18.07.2018 - 13:52 Uhr

Klänge und Geschichten der Swing-Ära

Die 30er und 40er Jahre erwachen bei den Schlossfestspielen musikalisch zu neuem Leben. Zu verdanken ist dies Andrej Hermlin und dem "Swing Dance Orchestra" . Und dann gibt es da noch zwei Gesangssolisten mit Entertainer-Qualitäten.

Andrej Hermlin (links am Klavier), das „Swing Dance Orchestra“ sowie die beiden Gesangssolisten Ann Sophie und David Hermlin sorgen für einen gelungenen Abend bei den Schlossfestspielen. Holger Stiegler
Andrej Hermlin (links am Klavier), das „Swing Dance Orchestra“ sowie die beiden Gesangssolisten Ann Sophie und David Hermlin sorgen für einen gelungenen Abend bei den Schlossfestspielen.

Regensburg. Von Staub und Patina ist keine Spur zu entdecken - trotz des Alters der Klänge. Es ist authentisch und ehrlich, was die Instrumentalisten abliefern. Was sich auch in einer nur minimalistischen Verstärkung der Instrumente widerspiegelt. Nur bei manchen Soli benutzten die Musiker offensiv ein zusätzliches Mikrofon. Ein bisschen wirken die Akteure auf der Bühne schon so, als wären sie dem musikalischen Geschichtsbuch entsprungen - und das ist nicht negativ zu sehen. Natürlich schwelgt der Dienstagabend in Nostalgie, allerdings wird gleichzeitig deutlich, dass "alte" Musik zeitlos und modern sein kann, wenn sie im Heute gut gespielt wird.

Ganz besonderer Sound

Andrej Hermlin und das "Swing Dance Orchestra" beziehungsweise dessen Vorläufer haben sich seit annähernd drei Jahrzehnten dem Swing und dem Jazz verschrieben. Es ist also ein ganz besonderer Sound, den Hermlin und seine Musiker verehren. Und der ihnen bis in die Fingerspitzen geht. Insgesamt 16 Musiker lernen die Besucher an diesem Abend kennen - neben Bandleader und Pianist Andrej Hermlin sind dies Saxofonisten, Posaunisten, Trompeter, ein Drummer, ein Bassist, ein Gitarrist sowie die beiden Gesangssolisten Ann Sophie und David Hermlin.

So begeistern Songs wie "Too marvellous for words" von Richard Whiting/Johnny Mercer, der "King Porter Stomp" oder "Clap your hands on the afterbeat". Mitwippen, Mitschnippen und Mitsummen ist erlaubt, wird aber leider nur dezent vom Publikum wahrgenommen. Liegt es am altehrwürdigen Ambiente, dass sich der musikalische Funke oftmals nicht beim Publikum verfängt? Oder ist die Musik an manchen Stellen für das Areal doch etwas zu leise? Oder sind es trotzdem zu wenig "Swing-Erfahrene", die das bei weitem nicht ausverkaufte Konzert besuchen? Die für die Schlossfestspiele leider schon traditionelle "Verspätung" nicht weniger Konzertbesucher beim Platzeinnehmen lässt auch an diesem Abend erahnen, dass es ihnen weniger um den Kulturgenuss geht, sondern eher um das Herzeigen der festlichen Abendgarderobe.

Facettenreiches Spiel

Zurück zum Wichtigen: Das, was dort auf der Bühne passiert, wird zu keinem Zeitpunkt eintönig, im Gegenteil: Man kann gar nicht genug bekommen vom facettenreichen Spiel der Bläser. Über 20 Nummern stehen in dieser lauen Sommernacht auf dem Programm. Nach jedem Titel verlässt Hermlin sein Instrument, gibt den Moderator und erzählt kleine Anekdoten zu den Liedern, Komponisten und ihren Interpreten: Dass der Stil des Swings eher zufällig durch eine Radiowerbung für einen Cracker populär wurde, dass Ella Fitzgerald glücklicherweise aufs Tanzen verzichtete und sich lieber ans Mikro stellte oder dass die beiden Brüder Tommy und Jimmy Dorsey unterschiedliche künstlerische Ansichten auch gerne mal mit den Fäusten austrugen.

Immer wieder wechseln sich Ann Sophie und Hermlins Sohn David an den Mikrofonen ab, mehrere Mal stehen sie auch gemeinsam auf der Bühne kommen. Mit ihren stimmlichen und auch tänzerischen Darbietungen verleihen sie dem Ausflug in die Swing-Ära eine ganz besondere Note - beispielsweise mit einem grandiosen "Bei mir bist Du schoen" oder einem inbrünstigen "I come from a musical family". Ein Höhepunkt des Abends ist sicherlich, wenn sie in Fred Astaire/Ginger Rogers-Manier den Gershwin-Song "Let's call the whole thing off" zum Besten geben - lässig, elegant, überzeugend. Kräftiger Applaus für alle Musiker.

 
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