12.06.2020 - 17:34 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar: Reflexe statt Reflexion

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Ein zu schön gefärbter Blick auf die Sklaverei, weiße Schauspieler, die als Schwarze herumalbern? Das muss kommentiert werden. Aber warum erst jetzt? Ein Kommentar von Frank Stüdemann

Vivien Leigh als Scarlett O'Hara und Clark Gable als Rhett Butler in einer Szene des Films "Vom Winde verweht" (1953). Der US-Streaminganbieter HBO max will den Filmklassiker nur noch mit einordnenden Hinweisen zur dargestellten Sklaverei zeigen.
von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

Peinlich, wenn HBO einen Klassiker wie "Vom Winde verweht" aus dem Programm nimmt, um ihn mit Hinweisen auf das Thema Sklaverei zu versehen. Peinlich, dass die große BBC und der mächtige Streaming-Gigant Netflix eilig die bösartige kleine Comedyserie "Little Britain" über Nacht aus ihrem Angebot streichen.

Peinlich sind solche Manöver allerdings nicht wegen der Vorgänge an sich, sondern wegen des Timings. Warum muss man erst warten, bis in den USA und vielen anderen Ländern die Menschen in Massen auf die Straße gehen und gegen Rassismus protestieren? Warum erst jetzt reflex- und panikartig reagieren?

Jahre und Jahrzehnte wären Zeit gewesen gegeben, solche Medien mit einordnenden Hinweisen zu versehen - was an sich keine schlechte Idee ist. Es schadet nicht, den Zuschauer darauf aufmerksam zu machen, dass die Zeiten sich geändert haben. Oder sich endlich ändern müssen.

Hintergrund: Filmklassiker unter der Rassismus-Lupe

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Kommentare

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Franz Wölfl

Warum einordnende Hinweise? Sind die Menschen mittlerweile so ungebildet, dass sie diese Szenen nicht selbst einordnen können? Ich finde, dieses gehört zur Allgemeinbildung. Sollte dies nicht der Fall sein, haben die Bildungseinrichtungen und auch die Medien versagt!

13.06.2020