München
15.02.2019 - 13:13 Uhr

Jacke, Hut und Handschuh

Vor zehn Jahren ist Michael Jackson überraschend gestorben: Seine Musik lebt auf der Bühne aber weiter in Formaten, die zwar sehr unterschiedlich sind, aber doch gleichermaßen begeistern.

Diese berühmte Sequenz aus „Smooth Criminal“ darf natürlich auch bei der Show „Thriller“ nicht fehlen. Bild: Hugo Glendinning/exb
Diese berühmte Sequenz aus „Smooth Criminal“ darf natürlich auch bei der Show „Thriller“ nicht fehlen.

Es war der 25. Juni 2009, als dieMusikwelt in eine Schockstarre verfiel: Michael Jackson ist gestorben. Im Alter von gerade einmal 50 Jahren ist der "King of Pop" einer akuten Vergiftung durch Narkose- und Schlafmittel in Los Angeles erlegen. Nur eine Monate zuvor hatte Jackson eine Konzertreihe in London mit dem Titel "This is it" angekündigt, die Comeback und Abschied zugleich sein sollte. Dazu ist es dann bekanntlich nicht mehr gekommen.

Wer sich heute auf den Musik-Bühnen umschaut, gewinnt den Eindruck, dass Michael Jackson noch lange nicht der Vergangenheit angehört. Verschiedene Shows vermitteln das Bild eines quicklebendigen Musikers, der noch immer die Massen in seinen Bann zieht. Aktuell sind es vor allem zwei Produktionen, die auf Bühnen in Deutschland unterwegs sind: "Beat It! - Das Musical über den King of Pop" sowie "Thriller - Die Show über den King of Pop". Unser Autor Holger Stiegler hat Vorstellungen beider Produktionen in Hof und Nürnberg besucht und versucht einen Vergleich.

Hintergrund:

Produzent von "Beat It!" ist Oliver Forster, Chef von "Cofo Entertainment" mit Sitz in Passau. Zum Portfolio des Veranstalters gehören unter anderem "Elvis - Das Musical" und "Falco - Das Musical" - die Spezialisierung auf sogenannte Musical-Biographien ist unverkennbar. Premiere feierte die Produktion am 29. August 2018 - also Jacksons 60. Geburtstag - in Berlin in Anwesenheit von Jermaine Jackson. Kopf hinter der Show "Thriller" ist Adrian Grant, der ein langjähriger Freund Michael Jacksons war. Deutschlandpremiere war bereits vor zehn Jahren im Juli 2009, seitdem war die Show, die auch am Londoner West End läuft, in über 30 Ländern der Welt unterwegs. Von der Show überzeugt haben sich die "Jackson 5"-Mitglieder Marlon, Jackie, Jermaine und Tito.

Story:

Die Geschichte bei "Beat It!" ist kompakt gehalten: Zwischen den einzelnen Songs gibt es vereinzelt Spielszenen, in denen von den Anfängen der "Jackson 5" berichtet wird, in denen die Zuschauer etwas über den Tanzstil Jacksons und seine enge Verbindung zu Diana Ross erfahren, in der die "Jagd" der Medien nach "Michael-Jackson-Schlagzeilen" thematisiert wird. Komplett ausgeblendet werden die Missbrauchsvorwürfe, die Medikamentenabhängigkeit und auch der Tod des Musikers. Eine eigentliche Geschichte gibt es bei "Thriller" nicht - es geht praktisch ausschließlich um die Musik. In einer Mini-Episode "streiten" sich zwei Darsteller auf der Bühne, ob denn nun "Bad" oder "Thriller" das beste Album Jackos war.

Songs:

Auf gut 25 Songs dürfen sich die Besucher bei "Beat it!" freuen - das reicht von "ABC" der Jackson 5 über "Billie Jean", "Smooth Criminal" und "Thriller" bis hin zum "Earth Song", "Remember the time" und natürlich "Beat it". Auf eine Chronologie der Songs nach ihrem Erscheinen wird verzichtet. Das ist bei "Thriller" nichts anders, hier werden allerdings 32 Songs serviert.

Darsteller:

Zwei Akteure schlüpfen bei "Beat It!" in die Rolle Michael Jacksons: Der junge Michael in der "Jackson 5"-Phase wird von Koffi Missah dargestellt, den späteren Solokünstler stellt André Santisi dar. Beide verleihen ihrer Figur ein hohes Maß an Authentizität und überzeugen gesanglich wie tänzerisch mit ihrer jeweiligen Performance. Schon allein das Zuschauen beim Tanzen - und nicht nur beim Moonwalk - macht Spaß. Sie sind - sofern dies überhaupt möglich ist - ziemlich nah am Original. Das Outfit des "King of Pop" passt, alles ist dabei: die Militärjacke, der Fedora-Hut, der Handschuh, die rote Armbinde, die Paillettenjacke und vieles mehr. Auch das weitere Ensemble begeistert: Abwechslungsreiche Choreographien, verschiedene Kostüme und auch passender Chorgesang. "Thriller" schlägt einen anderen Weg ein: Insgesamt gibt es sogar sechs Hauptinterpreten - allerdings nur zwei "echte" Doubles: Eines für die "Jackson 5"-Phase und eines für den Solokünstler Michael Jackson. Letzterer Darsteller kommt vor allem bei Nummern wie "Smooth Criminal", "Billie Jean" und "Thriller" zum Einsatz, um die bekannten Moves und Tanzeinlagen zu performen.

Die anderen Hauptinterpreten - drei Männer und eine Frau - geben den Michael-Jackson-Songs ihre ganz persönliche Note und reißen das Publikum ebenfalls mit. Bei einigen Songs singen sogar alle Hauptdarsteller gemeinsam. Garniert wird dies alles mit gelungenen Tanz-Arrangements.

Band:

Die fünfköpfige Liveband steht bei "Beat it" etwas abseits mit auf der Bühne, besonders Gitarristin Anja Arnold darf sich immer wieder markant in Szene setzen und bildet mehrmals ein begeisterndes Duo mit Jackson-Darsteller André Santisi. Bei "Thriller" gibt es eine sechsköpfige Liveband, die allerdings meist im Verborgenen in einer Art "Garage" unterhalb der Traverse des Laufstegs spielt. An der Qualität gibt es nichts auszusetzen.

Fazit:

Beide Shows haben ihren Charme und überzeugen auch mit ihrem jeweiligen Konzept. Wer die Hits von Michael Jackson hören will, ist bei "Beat it" und "Thriller" an der richtigen Adresse. Freunde von sehr authentischen Michael-Jackson-Imitationen werden wohl bei "Beat it" eher auf ihre Kosten kommen, so lange ein überzeugendes "Double" des King of Pop gewährleistet ist. Beide Shows feiern mit Recht die Musik, die Person selbst mit seinen hellen und dunklen Lebensphasen wird mehr oder weniger ausgeblendet.

Das hierfür passende Format muss wohl erst noch erfunden werden. Interessant dürfte es ab Januar 2020 werden: Dann präsentiert nämlich La Toya Jackson in Deutschland ihr Show-Format "Forever - The best show about the King of Pop".

Info:

Service

„Thriller“ wird vom 2. bis 14. April im Deutschen Theater in München gezeigt (www.deutsches-theater.de). Die Vorstellungen von „Beat It!“ am 22. Februar in der Donau-Arena Regensburg sowie am 20. April in der Meistersingerhalle Nürnberg sind bereits ausverkauft. Tickets gibt es noch für den 26. und 27. April in München im Circus Krone. Zusatztermine sind der 21. Januar 2020 in Regensburg sowie der 8. April 2020 in Nürnberg.

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0

André Santisi glänzt in „Beat It“ als überzeugender Michael-Jackson-Darsteller. Bild: Holger Stiegler
André Santisi glänzt in „Beat It“ als überzeugender Michael-Jackson-Darsteller.
 
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