24.03.2020 - 13:34 Uhr
KohlbergDeutschland & Welt

Neue CD mit Werken von Beer-Walbrunn erschienen

Eine weitere CD mit Werken des Professors aus Kohlberg, Anton Beer-Walbrunn (1864-1929), ist eingelangt: Cellowerke und Lieder, darunter auch einige seines Schülers Furtwängler.

Vorderseite des Booklet zur CD
von Peter K. DonhauserProfil

Wie schon ihre vier CD-Vorfahren (Orgel, Klavier, Lieder) können die 19 vorliegenden Welt-Ersteinspielungen das Verdienst beanspruchen, den Nebel über dem Schaffen des Oberpfälzer Meisters weiter zu verscheuchen. Legen wir zuerst die acht Lieder von Furtwängler (1886-1954) auf: Seinen legendären Ruf erreichte Wilhelm nicht durch schreiben, sondern dirigieren von Noten. Wir hören Musik eines Früh- und Hochbegabten: Das jüngste („Du sendest, Freund, mir Lieder“ nach Uhland) schrieb er mit neun, das letzte („Herbstgefühl“ nach Goethe) mit blutjungen 16 Jahren.

Es ist beeindruckend, wie gut der junge Bursch das Tonsetzer- Handwerk schon beherrscht. Seit 1897 lernte er komponieren, und nicht nur das: „Beim Herrn Beer habe ich jetzt Verschiedentliches über Orchester, Orchesterinstrumente, Notation und Instrumentation. Die Musikstunden sind überhaupt immer sehr interessant“ (8. Mai 1899). Ab 1912 dominierte dann aber doch Furtwänglers herausragendes Talent als Dirigent. Angelika Huber (Sopran) und Tung-Hsing Tsai (Klavier) nehmen sich der Lieder mit sorgfältiger Finesse an.

Die ersten drei der sieben Lieder des „Herrn Beer“ stammen aus den Jahren 1893 (op. 13a), und aus der Zeit nach 1900 (opp. 24/2, 27/4-5, 63/6). Ans Klavier tritt nun Lauriane Follonier, sie bildet mit Angelika Huber ein erfahrenes Beer-Walbrunn-Team, sie haben ein sehr gutes Gespür für die subtile Atmosphäre der Lieder entwickelt. Der Komponist arbeitet nicht mit vordergründigen Effekten oder platter Tonmalerei, mit feinem Pinselstrich und raffinierten harmonischen Farben gestaltete Stimmungsbilder sind seine Stärke. Voll hellen Lichts das „Traumland“ op. 13a/2, voll freudiger Energie das „Triumphlied“ op. 13a/3 mit dem Text (Gutmann) „Wir haben ja noch das heilige Vorrecht der Jugend“. Einen herben Kontrast bilden „Die heiligen drei Könige“ op. 63/6, (Reicke) da geht es nicht um Weihrauch, Gold und Myrrhe sondern mit gesellschaftskritischem Ton um Winter, Not und soziale Konflikte.

Nun aber flugs zu den beiden bemerkenswerten Stücken, die der hervorragende Cellist Fulbert Slenczka und der sensible Pianist Dirk Wedmann kultiviert und mit Liebe zum Detail (Übergänge, Dynamik, Klangfarben) erstmalig auf CD zum Klingen bringen. Die Aufnahmetechnik setzt auf klare Präsenz (vorzüglich der Bösendorfer-Imperial), beim sehr direkt abgegriffenen Cello wünscht man sich manchmal mehr von der Klangentfaltung im Raum zu hören. Der Titel „Ode“ in G-Dur op. 20 steht einmalig da in der Celloliteratur: Eine freie Paraphrase, kein einfaches Nachspielen des Liedes „Du bist die Sonne meines Lebens“. Die harmonisch delikate Anfangs-Kadenz ist übernommen, dann entfernt sich das Werk mal meditativ mal schwelgend von der Liedmelodie. Ein Schmankerl für Cellisten! Die dreisätzige Sonate op. 16 in G-Dur (1895) beginnt noch harmlos mit einem klassisch-kompakten Sonatensatz. Ihr Clou ist der vielschichtige Mittelsatz, der Marsch- und Sarabanden-Rhythmen anklingen lässt und eine bezaubernd-berührende Welt an Stimmungsbildern durchmisst.

Die CD:

Cellowerke und ausgewählte Lieder. Anton Beer-Walbrunn und Wilhelm Furtwängler. Bayer Records BR 100 397. Erhältlich zum Sonderpreis über anton[at]beer-walbrunn-kohlberg[dot]de

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