Helmuth Rilling galt als Institution: Dirigent, Bachexperte, Musikpädagoge und Gründer der Internationalen Bachakademie Stuttgart. Nun ist Rilling am Mittwochmorgen im Alter von 92 Jahren in Leonberg (Kreis Böblingen) gestorben, wie sein Manager und die Bachakademie bestätigten.
Über Jahrzehnte prägte der gebürtige Stuttgarter das internationale Musikleben. Er setzte Maßstäbe insbesondere durch seine Auseinandersetzung mit dem Werk des Komponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750) und legte als erster eine Gesamteinspielung des Bach-Werks auf 172 CDs vor.
„Wir betrauern den Tod eines großen Musikers, leidenschaftlichen Musikvermittlers und inspirierenden Menschen“, sagte die baden-württembergische Kulturministerin Petra Olschowski (Grüne). Als Chorleiter und Dirigent habe er in Stuttgart, in Baden-Württemberg und weltweit berührt und begeistert.
Kein „Bach-Papst“, sondern Musiker
„Er prägte Generationen von jungen Musikerinnen und Musiker auf der ganzen Welt“, würdigte ihn die Bachakademie, die Forschungs- und Ausbildungsstätte, die Rilling 1981 aus der Taufe hob und bis 2013 leitete. „Für viele von ihnen war es die erste Begegnung mit Bach, mit oftmals initialer Auswirkung auf deren eigene künstlerische Laufbahn.“
Rilling arbeitete und dirigierte leidenschaftlich, perfektionistisch, er war ruhelos und zurückhaltend. Den oft genutzten Begriff des „Bach-Papsts“ hörte er allerdings überhaupt nicht gerne, „schwäbischer Evangelist“ auch nicht. „Ich bin Musiker“, pflegte der Grammy-Preisträger zu sagen.
Alles kommt aus der Familie
Seine Profession erklärte Rilling stets mit seinem familiären Hintergrund: So kam sein Vater aus einer Musiker- und seine Mutter aus einer Theologenfamilie. „Bach fiel da auf fruchtbaren Boden.“ 1954 gründete er in einem Dorf auf der Schwäbischen Alb die Gächinger Kantorei, die es in der Folge zu internationalem Ansehen brachte. Im Jahr 1965 kam das Bach-Collegium Stuttgart als Orchester dazu.
Zunächst Kantor in Stuttgart wurde Rilling 1966 Dozent für Chorleitung an der Frankfurter Musikhochschule. Drei Jahre später wurde er zum Professor ernannt. Unzählige Preise, Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden folgten bis zuletzt, darunter 2011 der Herbert-von-Karajan-Musikpreis. Rilling reiste in die DDR, als das noch heikel war, er dirigierte in Russland und China. Sein Lebenswerk ist auf Millionen Tonträgern verewigt.
© dpa-infocom, dpa:260212-930-678016/3














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