Während die Sektkorken knallen, ereignen sich um den Jahreswechsel in Oslo mehrere brutale Morde. Eigentlich ist Harry Hole nicht zuständig, hat er die Polizeiarbeit doch längst an den Nagel gehängt. Doch in die Ermittlungen wird er - natürlich - trotzdem erneut hineingezogen. In „Kill Shot“ (Erscheinungsdatum 29. Oktober) führen alle Spuren zu einem Filmset, wo hinter der Fassade einer eingespielten Crew menschliche Abgründe lauern. Auch in seinem 14. Krimi mit Hole in der Hauptrolle schafft der norwegische Bestsellerautor Jo Nesbø es, auf 528 Seiten nicht nur meisterhaft Spannung aufrechtzuerhalten, sondern so viele falsche Fährten zu legen, dass selbst der geübte Krimileser dem wahren Täter erst spät auf die Schliche kommt.
„Kill Shot“: Kommt der Mörder vom Filmset?
Schon in früheren Bänden der Hole-Reihe ließ Nesbø sich bei der Inszenierung von Morden offensichtlich von ikonischen Szenen aus Psychothrillern inspirieren. In „Kill Shot“ rückt er dieses Motiv nun ins Zentrum: Denn der Mörder rekonstruiert verstörende Filmszenen aus Klassikern wie „Sieben“ (1995) und „Zodiac“ (2007) von David Fincher und veröffentlicht die Clips im Internet, um die Aufmerksamkeit vor allem eines Ermittlers auf sich zu ziehen: klar, Harry Hole, ausgesprochen übrigens nicht wie Loch auf Englisch, sondern wie man ihn schreibt: Ho-le.
Auf der Jagd nach dem oder der Schuldigen hilft Holes untrüglicher Instinkt dem Osloer Ermittlerteam, während ihn zugleich die Geister seiner Vergangenheit immer noch nicht loslassen: der Verlust seiner großen Liebe Rakel, sein Alkoholismus und mehr als ein Geheimnis, das er seit langem mit sich herumträgt. Mit der Polizeipsychologin Hilde Witt, die Hole bei der Aufklärung der Mordserie unterstützt, führt Nesbø in „Kill Shot“ eine neue, vielschichtige Figur ein, zu der Hole ein kompliziertes Verhältnis hat.
Filmreife Morde und viele falsche Fährten auf dem Weg zum Mörder
Die Erfolgszutaten früherer Storys um seinen Krimihelden Hole mischt Nesbø auch in seinem neuesten Werk gekonnt zusammen: eine düstere nordische Kulisse, ein innerlich zerrissener Ermittler, grausame Morde, tiefgründige Einblicke in die menschliche Psyche und vor allem viele Irrungen und Wendungen, bis sich das Rätsel um den Strippenzieher hinter der sich ausweitenden Mordserie ganz am Ende auflöst.
Und: Abgesehen von dem bizarren Mord an einer früheren Filmschauspielerin ist die Neuerscheinung sogar etwas für Krimi-Leser mit empfindlicheren Mägen. Denn im Vergleich zu manch anderem Harry-Hole-Band wie „Schneemann“ oder „Durst“ sind die Opfer weniger grausig zugerichtet. (Manche werden sogar ganz schnöde erschossen.)
Vom Bestseller zum Serien-Hit: Harry Hole eroberte auch Netflix
Während Harry Hole bei eingefleischte Krimi-Fans schon seit dem ersten Band („Der Fledermausmann“) 1997 ein Dauerbrenner im Bücherregal ist, dürfte die Reihe in diesem Jahr auch einige neue Anhänger dazu gewonnen haben: Die an die Krimis angelehnte norwegische Netflix-Serie „Jo Nesbøs Harry Hole“ lag im Frühjahr nach ihrem Erscheinen zwischenzeitlich auf Platz eins der Rangliste nicht-englischsprachiger Serien. Allein zwischen dem 30. März und dem 5. April verzeichnete sie auf der Streamingplattform laut der norwegischen Nachrichtenagentur NTB fast sieben Millionen Aufrufe.
An der Serie, die auf dem Harry-Hole-Band „Das fünfte Zeichen“ basiert, war Jo Nesbø inhaltlich selbst maßgeblich beteiligt. Womöglich hat ihn das Filmset auch beim Schreiben seines neuesten Romans inspiriert. Schon im Frühjahr verriet der Bestseller-Autor dem norwegischen Fernsehsender TV2: „Auch wenn mir das nicht bewusst ist, schreibe ich über Dinge, die sich in meinem eigenen Leben abspielen. Diesmal ist das, glaube ich, etwas offensichtlicher, weil eine Filmproduktion den Hintergrund für „Kill Shot“ bildet.“
© dpa-infocom, dpa:261028-930-909241/1













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