12.09.2019 - 16:29 Uhr

Kunst, die keinen Schleier lüftet

Verschleierte Frauen, Waschmanschinen und Sprengstoffgürtel: Adidal Abou-Chamat hat syrische Wurzeln und nimmt sich eine provokante Abrechnung mit ihrer Herkunft heraus. Mit ihrer Ausstellung in Regensburg regt sie zu Diskussionen an.

Provokativ und manchmal mit einem Augenzwinkern: Die Verschleierung spielt im künstlerischen Werk Adidal Abou-Chamats, das zur Zeit in Regensburg ausgestellt ist, eine zentrale Rolle. Repro: Susanne Wolke
Provokativ und manchmal mit einem Augenzwinkern: Die Verschleierung spielt im künstlerischen Werk Adidal Abou-Chamats, das zur Zeit in Regensburg ausgestellt ist, eine zentrale Rolle.

Adidal Abou-Chamat selbst trägt kein Kopftuch. In ihren künstlerischen Arbeiten jedoch ist es nicht wegzudenken. Ob Tänzerin, transformierter Mann oder Waschmaschine - irgendwie verwickelt ist alles im Werk der deutsch-syrischen Künstlerin. "Verwicklung" hat sie auch eine Videoarbeit betitel. Die Ausstellung, mit der sich die gebürtige Münchnerin derzeit im Neuen Kunstverein Regensburg präsentiert, heißt "beyond borders". Verschleierung, Gesellschaftskritik und Vorurteile spielen auch hier die zentrale Rolle.

Mit ihren Arbeiten greift Adidal Abou-Chamat hochaktuelle politische Diskussionen auf. Eine Abrechnung mit ihrer Herkunft? Wohl schon. Eine heikles Thema? Auf jeden Fall. Denn Fotoarbeiten wie der mit einem Sprengstoffgürtel ausgestattete und potentiell islamische Unterleib wirken brandgefährlich - wenn auch in diesem Fall nur für ein in seiner Interpretation verunsichertes Kunstpublikum.

Der Neue Kunstverein Regensburg zeigt Foto- und Videoarbeiten sowie Zeichnungen Adidal Abou-Chamats. Und die sind so direkt, wie es sich nur eine in den Hintergrund Verwickelte leisten kann. Ein Kopftuch trägt Adidal Abou-Chamat nicht. Verstrickt in die Gefügte ihrer Herkunft ist sie dennoch. 1957 in München geboren scheut sie sich nicht, vor allem ihre syrischen Wurzeln als Inspirationsquelle zu nutzen.

Und das macht sie gerne auf provokante Art. Die vollverschleierte Tänzerin mag in ihrer Ästhetik noch als einigermaßen neutrales Abbild des Islam durchgehen. Das Männerportrait, an dessen Hals die Künstlerin eine Köpfungslinie markiert hat - "cut here" -, tastet sich näher an die Schmerzgrenze heran. Ob Adidal Abou-Chamat dabei die Grausamkeiten islamischer Terroristen anprangert oder aber die Vorurteile der westlichen Welt gegenüber dem Islam überhaupt, bleibt hier unklar. Mehr oder weniger schleierhaft wirken sie alle, die Arbeiten der deutsch-syrischen Künstlerin. Fest steht: Sie sind hoch politisch und provozieren zur Diskussion.

Info:

Service

Die Ausstellung „beyond borders“ mit Fotografien, Zeichnungen und Videoarbeiten von Adidal Abou-Chamat läuft bis zum 6. Oktober im Neuen Kunstverein Regensburg, Schwanenplatz 4. Öffnungszeiten sind Donnerstag und Freitag von 16 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 12 bis 14 Uhr. (wsu)

www.neuerkusntverein.de

 
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