17.08.2020 - 19:57 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar: Söder und Spahn verprellen die geduldigen Maskenträger

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Bislang trägt eine große Mehrheit der Deutschen die Corona-Einschränkungen durch Bundes- und Landesregierungen mit. Das könnte sich ändern, wenn Politiker nicht besser aufpassen, was sie sagen. Ein Kommentar von Frank Stüdemann.

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit.
von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

Es gab in der Coronazeit bisher Politiker, die sich erfolgreich als Macher zeigten, als Freunde klarer Ansagen, als Steuermänner in der Krise. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder war einer von ihnen - bis jetzt. Die desaströse Panne bei der Testung von tausenden von Urlaubsrückkehrern hat seinem Macher-Image Schaden zugefügt und ihn Glaubwürdigkeit gekostet.

Denn 903 Betroffene haben erst nach Tagen erfahren, dass sie positiv auf Corona getestet wurden. 46 der Pannenopfer laufen wohl auch weiterhin ahnungslos durch die Gegend und haben keinen blassen Schimmer, dass sie andere Menschen anstecken könnten. Bleibt nur zu hoffen, dass die Betroffenen sich auf eigene Faust noch einmal einem Test unterziehen. Markus Söder erwarten im Landtag unterdessen einige bittere Momente, wenn er sich am Mittwoch den kritischen Fragen der Opposition stellen muss.

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Und nun droht auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, sein Macher-Image anzukratzen. Er stellt mit seinen Aussagen vom Montag vielleicht nicht das Vertrauen, aber zumindest die Geduld der Bevölkerung auf die Probe. Wenn der CDU-Minister jetzt wegen nicht näher definierter "lokaler Ausbrüche" plötzlich wieder Familienfeiern und Feste in den Fokus von neuen, strengeren Beschränkungen nehmen will, dann wirkt das willkürlich. Bund und Länder werden sich erst kommende Woche zu diesem Thema abstimmen - wenn überhaupt. Bis dahin zumindest hätte Spahn sich mit solchen Äußerungen zurückhalten können.

Die Verantwortlichen tun in der anhaltenden Krisenlage gut daran, sich ihre Äußerungen doppelt und dreifach gut zu überlegen. Sie riskieren sonst, auch die bislang geduldige Mehrheit der Maskentragenden und Abstandhaltenden zu verunsichern. Sämtliche Anti-Corona-Maßnahmen brauchen aber weiter den breiten gesellschaftlichen Rückhalt, sie müssen plausibel vermittelt werden. Nur dann werden sie bestmöglich umgesetzt, und nur so kann das Virus in Schach gehalten werden.

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