Getrieben von hohen Sprit- und Energiepreisen hat die Inflationsrate in Deutschland erstmals seit fast drei Jahren die Marke von drei Prozent überschritten. Waren und Dienstleistungen kosteten im September 3,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt errechnete und damit vorläufige Daten bestätigte. Das ist die höchste Inflationsrate seit Dezember 2023 mit damals 3,7 Prozent.
„Die Inflationsrate erreichte im September mit über drei Prozent einen neuen Jahreshöchststand“, sagte Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes. „Besonders zeigte sich die Teuerung bei Mineralölprodukten an den Tankstellen und beim Heizöl.“
Im September mussten Verbraucher in Deutschland für Kraftstoffe und Haushaltsenergie 14,9 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Damit verstärkte sich die Teuerung für Energie im September den dritten Monat in Folge und erreichte den höchsten Anstieg seit Februar 2023.
Sprit verteuerte sich im September um gut 37 Prozent binnen Jahresfrist und leichtes Heizöl um sogar fast 75 Prozent. Auch Brennholz, Holzpellets und andere feste Brennstoffe (plus 15,6 Prozent) wurden gemessen am Vorjahresmonat deutlich teurer. Dagegen verbilligten sich Strom (-5,5 Prozent), Erdgas ohne Betriebskosten (-2,8 Prozent) und Fernwärme (-1,0 Prozent).
Je höher die Inflation, umso geringer die Kaufkraft der Menschen. Schon im August war die Teuerung mit 2,9 Prozent erhöht. Von August auf September des laufenden Jahres stiegen die Verbraucherpreise um 0,6 Prozent.
Ölpreise stark gestiegen
Seit Ausbruch des Iran-Kriegs ist Energie Haupttreiber der Inflation, nicht nur in Deutschland. Weil Tankschiffe die für den Öl- und Gashandel wichtige Straße von Hormus nicht verlässlich passieren können, sind die Ölpreise stark gestiegen - zuletzt über die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter). Autofahrer bekamen das mit Rekord-Spritpreisen an den Tankstellen zu spüren.
Bei Nahrungsmitteln stiegen die Preise im September dagegen kaum um 0,4 Prozent. Deutlich teurer wurden Eier (plus 15,2 Prozent) und frisches Gemüse (plus 12 Prozent). Dagegen verbilligten sich Speisefette und Speiseöle (-15 Prozent), darunter Butter (-29,5 Prozent), und frisches Obst (-4,9 Prozent).
Dienstleistungen, darunter Pauschalreisen, Friseurbesuche und Autoreparaturen, verteuerten sich um 2,7 Prozent und damit unterdurchschnittlich. Die Nettokaltmieten legten im September relativ moderat um 1,9 Prozent zu.
„Der Anstieg der Inflation im September ist wie in allen Monaten seit Beginn des Iran-Kriegs fast ausschließlich auf die höheren Kraftstoff- und Heizölpreise zurückzuführen“, sagte Silke Tober, Inflationsexpertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Inflationsrate ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie sei wie im August bei 2,4 Prozent geblieben.
Greenpeace: Deutschland zu abhängig von Gas und Öl
Deutschland müsse die Abhängigkeit von fossilen Energien verringern, fordert Greenpeace. Wäre der Ölpreis seit Januar konstant geblieben, hätte die Inflation im August in Deutschland rechnerisch bei 1,9 statt 2,9 Prozent gelegen, zeigt eine Analyse der Umweltschutzorganisation. „Unsere Abhängigkeit von Öl und Gas macht Verbraucherinnen und Verbraucher anfällig für geopolitische Krisen samt der verbundenen Preissprünge“, sagt Mauricio Vargas, Finanzexperte bei Greenpeace Deutschland.
Haushalte, die auf erneuerbare Energie setzen, seien deutlich weniger von fossilen Preissprüngen betroffen. Ein elektrifizierter Modellhaushalt mit Wärmepumpe, Elektroauto und eigener Solaranlage samt Speicher hätte von Januar bis August einer Preissteigerung von 1,5 Prozent erlebt, so die Analyse. Für den amtlichen Warenkorb liege die Teuerung seit Jahresbeginn dagegen bei 2,5 Prozent. Auch die Politik könne die Menschen vor Preissteigerungen schützen, „indem sie Elektrifizierung fördert, statt kurzfristig fossile Kraftstoffe zu subventionieren“.
Was bringt der Tankrabatt?
Die Bundesregierung hat trotz Kritik vieler Experten erneut einen Tankrabatt auf den Weg gebracht, mit dem die Steuern auf Sprit von 1. Oktober bis Jahresende um rund 17 Cent je Liter sinken. Das könnte die Inflationsrate nach Schätzung von Volkswirten um etwa 0,2 Prozentpunkte dämpfen.
2026 dürfte Prognosen zufolge für Deutschland dennoch das sechste Jahr in Folge mit einer Inflationsrate über der Zwei-Prozent-Marke werden. Da auch in anderen großen Euro-Ländern wie Frankreich und Spanien die Preise anziehen, erwarten Ökonomen, dass die EZB im laufenden Jahr die Leitzinsen ein drittes Mal anhebt. Im September stieg die Inflation in der Eurozone auf 3,8 Prozent - das ist der höchste Stand seit drei Jahren und weit über dem mittelfristigen EZB-Ziel von 2,0 Prozent.
© dpa-infocom, dpa:261013-930-831061/3















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