11.12.2019 - 14:37 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Lehrerverband fordert mehr Personal

Statistiken zeigen regelmäßig, was Kinder und Jugendliche belastet - und oft genug dafür sorgt, dass sie in der Schule schlecht sind. Der Lehrerverband BLLV befürchtet, dass immer mehr Schüler abgehängt werden. Helfen würden aus seiner Sicht zwei konkrete Änderungen.

Eine junge Lehrerin schreibt an eine Schultafel.
von Agentur DPAProfil

Mobbing, Panikattacken, geschiedene oder suchtkranke Eltern, Armut - nicht alle Kinder im Freistaat wachsen unbeschwert auf. Zahlreiche Statistiken zeigten, wie viele Schülerinnen und Schüler besonderen Belastungen ausgesetzt seien, sagte die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, am Mittwoch in München. Der einzelne Lehrer sei mit dieser Gemengelage überfordert. „Und was passiert? Nicht viel, und vor allem nicht das Richtige.“

Fleischmann wiederholte deshalb ihre Forderung an die Staatsregierung, dass bei Bedarf zwei Lehrer pro Klasse unterrichten und an den Schulen Teams aus verschiedenen Berufen zusammenarbeiten sollten. Nur im Zusammenspiel von Lehrern mit beispielsweise Heilpädagogen, Psychologen oder Sozialarbeitern sei die nötige Differenzierung und Förderung möglich, um kein Kind zu „verlieren“.

Mit Blick auf die regelmäßig veröffentlichten Statistiken, Analysen und Rankings sagte Fleischmann: „Jede Zahl kriegt großen Medienwirbel, wenn sie rauskommt. Jedes Kind dahinter aber braucht Profis, die damit umgehen können.“ Deshalb müsse das Personal an den Schulen dringend aufgestockt werden, auch wenn „Lehrer nicht vom Himmel fallen und auch nicht von den Bäumen zu pflücken sind“.

Unterstützung erhielt Fleischmann vom Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität München, Gerd Schulte-Körne. „Wie kann man Schule so weiterführen, wenn sich die Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler doch so verändert haben? Die Familien haben sich verändert, die Gesellschaft hat sich verändert, die Werte haben sich verändert“, sagte Schulte-Körne. Nur das Schulsystem beharre auf Althergebrachtem.

Im klinischen Alltag sähen die Mediziner häufig einen Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen und dem Schulsystem, sagte Schulte-Körne. „Einschulung und Übertritt, das sind unsere Brüche. Und dann noch die Pubertät - das sind die Phasen, in denen wir die meisten Zunahmen von psychischen Krankheiten sehen.“ Zum Wohle der Kinder forderte er daher wie Fleischmann eine engere Verzahnung zwischen dem medizinischen Hilfssystem und dem Schulsystem.

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