München
24.08.2021 - 14:59 Uhr

Kein Homeschooling und Chance für Lockerungen bei Diskotheken ab Oktober

Ab Herbst könnte es laut Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Lockerungen für Diskotheken geben. Zudem verspricht er ein Ende des ungeliebten Homeschoolings und äußert sich zur 3G-Regel für Schüler.

Ministerpräsident Markus Söder kann sich ab Oktober Lockerungen für Diskotheken in Bayern vorstellen. Außerdem möchte er weg vom Homeschooling. Bild: Matthias Balk/dpa
Ministerpräsident Markus Söder kann sich ab Oktober Lockerungen für Diskotheken in Bayern vorstellen. Außerdem möchte er weg vom Homeschooling.

Trotz der derzeit steigenden Corona-Fallzahlen hält Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ab Herbst Lockerungen bei Diskotheken für machbar. Man könne den jungen Leuten sagen, dass es ab Oktober eine Chance gebe, "dass sich was tut", sagte der CSU-Chef am Dienstag dem Fernsehsender münchen.tv. Derzeit zeige sich aber auch, dass überall dort, wo es Öffnungen bei Diskotheken gebe, die Infektionszahlen hochschnellten.

Daher wolle er zunächst die Rückreisewelle nach den Sommerferien im September abwarten, sagte Söder. Danach werde es dann aber „zeitnah“ ein Angebot geben, wobei noch nicht klar sei, unter welchen Auflagen Lockerungen möglich seien. Denkbar seien etwa strengere Testauflagen oder die Beschränkung auf Geimpfte und Genesene.

"Kein Homeschooling mehr"

Zudem will Söder Schulschließungen bei steigenden Corona-Inzidenzen in jedem Fall verhindern. "Wir haben gerade in der Schule das mit Abstand sicherste System", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Er zeigte sich zuversichtlich dass Bayern, "Schulunterricht gut gewährleisten" könne. Das erklärte Ziel sei: "Kein Homeschooling mehr, kein Distanzunterricht mehr." Dazu sollen die Schüler regelmäßig dreimal in der Woche getestet werden und "anfangs" auch weiter Masken tragen.

Außerdem soll auch in der Schule geimpft werden. "Ich hätte mir ehrlich gesagt schon gewünscht, dass wir das vor dem Sommer machen können", sagte Söder dem BR. Er kündigte auch "angepasste Quarantäne-Regeln" an und "dass nicht nur wegen einem Fall die ganze Klasse dann in Quarantäne muss". Drei Wochen vor Unterrichtsbeginn ist aber weiter nicht klar, wie genau die Schule laufen soll, wenn die Inzidenzen wie derzeit weiter steigen.

Klare Regeln nach den Ferien gefordert

Laut der seit diesem Montag geltenden Corona-Verordnung ist für die Schulen noch Wechselunterricht ab einer Inzidenz von 100 binnen sieben Tagen in einer Kommune vorgeschrieben. Eine Frage ist: Gilt dann die sogenannte 3G-Regel auch für Lehrer - müssen die also für den Unterricht vorlegen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind? Seit Montag gilt die Regel für Innenbereiche ab einer Inzidenz von 35. Ausgenommen sind Kinder bis zum sechsten Geburtstag und Schüler, weil die im Rahmen des Unterrichts getestet werden.

Nach den Sommerferien müssten klare Regeln für den Präsenzunterricht gelten, sagte Jürgen Böhm, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbands. "Das heißt, am Unterricht in der Schule darf nur teilnehmen, wer genesen, geimpft oder getestet ist. Wer diese Kriterien nicht erfüllt oder sich den Tests entzieht, kann nicht am

Präsenzunterricht teilnehmen und darf auch keine Sonderregelungen erfahren."

Keine Stellungnahme vom Gesundheitsministerium

Schüler werden für den Unterricht getestet. Söder verteidigte, dass die Schüler für den Rest der Sommerferien von der 3G-Regel ausgenommen sind. Für den Rest der Ferien würden Tests Kinder und Jugendliche "überfordern", sagte er angesichts von Verwunderung über diese Regel. Unklar war weiter, was für Kinder gilt, die sechs Jahre sind, aber noch nicht in der Schule sind und somit keine Tests machen. Das Gesundheitsministerium nahm dazu bisher "wegen einer Vielzahl an Medienanfragen" keine Stellung.

Für die Offenhaltung der Schulen im zweiten Pandemie-Herbst spielen Experten zufolge die Erwachsenen die entscheidende Rolle. Vereinzelte Infektionen an den Schulen sind nach Ansicht des Berliner Virologen Christian Drosten hinnehmbar, wenn möglichst alle Eltern und Lehrer geimpft sind. "Ein kontrolliert schwelendes Geschehen muss man akzeptieren, wenn der Schulbetrieb laufen soll. Man wird nicht jegliche Verbreitung an Schulen unterbinden können, aber möglichst eine unkontrollierte Ausbreitung."

Anders als Söder empfiehlt Drosten: "Besser ist Quarantäne für die ganze Klasse sofort beim ersten Fall, das aber kurz." Er sprach von fünf statt 14 Tagen. Das Robert Koch-Institut empfiehlt Quarantäne für die ganze Klasse etwa, wenn keine Masken getragen oder 1,5 Meter Abstand zwischen den Schülern nicht eingehalten werden.

3G-Regelung abhängig von Lage in Krankenhäusern

Eine Abkehr von der geltenden 3G-Regel bei Corona-Auflagen ist nach Ansicht von Ministerpräsident Markus

Söder abhängig von der Lage in den Krankenhäusern. "Erst dann wenn es sehr ernst wird, eine Überlastung des Gesundheitssystems droht, wäre ein Wechsel zu 2G verhältnismäßig", sagte der CSU-Chef am Dienstag dem Fernsehsender münchen.tv. Zunächst gehe es im Sinne der Impfstrategie darum, die Menschen zu motivieren, nicht darum, sie auszuschließen.

Seit dieser Woche gilt bundesweit die sogenannte 3G-Regelung, welche ab einer Inzidenz von mehr als 35 in bestimmten Bereichen nur noch Freiheiten für Geimpfte, Getestete und Genesene ermöglicht. Die 2G-Regel würde Getestete von diesen Freiheiten ausschließen.

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Kommentare

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Martin Pfeifer

Die Aussage, das es kein HomeSchooling und keinen Distanz-Unterricht geben soll, hatten wir letzten Herbst schon. Das Kultusministerium hat dies gebetsmühlenartig wiederholt, aber nichts getan, um es auch wirklich eintreten zu lassen. Auch in diesem Sommer halten die Verantwortlichen anscheinend nur die Gebetsmühlen am Laufen. Mir schwant böses. Die nächste Runde Distanz-Unterricht wird wohl kommen. Vorbereitet dafür ist wieder keiner!

24.08.2021
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