22.03.2019 - 13:30 Uhr
KohlbergDeutschland & Welt

Beer-Walbrunn: Der Professor aus Kohlberg

Anton Beer-Walbrunn (1864-1929) und Max Reger (1873-1916): Zwei Lehrerssöhne machten Karriere als Komponisten und Professoren. Die Redaktion machte sich auf die Suche nach Verbindendem und Trennendem zwischen den beiden.

Der Komponist Anton Beer-Walbrunn
von Peter K. DonhauserProfil

Auch wenn sich Anton Beer-Walbrunn (Kohlberg) und Max Reger (Weiden) kannten und befreundet waren: Beer-Waldbrunn stand immer etwas im Schatten des großen Regers. In den letzten Jahren hat sich jedoch bei der Erforschung des Beer-Walbrunn’schen Werkes einiges getan. Anlässlich des 90. Todestages am 22. März sprach die Kulturredaktion mit dem Kohlberger Pfarrer Martin Valeske. Er ist nicht nur Gründer, sondern auch Vorsitzender des „Anton Beer-Walbrunn Kunst- und Kulturvereins Kohlberg“.

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ONETZ: Talentschmiede Lehrerhaus: Beer-Walbrunn wie Reger stammen aus bürgerlich-konservativen Lehrer-Familien. In beiden Fällen haben sich die Talente der Söhne entwickelt und letztlich durchgesetzt, wenn auch nicht ohne Widerstände – wie sehen Sie das?

Martin Valeske: Beer-Walbrunns Vater entdeckte und förderte zwar schon bald das musikalische Talent seines Sohnes, widersetzte sich aber wiederholt mit schroffen Worten dessen Bitte, Musiker werden zu dürfen und bestand darauf, dass er den Beruf des Lehrers ergreife. Kurz bevor Anton eine Hilfslehrerstelle in Eichstätt erhielt, starb der Vater, so dass er sich „von einem harten Willen befreit“ fühlte. Auch Regers Eltern stimmten erst nach bestandener Aufnahmeprüfung in das Amberger Seminar – als Absicherung – einem Studium zu.

ONETZ: Reger und Beer-Walbrunn, laut gegen leise, extro- gegen introvertiert: Was wissen wir über die Persönlichkeit von Beer-Walbrunn?

Martin Valeske: Es gibt eine Reihe Zitate zur Persönlichkeit von Beer-Walbrunn: Wilhelm Zentner schreibt über ihn in der Zeitschrift für Musik im März 1941: „Anton Beer-Walbrunn zählte zu jenen Künstlermenschen, denen mehr an Reichtum des eigenen begnadeten Herzens genügte, als daß sie nach glanzvollem Äußeren verlangt hätten ... Es mangelte ihm fast völlig die Eigenschaft, etwas aus sich zu machen und auf dem Forum laut zu gelten.“ Musik hat Anton Beer-Walbrunn stets Ausdruck des Seelischen bedeutet.
Die Bayerischen Staatszeitung widmete ihm nach seinem Tod einen Nachruf: „Beer-Walbrunn war eine in sich abgeschlossene Individualität, eine kraftvolle Persönlichkeit … Beer-Walbrunn ist aber keiner von Leuten gewesen, die mit viel Lärm ihre künstlerischen Lebensäußerungen ausposaunen und die Mitwelt mit Plänen in Atem halten. Eine stille, in sich gekehrte humorvolle Natur – wie sie uns auch in seinen Schöpfungen entgegentritt.“

ONETZ: Die zwei Oberpfälzer kannten sich persönlich, sie unterrichteten 1904/05 sogar am gleichen Institut in München. Wie standen die beiden persönlich wie künstlerisch zueinander?

Martin Valeske: Beer-Walbrunn äußert sich da in seiner Biographie selbst: „Reger, mit dem ich mich, als er nach München gekommen war, rasch befreundet hatte, sagte meist zu mir: ‚Das ist gar kein Betrieb! Du mußt auch wieder Klavier spielen, konzertieren, reisen. Da wird man viel schneller berühmt.’ Er hatte gut reden - ich hatte infolge meines ausschließlichen Komponierens all die Jahre nicht mehr viel geübt. Und hätte ich mich auch auf meiner früheren Technik erhalten und Zeit und Kraft in Hülle und Fülle gehabt, so hätte ich es doch nicht zu dem schnellen Ruhme Regers gebracht, da ich alles andere war als ein guter Geschäftsmann. Ganz abgesehen von der Art meiner Musik, der rasche Erfolge nicht beschieden zu sein scheinen. So ist es eben mein Schicksal, daß meine Werke erst in kommenden Zeiten verstanden und gewürdigt werden.“

Die sehr saubere, bestens lesbare Notenschrift von Beer-Walbrunn

ONETZ: Es gibt Überdeckungen beim Schaffen von Anton und Max, aber auch solitäre Positionen von Beer-Walbrunn. Beide hatten eine blitzsauber zu lesende Handschrift, doch lief der Schaffensprozess unterschiedlich.

Martin Valeske: Beer-Walbrunn scheint kein Schnellschreiber wie Reger gewesen zu sein. So hat er zum Beispiel an seiner Oper op. 18 und an seinem Violinkonzert op. 52 jeweils mehrere Jahre gearbeitet. Wenn Beer-Walbrunn auch seinem Kompositionsstil „der von den Klassikern und Romantikern herkam“ (Zitat aus seiner Biografie) treu blieb, so verschloss er sich neuen Entwicklungen in der Musik keineswegs, betonte im Blick auf seine besten Werke vielmehr, „daß sie in harmonischer, deklamatorischer, instrumentaler und teilweise sogar in formaler Hinsicht nur unter dem Einfluss Wagners geschrieben werden konnten.“ Beer-Walbrunn hat sich von allen Seiten befruchten lassen. Anders als Reger schrieb er auch zwei Opern und Sinfonien.

ONETZ: Bei Regers Musik lagen Begeisterung und Ablehnung oft nahe beieinander, dazu kam ein Balanceakt zwischen Authentizität und Kommerz. Wie erging es Anton Beer-Walbrunn?

Martin Valeske: Auch Beer-Walbrunn hatte Anhänger und Gegner, das Publikum stand meist auf seiner Seite. Da wäre einmal zu nennen der kunstsinnige Graf Adolf Friedrich von Schack. In der Zeit als Beer-Walbrunn freischaffender Künstler war, nahm ihn Schack in sein Haus auf und ermöglichte ihm die Edition einiger seiner Werke.
Weiter Georg Fuchs, der Gründer und spätere Leiter des Münchener Künstlertheaters, der Beer-Walbrunn schon 1896 als einen bedeutenden Komponisten der gegen die Wagner-Epigonen gerichteten „musikalischen Secession“ bezeichnete und berichtete, dass er seine Musik „stürmisch umjubelt in Schwabinger Atelierkonzerten zu Gehör brachte.“ Weitere Befürworter waren der Musikkritiker Paul Moos und der amerikanische Bibliothekar und Musikwissenschaftler Oscar George Sonneck: „His music is modern in spirit and quite as progressive as some of his better known contemporaries“.

ONETZ: Welche Gegner hatte Beer-Walbrunn?

Martin Valeske: Schwer gemacht wurde Beer-Walbrunn das Leben vor allem vom Musikkritiker der Münchner Neuesten Nachrichten, Rudolf Louis. Beer-Walbrunn bezeichnete Louis als Sprachrohr des Wagner-nahen „Schillings-Thuille-Kreises“. Anton wurde als altmodisch, als Vertreter der „Großvätermusik“ angesehen, der sich angeblich nicht die geringste Mühe gebe, von ihr wegzukommen. Während Beer-Walbrunn solch unsachlicher Kritik gegenüber ziemlich hilflos gegenüberstand, wehrte sich Reger handfest. So hat er sich zum Beispiel in seiner Violinsonate op. 72 mit den Tonfolgen „Affe“ und „Schafe“ über seine Kritiker lustig gemacht.
So zu komponieren, wie es ihm eingegeben war, war für Beer-Walbrunn eine innere Notwendigkeit, und er hätte sich um äußeren Erfolges willen niemals verbiegen lassen, sondern hat immer an seinem Kompositionsstil, der von einer unverkennbaren Individualität geprägt ist, festgehalten.

 

 

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