02.06.2020 - 19:16 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar: Vor allem Frauen zahlen einen hohen Preis in der Coronakrise

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Während auf der Straße bei Demos Leute die Verhaftung von Bill Gates fordern, haben viele Familien mit echten Coronaproblemen zu kämpfen. Die häusliche Gewalt nimmt in der Krise zu. Ein Kommentar von Frank Stüdemann.

Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen (gestellte Szene).
von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

In den eigenen vier Wänden, hinter verschlossenen Türen waren Frauen die Hauptleidtragenden der ersten Corona-Monate. Eine Studie der TU München und des Essener RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zeichnet ein drastisches Bild: Frauen wurden zu Hause während der strengen Kontaktbeschränkungen Opfer von Schlägen, wurden von ihren Partnern drangsaliert, überwacht - und vergewaltigt. Auch Kinder, so die Studie, litten verstärkt unter häuslicher Gewalt. Überdurchschnittlich betroffen waren demnach Familien mit Kindern im Alter bis zehn Jahre. Steckte der Haushalt in finanziellen Schwierigkeiten, nahm die Gewalt noch zu.

Es ist schon oft gesagt worden, und es stimmt: Die Coronakrise dreht unsere Gesellschaft von innen nach außen, macht bestehende Schwachstellen und Brüche sichtbarer, die nun zu einem noch größeren Problem angewachsen sind. Ein Beispiel: Die wenigsten Frauen, auch das hat die Studie gezeigt, nutzten in ihrer verzweifelten Situation Hilfsangebote. Angst und Scham dürften jetzt und auch schon zuvor die Hauptgründe dafür sein, dass sie lieber erdulden, was ihnen widerfährt.

Wenn Männer zu Hause prügeln und vergewaltigen

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Familien mit schulpflichtigen Kindern saßen jetzt monatelang in der Falle - vor allem, wenn sie nicht gerade ein geräumiges Haus zur Verfügung hatten, in dem man sich bei Bedarf auch mal aus dem Weg gehen kann. Viele Eltern waren und sind durch Heimarbeit, Kinderbetreuung und Zukunftssorgen bis zum Anschlag belastet. Das ist das Klima, in dem häusliche Gewalt gedeiht.

Eine Lehre für die nächste Krise muss sein, dass es flächendeckende Kinder-Notbetreuungen braucht, damit Familien - und vor allem die Frauen - nicht noch einmal einen derart hohen Preis zahlen.

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