Offenbar hat die unlängst in seinen Räumen abgehaltene gleichnamige Ausstellung die Reiselust Wigg Bäumls weniger befriedigt als vielmehr geweckt. Mit der Ferne beschäftigt sich jedenfalls auch die neue Präsentation in seinem "Kunstraum Atelier" in Kallmünz.
"Reisebilder" lautet diesmal der Titel, nun liegt das Hauptaugenmerk auf Indien. Aber auch die Toskana, Mexiko und die Oberpfalz kommen in der Schau zum Zuge. Zu sehen sind ausschließlich eigene Bilder und Objekte Wigg Bäumls - sowohl neue Arbeiten, als auch ältere Werke, die bislang noch nie gezeigt wurden.
Explosion der Farben
Es sind die eigenen Reiseeindrücke des Künstlers, die hier zu sehen sind - abgesehen von einem Kunstwerk über Machu Picchu. Für dieses Bild, das sich mit dem Schicksal der Maya beschäftigt, hat sich Bäuml von einer Fernsehreportage inspirieren lassen.Ansonsten zeichnete er teils vor Ort, zum Beispiel brachte er skizzenhaft Impressionen der toskanischen Landschaft aufs Papier. Oder er griff mit Erinnerungen im Kopf zum Pinsel. Vor allem seine Indienreise hat den ansonsten so gerne mit erdigen Tönen arbeitende Künstler zu einer wahren Farbexplosion verführt.
Überraschende Frisch
Von einer "unendlichen Farbigkeit" spricht Bäuml, wenn er an das Land denkt, das er im vergangenen Jahr bereist hat. Auf seinen großformatigen Gemälden, die irgendwo zwischen Impressionismus und Expressionismus liegen - "Farblandschaften", nennt es der Künstler -, hat er diese Eindrücke festgehalten. Eigentlich sind es nur gelbe und grüne Farbflächen, die das für Bäuml typische Blau ergänzen. Den Besuchern des "Kunstraums Wigg" bescheren die Arbeiten gleich am Eingang eine überraschende Frische.
Ein Schädel aus Wachs
So sehr sich Wigg Bäuml für fremde Kulturen interessiert, so sehr ist er auch seiner Heimat verbunden. Anknüpfungspuntke zwischen diesen beiden Polen findet der Künstler schnell und oft. Und so hat der tiefe Eindruck, den eine indische Urnenwand voller alter Knochen auf Bäuml gemacht hat, einem treuen Begleiter des Künstlers zu neuen Ehren verholfen: Ein kleiner Erntewagen aus Holz wurde in Bronze gegossen. Darauf platzierte er einen Schädel aus Wachs - so steht er nun vor den Fotografien indischer Knochennischen und lässt Gedanken aufkommen an den "Schnitter Tod". Die Fotografien fügen sich gleichzeitig ein in eine weitere Werkgruppe der Ausstellung. Aufnahmen, die der Künstler in Indien gemacht hat, sind nun auf Glas gebannt und teils mit Silber hinterlegt. Die einfachen Motive - grob zusammengezimmerte Verkaufsbuden oder Plastikplanen zum Schutz gegen die Sonne - erhalten somit einen edlen Anstrich.
Reisen in ferne Länder, reisen in die Kindheit, die letzte Reise. Für Wigg Bäuml ist das Thema seiner aktuellen Ausstellung vielseitig auslegbar. Auch das bei ihm immer wiederkehrende Motiv "Boot, Arche, Fähre" fügt sich hier bestens ein. "Reisebilder" ist in diesem Jahr die dritte und letzte Ausstellung im "Kunstraum Wigg". Wohin es ihn im kommenden Jahr zieht, wird sich zeigen.
Die Ausstellung "Reisebilder" läuft bis zum 21. Oktober im "Kunstraum Atelier Wigg" in Kallmünz. Öffnungszeiten sind Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Weitere Infos gibt es unter Telefon 09473/1655 oder unter www.wiggb.de. Am Sonntag, 7. Oktober, ist die Ausstellung Teil der Veranstaltung "Wörtlichkeiten", bei der Kallmünzer Räume entdeckt werden können.













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