Das Bistum Eichstätt wartet immer noch auf einen neuen Bischof. Spannend ist die Personalie vor allem auch deshalb, weil es die erste Bischofsernennung durch Papst Leo XIV. in Bayern sein wird - und der Kandidat möglicherweise Aufschluss darüber gibt, welche kirchenpolitischen Weichen sich der Pontifex für die deutsche Kirche wünscht. Der langjährige Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke, der im Vorjahr um seinen Amtsverzicht gebeten hatte, galt gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Regensburg, Passau und Köln als Kritiker des Reformprozesses Synodaler Weg.
Es wird gerätselt und spekuliert
Im Juni 2025 akzeptierte der Papst Hankes Gesuch, sein Amt in Eichstätt abgeben zu dürfen. Seitdem wird munter gerätselt und spekuliert, wer die Diözese übernimmt. Eichstätt ist, gemessen an der Zahl der Katholikinnen und Katholiken, das kleinste bayerische Bistum mit 334.517 Mitgliedern (Stand: 2025). Die Diözese liegt zentral in Bayern und erstreckt sich vom Süden Nürnbergs bis nach Ingolstadt.
Kommt ein Weihbischof aus einer Nachbardiözese? Oder ein Generalvikar? Oder jemand, der bisher eher außerhalb diözesaner Hierarchien stand? Hanke selbst war Abt der Benediktinerabtei Plankstetten, bevor er 2006 zum Bischof ernannt wurde.
Ist es zeitgemäß, dass die Gläubigen nicht mitreden dürfen?
Auch den Vorsitzenden der Freisinger Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, traf kürzlich die Frage, ob es schon Neuigkeiten zu Eichstätt gebe. Marx schüttelte den Kopf - da müsse man den Nuntius fragen. Ein Nuntius ist der diplomatische Vertreter des Vatikans bei einer Staatsregierung und einer Ortskirche.
Die Praxis der Bischofsernennungen - die Entscheidungsmacht liegt beim Vatikan, es gibt je nach Staatskirchenvertrag manchmal immerhin Einflussmöglichkeiten des Domkapitels - ist Reformwilligen in der katholischen Kirche schon länger ein Dorn im Auge. Ist es noch zeitgemäß, dass die Gläubigen außen vor bleiben bei derlei Personalentscheidungen? Der Synodale Weg hat konkrete Änderungsvorschläge erarbeitet.
„Neuanfang und Neuaufbruch“
In Eichstätt wurde nach Hankes Amtsverzicht ein ehrenwerter Ansatz veröffentlicht: „Diözesanadministrator Alfred Rottler und sein Ständiger Vertreter Michael Alberter haben die kirchlichen Gremien des Bistums Eichstätt um aktive Beteiligung bei der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für das Amt des Bischofs gebeten“, hieß es in einer Mitteilung.
Und das Ergebnis? Im Vorjahr sagte Rottler dem Sender „Radio Horeb“, es sei ganz oft der Wunsch nach einer „synodalen Arbeitsweise“ geäußert worden. Zudem gebe es den Wunsch, „dass mit einem neuen Bischof ein Neuanfang und Neuaufbruch im Bistum geschieht“. Oft sei auch der Akzent einer missionarischen Pastoral geäußert worden, die sich dem Menschen von heute zuwende.
Für Eichstätt gilt das bayerische Konkordat, der Staatskirchenvertrag zwischen dem Freistaat und dem Vatikan. Demnach reicht das Domkapitel eine Liste geeigneter Kandidaten ein, Vorschlagslisten gibt es auch von den anderen bayerischen Bischöfen, auch der Nuntius kann Vorschläge machen. Die letzte Entscheidung liegt aber beim Papst selbst.
Kirchlicher Fachkräftemangel
Im Frühling, spätestens im Frühsommer könnte sich die Personalfrage in Eichstätt klären. Die Vakanz im Bistum Münster zum Beispiel endete erst kürzlich im März - etwa ein Jahr zuvor hatte der Papst das Rücktrittsgesuch des früheren Bischofs Felix Genn angenommen. Inzwischen ist klar, dass der Hildesheimer Bischof und neue DBK-Vorsitzende Heiner Wilmer ins mitgliederstärkste Bistum Deutschlands wechselt.
Doch möglicherweise tut sich bei der Suche nach einem Oberhirten für Eichstätt ein Problem auf, mit dem die katholische Kirche in Deutschland zunehmend konfrontiert ist: Fachkräftemangel. Die Zahl der Priester sinkt seit Jahren rapide. Und damit wird auch der Kandidatenpool kleiner, aus dem ein Bischof kommen könnte. Seit 2008 ist die Zahl der Priesterweihen in Deutschland nur noch zweistellig, wie aus der Statistik der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hervorgeht. 2025 wurden in den Bistümern nur noch 25 Männer zu Priestern geweiht - zehn Jahre zuvor waren es noch 58.
Die Lage der Kirche in Deutschland
Und freilich strebt nicht jeder Priester ein hohes Leitungsamt in der Kirche an. Zudem ist auch längst nicht jeder katholische Priester dazu geeignet, einmal Bischof zu werden. Schließlich erwartet das Kirchenrecht eine fundierte theologische Ausbildung, bestenfalls einen Doktortitel. Dazu natürlich: „festen Glauben, gute Sitten, Frömmigkeit, Lebensweisheit und Klugheit“.
Die katholische Kirche in Deutschland verliert Jahr für Jahr Mitglieder, weil viele Menschen austreten, aber auch mehr Kirchenangehörige sterben als neue durch Taufe dazukommen. Die sinkende Mitgliederzahl verengt auch den finanziellen Spielraum. Zudem haben in den vergangenen Jahren deutschlandweit immer wieder Missbrauchsskandale und Gutachten zu Missbrauchsfällen in vergangenen Jahrzehnten für Schlagzeilen gesorgt.
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