Würzburg
03.04.2019 - 14:49 Uhr

Immer noch auf dem "Highway 61" unterwegs

Bob Dylan begeistert auf seiner "Never Ending Tour" in der ausverkauften Würzburger Arena

Sie ist unüberhörbar zurück: seine Mundharmonika. Lange Jahre hat er sie beiseite gelegt, in der aktuellen Sequenz von Bob Dylans "Never Ending Tour", die seit 1988 läuft, ist das Instrument wieder voll da. Zur Begeisterung des Publikums holt Dylan sie auch am Dienstagabend beim Auftritt in der ausverkauften S.Oliver-Arena Würzburg heraus, erstmals bei "Simple Twist Of Fate" und dann im Laufe des knapp zweistündigen Abends immer wieder und durchaus über weite Strecken.

"Things Have Changed" heißt es wieder einmal zum Auftakt des Abends, seit vielen Jahren so etwas wie die Eröffnungshymne von Dylan-Konzerten. Darin steckt aber auch eine gewisse Programmatik: Es gibt Künstler, die seit Jahrzehnten dieselbe - von den verschiedenen Tonträgern bekannte - Version ihrer Songs bei Konzerten zum Besten geben. Das ist natürlich legitim und das wollen sicherlich viele auch hören.

Immer neue Arrangements

Und dann gibt es Bob Dylan, der hier nicht stehen bleibt und weitergeht. Er arrangiert neu, verfremdet, verpackt Hits in ein komplett neues Gewand - mitbedingt natürlich durch seinen Verzicht, nach der Gitarre zu greifen. Rotzfrech kommt an diesem Abend das herrlich melodische "Like A Rolling Stone" her - und auch wenn der Song natürlich überhaupt nichts mit Mick Jagger und seinen Kumpeln zu tun hat: Klar denkt man daran, dass die Rolling Stones ihre Tour aus gesundheitlichen Gründen verschieben müssen, während dieser fast 78-jährige Robert Allen Zimmerman ziemlich quietschfidel auf der Bühne steht. Ein Dinosaurier, den nichts umhaut.

Eingerichtet hat er es sich hinter dem Klavier, mal sitzend, mal stehend, dann auch wieder leicht hüpfend, ja phasenweise sogar richtig "abrockend". Diesen angestammten Platz verlässt er nur selten. Der einzige Song, den Dylan im Stehen in der Bühnenmitte und den Mikroständer galant hin- und herschwingend intoniert, ist ein fast schon poetisch-lyrisch anmutendes "Scarlet Town" vom späten Meisterwerk "Tempest".

Kaum wiederzuerkennen ist der 60er-Klassiker "Don't Think Twice, It's Allright": Er kommt absolut entschleunigt daher, Dylan und das Piano stehen im Scheinwerfer-Spot, die vierköpfige Band ist kaum noch wahrzunehmen. Dann fängt er zum Singen an mit einer Wärme und einer Variabilität in der Stimme, die wohl jeden Dylan-Kenner überrascht und berührt hat: eine echter Gänsehautmoment.

Energiegeladene Seite

Dylan und seine Band lassen es aber auch gehörig krachen an diesem Abend: "Early Roman Kings", "Thunder On The Mountain" und besonders auch die Schlusszugabe "It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry" offenbaren die temperamentvolle und energiegeladene Seite von "Sir Bob". Überhaupt gelingt mit der Setlist, die aus 20 Songs besteht, die ganze Breite vom Schaffen Dylans abzudecken. Die ist zwar von den Titeln her in den vergangenen Jahren sehr ähnlich, aber "Highway 61 Revisted", "It Ain't Me, Babe" oder "Pay In Blood" klingen an diesem Abend schon wieder ganz anders als erst ein Jahr zuvor in der Nürnberger Frankenhalle.

Der "Marotte" der non-verbalen Kommunikation mit dem Publikum bleiben Dylan und seine Band auch in Würzburg treu. Das Plaudern überlassen sie anderen, zum Abschluss gibt es eine Verbeugung vor dem Publikum. Achja, über die stimmlichen Qualitäten Dylans ist noch nichts gesagt: Da gibt es genauso wenig auszusetzen wie an der Soundqualität in der Halle - das passt, das stimmt, das überzeugt. Lassen wir die "Never Ending Tour" ruhig noch einige Jahre weiterlaufen.

 
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