05.12.2019 - 00:01 Uhr
KemnathDeutschland & Welt

Kemnather erwecken Ritter zum Leben

Adventskalender-Türchen Nummer 5: Eigentlich wird heute keine Tür, sondern eine Zugbrücke am Adventskalender geöffnet. Denn der Ritterbund in Kemnath gewährt Einblick in seine "Burgh".

Werner von Podewils öffnet die Tür
von Wolfgang Würth Kontakt Profil
Die Ritter um Großmeister Werner von Podewils

Hinter dieser Tür ist alles anders. Zum Beispiel die Namen: Wenn Werner Ponnath den Bau an der Feyhöhe in Kemnath (Landkreis Tirschenreuth) betritt, ändert sich nicht nur sein Name, sondern auch die Farbe seines Blutes: Als Werner von Podewils ist er der Großmeister des Ritterbunds "Waldeckh zue Kemenatha".

Ganz nüchtern betrachtet ist dieser Bund mit seinen rund 30 Mitgliedern ein Geselligkeitsverein, der sich einmal im Monat abends im Vereinsheim trifft. Tatsächlich sind die Ritter doch etwas Besonderes: Jedes Mitglied wählt nach der Aufnahme ein Rittergeschlecht. Früher waren auch Fantasie-Namen möglich. "Heute sollte es ein historisch belegtes Adelsgeschlecht sein, das bereits ausgestorben ist", erklärt Ponnath alias von Podewils. In diese historische Rolle schlüpfen die Mitglieder, wenn sie ihre Burgh betreten. Auch die ist außergewöhnlich: Kurz nach der Gründung im Jahr 1920 hat der Ritterbund begonnen, eine "echte" kleine Ritterburg aus Natursteinen und mit Zinnen zu bauen. "Wir sind die Einzigen im Deutschen Ritterbund, die so etwas haben", erklärt Ponnath.

Denn einmalig sind Kemnather Ritter ansonsten nicht. Im süddeutschen Raum und in Österreich gebe es in verschiedenen Städten andere Bünde, die sich unter dem Dach des Deutschen Ritterbunds zusammengeschlossen haben und sich nach den gleichen Regeln treffen. Immer wieder besuche man sich auch gegenseitig. "Da sind schon einige Freundschaften entstanden", sagt Ponnath. Genannte Regeln schreiben den Ablauf der Treffen oder die Aufnahmezeremonie vor. Mitglieder steigen vom Pilgrim über die Stände Knappe und Junker zum Ritter auf. Das dauert einige Jahre. Etwas, das Ponnath besonders an der Gemeinschaft gefällt: "In der Burg legen wir alle Unterschiede, die es draußen gibt, ab." Der Arzt sei dann kein Arzt und der Rechtsanwalt kein Rechtsanwalt mehr. Alle Mitglieder begegnen sich auf Augenhöhe. Dazu kommen Rituale und Zeremonien. Was manchem lächerlich erscheine, gebe den Treffen eine besondere Atmosphäre. "Die Feier deines Ritterschlags vergisst du nicht mehr."

Werner von Podewils mit seiner Holden

Wobei es bei den Zeremonien nicht darum geht, dem historischen Original besonders nahe zu kommen: Bei den Rittergewändern sei schon eine Menge Fantasie eingeflossen. "Bei uns steht Geselligkeit und Spaß im Vordergrund." Das gilt auch für die Sprache, um die sich die Mitglieder bei allen Treffen bemühen: Das Telefon wird dann zum "Schwatzdraht", das Auto zum "Stinkross".

Geselligkeit war auch die Idee, als der erste Vorläufer im 18. Jahrhundert gegründet wurde - auch damals von "ritterbegeisterten" Nichtadeligen. Später traten sogar Adlige bei, um unter Gleichgesinnten schöne Stunden zu verleben. Der prominenteste dürfte Goethe gewesen sein. Ein Sattlermeister brachte die Ritter-Idee 1920 aus Regensburg mit nach Kemnath. Die Kemnather Ritter planen bereits für das kommende Jahr ein Fest zum 100. Jubiläum.

Bis zum Heiligen Abend erzählen wir jeden Tag eine neue von 24 "Adventstür-Geschichten".

MACHT HOCH DIE TÜR ...::

24 Tage, 24 Türchen: Vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend öffnen wir täglich nicht nur ein Türchen, sondern gleich eine komplette Tür. Menschen aus der Region gewähren dann Einblick in ein "Reich", das ansonsten verschlossen ist. Hinter den Türen verbergen sich Bilder und Geschichten aus der gesamte Oberpfalz.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.