Update 07.07.2026 - 13:23 Uhr

So läuft der U-Boot-Deal mit Kanada

Bis zu zwölf U-Boote für Kanada, gebaut in Deutschland: Wie das Großprojekt abläuft und warum die Boote auch für die Arktis geeignet sind.

Für den Kieler Marineschiffbauer TKMS soll es der größte Auftrag der Unternehmensgeschichte werden, für die Nato-Staaten Deutschland, Kanada und Norwegen der Beginn einer auf Jahrzehnte angelegten Kooperation im Marinebereich. Die Kanadier wollen in ein laufendes Rüstungsprojekt der Europäer einsteigen. Das ist bislang über den Deal bekannt:

Ist die Tinte schon trocken?

Nein. Nach der Entscheidung für TKMS und gegen den südkoreanischen Schiffbauer Hanhwa Ocean erwartet Kanadas Premierminister Mark Carney nun 6 bis 18 Monate lange Verhandlungen mit den Kielern über den Vertrag. TKMS-Chef Oliver Burkhard hofft auf einen Abschluss des Kaufvertrags bis Ende des Jahres. 

Wo werden die U-Boote gebaut?

TKMS will die insgesamt 24 U-Boote der Klasse 212CD - zwölf für Deutschland und Norwegen sowie bis zu zwölf für Kanada - in seinem Stammsitz Kiel und später auch in Wismar bauen. „Die Produktion erfolgt vollumfänglich in Deutschland“, sagt Burkhard. „Wir werden mit der Arbeit unverzüglich beginnen.“ Der Zusammenbau der einzelnen Sektionen, das Testen der Boote und deren Auslieferung erfolgen in Deutschland. Allerdings lässt TKMS amagnetischen (nicht magnetischen) Stahl für den Bau in Kanada produzieren. 

Startet das Projekt bei null?

Vor Kanada haben sich bereits Deutschland und Norwegen zum Kauf von je sechs U-Booten des neuen Typs entschieden. In Kiel läuft deshalb bereits seit längerem der Bau von drei U-Booten. Mit Nummer vier will TKMS noch in diesem Jahr starten, möglicherweise bereits in Wismar. Das erste Boot will die Werft 2033 ausliefern. 

Am größten Werftstandort Kiel hat das Unternehmen vor wenigen Jahren für fast 200 Millionen Euro eine hochmoderne U-Boot-Halle errichtet. Auf der Tochterwerft Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) ist eine sogenannte Druckkörpertaktstraße, ein Flaschenhals im U-Boot-Bau, mittlerweile aufgebaut. Im September könnte die Nutzung beginnen.

Wer bekommt das erste U-Boot?

Das ist die spannende Frage. Ursprünglich sollten die Norweger das erste Boot erhalten. Die Skandinavier und auch Deutschland haben sich bereit erklärt, dass die Kanadier bereits bei ihrem Los zum Zug kommen können. Für TKMS steht fest: Die Länder müssten sich verständigen. Kanada kaufe von der Stange, allzu viele Sonderwünsche erwartet Burkhard nicht. Premierminister Carney sagte, TKMS habe angeboten, U-Boote aus den deutschen und norwegischen Aufträgen umzuwidmen, so dass die ersten vier U-Boote bereits bis 2034 geliefert werden könnten.

Wie lange dauert das Projekt?

Die Partnerschaft soll auf Jahrzehnte ausgelegt sein. Durch den Zukauf der Werft in Wismar, wo perspektivisch 1.500 Jobs entstehen sollen, verdoppelt TKMS seine Kapazitäten. Die Werft geht davon aus, nach Abschluss des Ausbaus in Wismar pro Werft und Jahr etwa 1,5 Boote bauen zu können. Im Orderbuch der Werft standen schon vor der Entscheidung aus Kanada Aufträge im Wert von gut 20 Milliarden Euro. 

Was zeichnet die Boote aus Kiel aus?

Deutschland nutzt aktuell sechs, 56 Meter lange Boote der Vorgängerklasse 212A. Beide Klassen verfügen über einen Brennstoffzellen-Antrieb. Die neuen sind mit etwa 72 Metern aber deutlich größer. Sie verfügen über eine verbesserte Sensorik für die Erkennung möglicher Gegner unter und auf dem Wasser. Die Boote sollen mit jeweils 30 Besatzungsmitgliedern fahren. Sie sind laut TKMS speziell für den Einsatz in der Arktis und unter Eis ausgelegt. Die Buchstaben „CD“ stehen für gemeinsames Design („Common Design“). Diese Baugleichheit soll die Kosten verringern und eine einfache Zusammenarbeit ermöglichen.

Wie geht es danach weiter?

Noch ist unklar, bis wann TKMS alle U-Boote an Kanada ausliefern soll. Das wird Gegenstand der Verhandlungen sein. U-Boote sind jahrzehntelang im Einsatz. „Die Dinger halten schon biestig lange, 40 Jahre“, sagt Burkhard. Für seine Werft endet die Arbeit nicht mit der Ablieferung. Zum Paket gehört auch langer Service. Sowohl an Kanadas West- als auch der Ostküste sollen sogenannte Hubs entstehen, wo Experten die U-Boote in Zukunft warten sollen. 

Geht es nur um U-Boote?

Nein, es geht auch um ein ganzes Bündel an Nebengeschäften. TKMS hatte zuletzt diverse Kooperationen mit kanadischen Unternehmen verkündet, um die eigenen Chancen zu erhöhen. Die Rede ist von etwa 40 Absichtserklärungen. Laut Unternehmen soll während der Projektlaufzeit in ganz Kanada eine wirtschaftliche Gesamtaktivität in Höhe von 167 Milliarden kanadischen Dollar (entspricht mehr als 100 Milliarden Euro) generiert werden.

Was kosten die U-Boote?

Zum genauen Auftragsvolumen machen weder Kanada noch TKMS Angaben. Es dürfte sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aber allein für die U-Boote inklusive Service auf rund 20 Milliarden Euro belaufen. Carney nannte es das „größte Beschaffungsvorhaben in der kanadischen Geschichte“.

Gibt es Folgen?

Der Verband für Schiffbau und Meerestechnik erwartet nicht nur umfängliche ökonomische Impulse für die nordatlantische Partnerschaft. „Bei TKMS und den vielen am U-Boot Bau beteiligten Zuliefer- und Dienstleistungsunternehmen, können damit zukunftssicher Hightech-Arbeitsplätze für das kommende Jahrzehnt vorgehalten und weiter ausgebaut werden.“ Ähnlich optimistisch ist der Bezirksleiter der IG Metall, Daniel Friedrich. Es entstünden mehr zusätzliche Arbeitsplätze als jetzt schon erwartet. „Entscheidend ist nun, dass die Wertschöpfung möglichst umfassend an den norddeutschen Standorten erfolgt und die Beschäftigten unmittelbar von der positiven Entwicklung profitieren.“

© dpa-infocom, dpa:260706-930-343937/4

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