Keine Angst vor Intimität

Geht doch, Herr Wirtz! Akustische Musik mit tiefsinnigen Texten in üppiger Instrumentierung bei maximalem Intensitätsgrad aufzunehmen. Und damit gleich in der Woche nach Erscheinen von Platz 0 auf 3 in den Albumcharts einzusteigen.

Es ist wieder an der Zeit, große Momente im intimen Rahmen zu schaffen: Wirtz präsentieren mit "Unplugged II" den Nachfolger des überaus erfolgreichen Stromlosalbums von 2014.
von Autor MFGProfil

Daniel Wirtz ist unter seinem Nachnamen ein Begriff. Der 44-jährige Nordrhein-Westfale, aufgewachsen in der Nähe von Köln, hat in den vergangenen gut zwei Dekaden eine erstaunliche Karriere hingelegt. Durchgestartet ist er kurz vor dem Milleniums-Wechsel als Sänger der Alternative Rock-Formation Sub7even. Gleich die erste Single "Weathermen" schafft es in die Charts.

Es folgen acht erfolgreiche Jahre, ehe Wirtz 2007 aussteigt, um sich fortan nicht nur der Solokarriere, sondern auch deutschen Texten zu widmen. Auch hier mangelt es nicht an Erfolg, sämtliche Wirtz-Scheiben verkaufen prächtig. Ansonsten ist der Vater eines sechsjährigen Sohns, der mittlerweile in Frankfurt zu Hause ist, dauerpräsent in der Öffentlichkeit. Er wird richtig bekannt, als er 2015 an der zweiten Staffel von "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" teilnimmt. Wiederum zwei Jahre später bekommt er bei VOX gar eine eigene Show: "One Night Song - Blind Date im Wirtz-Haus".

Tour fast ausverkauft

Ab 20. März geht es auf Tournee, die weitgehend ausverkauft ist, Abend für Abend werden acht Menschen auf der Bühne stehen, die Gitarre wird möglichst außen vor bleiben. Obwohl der Hauptprotagonist leidenschaftlicher Anhänger der Sechssaitigen ist: "Doch bei den kommenden Auftritten werde ich mich auf den Gesang konzentrieren", sagt er, "mich nicht hinter der Klampfe verstecken. Eine echte Herausforderung."

Auf Musik in Eigenregie liegt durchgehend das Hauptaugenmerk von Wirtz. Vor allem auf handgemachter Musik: 2014 brachte Wirtz sein "Unplugged"-Werk heraus, viel beachtet. Auch die Konzertreise 2014 fand beinahe komplett in ausverkauften Sälen statt, auf der Bühne standen neben dem Maestro ein Pianist sowie Streicherensemble - was für herrliche Wehmut sorgte.

Schwerer Melancholiker

Exakt diesen musikalischen Faden hat Wirtz sechs Jahre später mit seiner aktuellen Produktion aufgegriffen, die sinniger Weise mit "Unplugged II" (Tonpool) betitelt ist. "Das Ganze hat beim ersten Mal super funktioniert", erklärt der vollbärtige Musiker, "darum hatte ich nie Zweifel daran, einen Nachschlag zu geben. Außerdem bin ich, wenngleich glücklicher Familienvater, tief im Inneren ein schwerer Melancholiker. Dadurch kommt mir diese Geschichte mit Streichern und Piano, weitgehend vom Rock-Kontext befreit, äußerst entgegen. Ich suhle mich liebend gerne in Sentimentalität."

Wirtz ist schon gespannt auf seine nächste Tournee. "Angst vor zu viel Intimität habe ich nicht", meint er, "obwohl es beinahe jeden Abend zu Gänsehaut-Momenten kommt. Tatsächlich ist es nicht nur einmal dazu gekommen, dass Zuhörern schwindlig wurde, sie sogar in Ohnmacht gefallen sind. Es scheint, dass ich dem Hauptanspruch an meinen Job, die Menschen so tief wie möglich zu berühren, ganz ordentlich nachkomme."

Dass sein "Unplugged"-Projekt, obwohl Wirtz eigentlich aus der Rock-Ecke kommt, dermaßen viele Anhänger gefunden hat, überrascht ihn bis heute. "Die Reaktionen speziell in den sozialen Netzwerken", schwärmt er, "waren überwältigend! Insofern war es nur folgerichtig, diesen sehr speziellen Kontext ein weiteres Mal anzugehen."

Inhaltlich geht es um "das große emotionale Ganze", lacht Wirtz, "darunter tue ich es nicht. Liebe in all seinen Facetten ist an Bord, pure Romantik, ohne dabei hoffentlich nicht auf dem Kitsch-Grat auszurutschen. Doch es gibt auch Philosophisches zu hören, ab und an werde ich gar politisch, wenn ich es für angebracht halte. Ich gehöre zwar keiner Glaubensgemeinschaft an, bin jedoch überzeugt davon, dass hinter dem Universum ein tieferer, spiritueller Sinn steckt. Am ehesten bin ich dem Buddhismus verbunden. Mich fasziniert der Karma-Gedanke."

Den gilt es nun für Wirtz, Abend für Abend rund zwei Stunden lang im Rahmen von Konzerten zu vermitteln. "Ich wünsche mir", sagt der Versonnene, "dass jeder Gast seinen Gig ganz individuell wahrnimmt. Dass er in sich hinein horcht, etwas Neues entdeckt. Wenn das der Fall ist, habe ich mein Klassenziel absolut erfüllt."

Cover des neuen Wirtz-Albums.
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