15.05.2019 - 18:28 Uhr
Deutschland & Welt

Konsumträume auf dem Rücken der Paketzusteller

Die Große Koalition hat sich auf Maßnahmen geeinigt, um Paketboten besser vor Ausbeutung zu schützen. Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein Kommentar von Frank Stüdemann.

Schleppen für die Konsumfreuden der Kunden: Paketboten sind nicht die Profiteure des E-Commerce-Booms.
von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

Amazon, Zalando, Ebay und Co.: In der schönen E-Commerce-Welt ist fast alles, was das Konsumentenherz begehrt, nur noch wenige Klicks, Wischer und Tipper entfernt - und wird oft nach nicht einmal 24 Stunden geliefert. Kleidung, Unterhaltungsmedien, Möbel, Dekoartikel, Haushaltsgeräte oder Elektronik kommen per Zusteller zum Käufer. Knapp 2,8 Milliarden Pakete wurden im Jahr 2017 allein in Deutschland verschickt, Tendenz steigend. Ein Grund: Jedes sechste Paket geht zurück an den Onlinehändler, weil auch Retouren für die Kunden oft versandkostenfrei sind.

Und so sind es am Ende die Paketboten, die auf viele Arten den Preis für unsere Bequemlichkeit zahlen. Termindruck, Schlepperei und zugeparkte Straßen sorgen dafür, dass das weiß Gott kein Traumjob ist. Und ohne DHL, Hermes, DPD, UPS über einen Kamm scheren zu wollen: Dass man nicht reich werden kann, wenn man Päckchen und Pakete ausliefert, hat sich auch herumgesprochen. Einige Subunternehmer der Paketdienste, die ihre Mitarbeiter unter Missachtung von Vorschriften ausbeuten, ziehen als schwarze Schafe obendrein den Ruf der gesamten Branche in den Schmutz.

Dass die Große Koalition dieser Ausbeutung einen Riegel vorschieben will, war lange überfällig und wäre beinahe am CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier gescheitert. Nichts ändern wird das daran, dass nur die großen Unternehmen vom lukrativen Kuchen des Online-Handels die großen Stücke bekommen - und die Masse der Zusteller nur die Krümel.

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Kommentare

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Stefan Kreuzeck

Ja genau, einige schwarze Schafe.
Die neue Regelung hat scheinbar, so ist in einigen Medien zu lesen, so viele Schlupflöcher (kennt man ja von der Mietpreisbremse), dass dies alles am Ende wahrscheinlich verpuffen wird.

Wieso führt man nicht eine Tarifvertragspflicht im Paketwesen ein? Dazu nur die Erlaubnis einmal an Sub zu vergeben, also keine Sub-Sub und so weiter, was ja an der Tagesordnung ist.
Man muss die Subvergabe so erschweren, dass die Paketdienste das großteils alles wieder selbst erledigen.

Dazu sollten sich viele hinterfragen, ob dieses ständige Bestellen auf Vorrat und das zurücksenden ökologisch vertretbar ist. Da sind dann auch sicher einige dabei, die Freitags auf die Straße gehen oder damit sympathisieren. Dabei ist es immer gut erst auch vor der eigenen Tür zu kehren.

17.05.2019