer Strukturen. Deutliche Worte.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.