19.02.2020 - 17:29 Uhr
KallmünzDeutschland & Welt

Erkenntnisse eines Hochstaplers

Die Liebe zu den Kisten wurde Wigg Bäuml nicht in die Wiege gelegt. Aber die Beschäftigung damit hat ihn von Kindesbeinen an geprägt. Eine Ausstellung im "Kunstraum Wigg" präsentiert eine verschachtelte Beziehung.

Mit den (Obst)Kisten seiner Kindheit hat sich der Oberpfälzer Wigg Bäuml längst ausgesöhnt. Die Aufbewahrungskisten dafür sind für den Künstler eine Neuentdeckung.
von Susanne WolkeProfil

"Wohin mit den alten Kisten?" Um eine Lösung auf diese Frage war Wigg Bäuml nicht lange verlegen. In Kisten natürlich! Und zwar in neue. Indem der Künstler ausgediente Obstkisten zu Collagen verarbeitet hat und diese nun in eigens dafür hergestellten Buchenholzkisten verwahrt, schließt sich für Wigg Bäuml ein Kreis, der schon in Kindheitstagen begonnen hat.

Ludwig Bäuml und die Kisten: Eine Liebe auf den ersten Blick war es nicht. "Als Junge musste ich für meine Mutter immer wieder Obstkisten zusammenhacken", geht der Künstler auf die Anfänge dieser Beziehung zurück. Die Mutter hatte einen Obstladen, und der Sohnemann stellte sich dem Kampf mit den sperrigen Verpackungen nur ungern.

Dass Wigg Bäuml heute selbst Kisten in seinem Schaufenster gestapelt hat, heißt nicht unbedingt, dass er in die Fußstapfen seiner Eltern tritt - auch wenn sich die Beschäftigung mit seiner ländlichen Herkunft grundsätzlich durch die Arbeiten des Künstlers zieht. Die Obstkisten im "Kunstraum Atelier Wigg" sind eher Zeichen einer Aussöhnung, die ihrerseits bereits vor Jahren begonnen hat.

Eine Aussöhnung

"Kisten & Kisten" - wenn die Mutter in Waldthurn einst geahnt hätte, dass ihr Ludwig seine aktuelle Ausstellung im Februar 2020 unter diesen Titel stellen würde, dann hätte sie ihn die Objekte vielleicht nicht so achtlos zerstören lassen.

Andererseits hat Wigg Bäuml, heute Kallmünz lebender Künstler, ohnehin schon mehr als genug davon. Seine Aussöhnung mit den Obstkisten begann in den 1990-er Jahren und führte zu einer wahren Flut an Objekten, die ihr Schöpfer nun ihrerseits in - eigens zu diesem Zweck hergestellten - Kisten aufbewahren will.

Zunächst aber stellt er sie der Öffentlichkeit vor. "Kisten & Kisten", die aktuelle Schau im "Kunstraum Atelier Wigg" spannt den Bogen von alten zu neuen Kisten. Da sind die Collagen aus Obstkisten und anderen "ärmlichen Materialien", so Bäuml. Der Künstler hat die hölzernen Relikte erstmals vor mehr als 20 Jahren für eine Ausstellung in einer säkularisierten Kirche wiederentdeckt.

Samen, Wurzeln, Werkzeuge

Damals zweckentfremdete er die alten Obstkisten als Schreine in einem ehemaligen Altarraum und füllte sie mit Samen, Wurzeln, alten Werkzeugen und anderen Zeugnissen eines archaischen Lebens - die bäuerlich geprägte Kultur seine Herkunftsortes Waldthurn hat sich bei Wigg Bäuml noch früher niedergeschlagen als die Obstkisten des mütterlichen Ladens.

Aus den Schreinen wurden Collagen. Wigg Bäuml kombinierte die Kistenbretter mit Draht, Papier, Pflanzen und anderen für den Künstler so typischen Fundstücken. Diese Arbeiten werden nun bald selbst in Schreinen verwahrt: Einen ganzen Stapel nobler Buchenholzkisten hat Wigg Bäuml als Hülle für seine Erzeugnisse aus alten Obstkisten herstellen lassen.

Auch sie haben nun den Weg in die aktuelle Ausstellung gefunden. Locker gestapelt bilden die neuen Kisten einen Kontrast zu den mittlerweile nahezu sakralen Ursprungsobjekten. "Das ergibt ganz neue Eindrücke!" Bäuml steht neben dem fast deckenhohen Aufbau neuer Kisten und zeigt sich begeistert von dem ungewohnt "konstruktivistischen" Aspekt inmitten seines urigen Hauses. Und wohin dann mit den neuen Kisten? Dass sie den geplanten Weg auf den Dachboden finden, dürfte bei einem Künstler wie Wigg Bäuml noch nicht endgültig entschieden sein.

Info:

Service

Die Ausstellung „Kisten & Kisten“ mit Objekten Wigg Bäumls läuft bis zum 1. März im „Kunstraum Atelier Wigg“ im Bertholzhofener Schlösschen, Vilsgasse 24 in Kallmünz. Öffnungszeiten sind Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr oder nach Anmeldung. Infos unter Telefon 01702853115 oder unter www.kunstraum-atelier-wigg.de.

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